Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 82(†) Diözesanmuseum 1441

Beschreibung

Fragment der Kranzleisten eines Chorgestühls, mit Spruch und Stifterinschrift. Im Depot. Ursprünglich in der Kollegiatstiftskirche St. Veit im Chor, möglicherweise noch vor der Säkularisation veräußert1), um 1850 von Joachim Sighart erworben, 1857 der Kunstsammlung des Klerikalseminars einverleibt, 1974 in das Diözesanmuseum überführt (Inv.-Nr. P 184)2). Eichenholz. Die nordseitige Kranzleiste mit Spruch (I) verloren, von der südseitigen Leiste mit Stifterinschrift (II) das letzte Drittel heute fehlend. Das Gestühl an beiden Chorwänden aufgestellt, mit jeweils sieben Stallen3). Als oberer Abschluß die Kranzleisten, mit erhaben gearbeiteter Schrift; nach Ausweis vorhandener Reste an der Unterseite über einen Maßwerkfries mit den Stallen verbunden.

DI 69, Nr. 82(†) – Diözesanmuseum – 1441

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/3]

Maße: H. 13 cm, B. 540 cm, davon erhalten 354 cm, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (II).

I. Text nach BSB Oefeleana 10.

  1. Psallite Canonice simul et vivatis amice aut Vacuus Labor est Vestrum reliquo sine prodest. / Ave Maria.

Übersetzung:

Zugleich singet nach der Regel und lebt freundschaftlich, oder die Mühe ist vergebens. (Seid ihr) ohne den übrigen Teil von euch, hilft ein Ave Maria.

II. Ergänzt nach Hoffmann, Kunstaltertümer.4)

  1. Anno · d(omi)ni · 1441 · Comparatea) · sunt · iste · sedes · per · venerabileb) · cap[itulum · sancti · viti · frisingec)]

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1441 wurden diese Sitze durch das ehrwürdige Kapitel des hl. Veit in Freising erworben.

Versmaß: Zwei leoninische Hexameter, zweisilbig gereimt, und ein Adoneus. (I)

Kommentar

Die Schrift zeichnet sich durch einen breiten, kantigen Duktus aus. Der Versal A von Anno hat pseudounziale Form, mit einem auf beiden Seiten überstehendem Deckbalken und einer aufgesetzten Schwellung am linken Schaft. Das kastenförmige a kommt neben dem doppelstöckigen a mit geschlossenem oberen Bogen vor. Zur Schriftgestaltung s. auch Einleitung CVII.

Textkritischer Apparat

  1. Am Wortbeginn eine Blüte.
  2. Worttrennzeichen rautenförmig mit oben und unten ansetzenden Zierlinien.
  3. Das Textende an dieser Stelle bestätigt durch BSB Oefeleana 10.

Anmerkungen

  1. Das Chorgestühl wird nicht im 1803 erstellten Versteigerungsinventar von St. Veit aufgeführt, vgl. BayHStA Generalkommissariat Freising u. Mühldorf Nr. 221 prod. 3.
  2. Hoffmann, Kunstaltertümer 257 bzw. 49 (Sonderdr.).
  3. AK Freising 1989, 292 Nr. III. 27.
  4. Bei Meichelbeck, Historia Frisingensis I,1 211 ist Inschrift II irrig wiedergegeben: Anno 1001. Compactae sunt istae sellae à Venerabili Capitulo Sancti Viti Frisingae; ebenso bei Sighart, Mittelalterliche Kunst 197: Hoc sedile posuerunt decanus et venerabile capitulum St. Viti anno dom. 1004.

Nachweise

  1. Meichelbeck, Historia Frisingensis I,1 211; BSB Oefeleana 10 IV p. 413; Sighart, Künste 505; Hoffmann, Kunstaltertümer 257 bzw. 49 (Sonderdr.) Nr. 184; AK Freising 1989, 292 Nr. III.27.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 82(†) (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0008206.