Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 87 Domkreuzgang 1444

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Propst Kaspar von Seiboltsdorf. Im Nordflügel im sechsten Joch an der Nordwand. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Johannes Baptist im Boden, 1692 in den Kreuzgang transferiert1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einer Kleeblattarkade aus Maßwerk Darstellung des Verstorbenen im Superpelliceum, in seiner Linken ein Kelch, die Rechte darüber segnend erhoben. In den Ecken der Platte die verdoppelte zweifache Ahnenprobe in Dreipaßfeldern, die Schriftleiste unterbrechend. Arkade, Kopf, Figur und Wappenschilde in Flachrelief, die Gewandung mit eingeritzter Binnenzeichnung. Die Oberfläche der Platte leicht abgetreten.

Maße: H. 226 cm, B. 120 cm, Bu. 11,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 87 – Domkreuzgang – 1444

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Anno · d(omi)nia) · mo b) // cccco · xliiiio c) · Jn · diea) · S · henricia) · ob(iit) · ven(erabi)lisd) · Caspare) // Seyboltstarffe(r)f) // Can(oni)c(vs)g) · et · scolastic(vs)a) · fris(ingensis)a) · ac · p(re)p(osi)tvs · Mosbvrgen(sis)h)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1444 am Tag des hl. Heinrich starb der ehrwürdige Kaspar Seiboltsdorfer, Freisinger Kanoniker und Scholaster sowie Moosburger Propst.

Datum: 1444 Juli 13.

Wappen:
Seiboltsdorf2)Berbing3)
Berbing3)Seiboltsdorf2)

Kommentar

Zu den Schriftformen vgl. Einleitung XCVIII.

Kaspar von Seiboltsdorf aus der Linie der Seiboltsdorf zu Schenkenau entstammte einem bayerischen Adelsgeschlecht. Sein Vater war Heinrich von Seiboltsdorf d. J., seine Mutter Caecilia, geb. von Berbing4). Kaspar von Seiboltsdorf war seit 1409 Domherr in Freising5). 1415 immatrikulierte er sich an der Universität Heidelberg6). Von 1421 bis 1425 war er Propst des Kollegiatstifts St. Johannes Baptist7), ab 1425 bis zu seinem Tod Propst zu Moosburg8). 1443 übernahm er außerdem das Amt des Domscholasters9). Bereits 1434 stiftete er einen Jahrtag in die Domkirche10). Meßstiftungen sind auch nach St. Johannes Baptist belegt11).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: CASPARVS DE SEYBOLTSTORFF CAN(ONICVS) SCHOL(ASTICVS) ET PRAEPOS(ITVS) / MOSPURG(ENSIS) O(BIIT) A(NN)O 1444. 13 IVLIJ12).

Außerdem gab es in der Kollegiatstiftskirche eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Casparus de Seyboltstorff Can(onicus) Fris(ingensis) et Praep(ositus) huius Ecclesiae O(biit) a(nn)o 1444. 15. July13). Diese Platte ging wohl im Laufe des 19. Jahrhunderts verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Punkt über dem Schaft des/der i später ergänzt.
  2. Hochgestellte o später ergänzt; nachfolgend Unterbrechung durch Wappenfeld.
  3. Hochgestellte o und Punkte über dem Schaft der i später hinzugefügt.
  4. lis hochgestellt.
  5. Nachfolgend Unterbrechung durch Wappenfeld.
  6. Punkte über den Schäften des y später ergänzt; nachfolgend Unterbrechung durch Wappenfeld.
  7. c(vs) hochgestellt.
  8. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. Hundt, Stammenbuch II 296; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 51v.
  2. Bay 22 (Tafel 16).
  3. BayA1 113 (Tafel 113).
  4. Hundt, Stammenbuch II 295; Krick, Stammtafeln 361 Nr. 168B.
  5. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 51v.
  6. Matrikel Heidelberg I 125.
  7. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Johannis Baptistae Frisingae fol. 25v; AEM FS 118 p. 70.
  8. BSB Cgm 1716 Praepositi Mospurgenses ad S. Castulum fol. 31v; AEM FS 118 p. 274.
  9. Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 232; Deutinger, Schulwesen 507.
  10. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 46, 50; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 16r, 29v; AEM H 80 p. 28; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 96.
  11. BayHStA KL Freising – St. Johann Collegiatstift Nr. 30 fol. 6r, 10r.
  12. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 125; AEM H 482a p. 879; BSB Cgm 1718 1 vor p. 434; AEM H 64 p. 603; AEM H 464 fol. 236r. In den Kopialen wird als Tagesdatum irrig der 18. Juli angegeben.
  13. BSB Oefeleana 10 IV p. 247.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Praepositi Mospurgenses ad S. Castulum fol. 31v, Catalogus Canonicorum fol. 38v, 51v; BayHStA HL Freising Nr. 648 p. 132 Nr. 17; BSB Cgm 1724 p. 222 Nr. 40; AEM H 58 p. 286 (P); BSB Cgm 1717 p. 803; AEM H 482a p. 878f.; BSB Cgm 1718 p. 433, 1 vor p. 434; AEM H 76 p. 319; HVO Ms. 318 fol. 55r; AEM H 477 p. 745; AEM H 61 p. 195; AEM H 465 fol. 236r, 236v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 7 Nr. 45; Deutinger, Schulwesen 507; HVF U XI 11 p. 5 Nr. 46; Schlecht, Inschriften V 14f. Nr. 20; Glaser, Grabsteinbuch 338 Nr. 99.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 87 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0008706.