Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 88 Domkreuzgang 1447

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Stiftspropst Diepold von Aichberg. Im Südflügel im achten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche im südlichen Seitenschiff (Johannes-Ev.-Kapelle)1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet, die linke Längsseite nicht ganz ausgefüllt. Im gerahmten Mittelfeld unter einem Fünfpaßbogen Darstellung des Verstorbenen im Superpelliceum, in seiner Linken ein Kelch, die Rechte in Richtung des Betrachters segnend erhoben, ihm zu Füßen sein Wappenschild. Maßwerkbogen, Kopf, Figur und Wappenschild in Flachrelief, die Gewandung mit eingeritzter Binnenzeichnung.

Maße: H. 178 cm, B. 87 cm, Bu. 8,2 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 88 – Domkreuzgang – 1447

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Annoa) · d(omi)nib) · Mo c) · cccco · xlvijo d) · / · obyte) · d(omi)n(v)s · Tyewoldvse) · Ayechpergere) · Can(oni)c(vs)f) · et · cvstos / · eccl(es)ieb) · frys(ingensis)e) · et · P(re)P(osi)t(v)s · S / · Andree · In · dieb) · S · Scolasticeb) · virg(in)isg) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1447 starb Herr Diepold Aichberger, Kanoniker und Kustos der Freisinger Kirche und Propst von St. Andreas am Tag der hl. Jungfrau Scholastica.

Datum: 1447 Februar 10.

Wappen:
Aichberger2).

Kommentar

Zu den Schriftformen vgl. Einleitung XCVIII.

Diepold von Aichberg entstammte einem niederbayerischen Adelsgeschlecht, das 1511 erlosch3). Seine Eltern waren Georg von Aichberg zu Mayring und Helena Zeller, geb. von Zell und Riedau4). 1429 wurde er Domherr in Freising und Pfarrer zu Ried im Innkreis5), 1431 auch Pfarrer zu Mehrnbach6). Von 1435 bis 1445 übte er das Amt des Domkustos aus7) und war seit 1445 Propst des Kollegiatstifts St. Andreas8). Aichberg veranlaßte eine Meßstiftung an die Domkirche9). Seine Grabstätte in der Benediktuskirche befand sich nach Eckher nahe der seiner Vettern Erhard Ottenhofer (Nr. 84) und Leonhard Zeller (Nr. 110)10).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: THEOWALD(VS) DE AICHBERG CAN(ONICVS) CVSTOS ET / PRAEPOS(ITVS) S: ANDREAE O(BIIT) A(NN)O 1447. 10 FEB(RVARII)11).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche im südlichen Seitenschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Theobald Aichberger a Mering. Can(onicus) O(biit) 1447. 1. Feb(ruarii)12). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Am Zeilenanfang verderbtes Zeichen, wohl eine Blüte im Quadrat, vgl. Nr. 89.
  2. Punkt über dem Schaft des i später ergänzt.
  3. Hochgestellte o später ergänzt.
  4. Punkte über den Schäften von i und j später ergänzt.
  5. Punkte über den Schäften des y später ergänzt.
  6. c(vs) hochgestellt.
  7. Punkt über dem Schaft der i später ergänzt; Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 I p. 18d/21.
  2. Ein schräger Zweig, aus dem drei Eicheln hervorwachsen. Vgl. auch das Ahnenwappen der Aichberger auf der Grabplatte des Erhard Ottenhofer (Nr. 84).
  3. Scharrer, Schloß Moos 213.
  4. BSB Cgm 2268 I p. 18d/21.
  5. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 1v; Ried im Innkreis, Pol. Bez. Ried im Innkreis, Oberösterreich, Österreich.
  6. Repertorium Germanicum I 170 Nr. 1029; Mehrnbach, Pol. Bez. Ried im Innkreis, Oberösterreich, Österreich.
  7. Geiß, Kemnater 145 Nr. 13.
  8. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Andreae Frisingae fol. 19v; AEM FS 118 p. 3b; Prechtl, St. Andreas 77, 111. In BSB Cgm 2268 I p. 18d/21 wohl irrig seit 1439 als Propst genannt.
  9. BayHStA HL Freising Nr. 573; AEM H 80 p. 8.
  10. BSB Cgm 2268 I p. 18d/21.
  11. Vgl. AEM H 482a p. 34; BSB Cgm 1718 1 vor p. 16; AEM H 64 p. 612; AEM H 464 fol. 16v.
  12. BSB Oefeleana 10 IV p. 94, 213; AEM H 76 p. 297, 321.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 I p. 18d/21; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 1v; BSB Cgm 1724 p. 4 Nr. 16; BSB Cgm 1717 p. 38; BSB Cgm 2290 I fol. 216r; BSB Cgm 2291 I fol. 125v; AEM H 482a p. 29, 34; BSB Cgm 1718 p. 8, 1 vor p. 16; AEM H 76 p. 331; HVO Ms. 318 fol. 55r; AEM H 477 p. 745; AEM H 61 p. 195; AEM H 465 fol. 13r, 16v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 7 Nr. 46; Geiß, Kemnater 145 Anm. d; HVF U XI 11 p. 6 Nr. 47; Schlecht, Inschriften III 63 Nr. 26; Prechtl, St. Andreas 77; Glaser, Grabsteinbuch 337 Nr. 100.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 88 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0008804.