Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 80 Domkreuzgang 1436

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Friedrich Stauthamer. Im Südflügel im siebten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche im nördlichen Seitenschiff vor dem Barbaraaltar1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einem Kleeblattbogen aus Maßwerk Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, in seiner Linken ein Kelch, die Rechte darüber segnend erhoben, zu seinen Füßen sein Wappenschild. Arkade, Kopf und Wappenschild in Flachrelief, die Gewandung mit eingeritzter Binnenzeichnung. In den Randbereichen und in der Bildmitte einzelne Schadstellen.

Maße: H. 184 cm, B. 86 cm, Bu. 9,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 80 – Domkreuzgang – 1436

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Annoa) · d(omi)nib) · Mo c) · cccco · / xxxvio d) · In · diee) · Bartholomei · ap(osto)lib) · obytf) · venerabi(lis) / · d(omi)n(v)s · Frideric(vs) · / Stavthame(r) · Can(oni)c(vs)g) · Ecc(les)ie · Frisi(n)g(ensis)b) · et · pl(e)b(anvs) · Jn · hai(n)b(vr)gh) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1436 am Tag des Apostels Bartholomäus starb der ehrwürdige Herr Friedrich Stauthamer, Kanoniker der Freisinger Kirche und Pfarrer in Hainburg.

Datum: 1436 August 24.

Wappen:
Stauthamer2).

Kommentar

Die Schriftgestaltung, das Steinmetzzeichen zu Beginn der Inschrift in Form eines Sparrenfußschaftes auf einem Sturzsparren sowie die Gestaltung des Versals A von Anno, aber auch Übereinstimmungen im Minuskelbestand sprechen für einen Werkstattzusammenhang mit der Grabplatte des Heinrich Judmann (Nr. 78); vgl. Einleitungskapitel XCVIII.

Der aus Neuötting stammende Friedrich Stauthamer immatrikulierte sich 1407 an der Artistenfakultät der Universität Wien3), später auch an der juridischen Fakultät4). 1411 wurde er mit der Pfarrei Waidhofen an der Ybbs providiert5). Von 1414 bis 1418 trat er als Notar beim Konzil zu Konstanz auf6) und erhielt wenig später, im November 1418, durch päpstliche Verleihung ein Kanonikat am Freisinger Domstift7), wo er 1427 zum Kapitular gewählt wurde8). Die bereits in frühen Jahren erlangte Pfarrstelle der Burgkapelle in Bischofslack resignierte er 14199), ebenso resignierte er 1421 die Pfarrei Waidhofen an der Ybbs, als er im Gegenzug die Pfarrei Hainburg an der Donau erhielt10). 1427 führte Stauthamer als Sekretär des habsburgischen Herzogs Albrecht V. Verhandlungen mit dem Kandidaten der „bayerischen“ Partei, Leonhard Laiminger, um die Besetzung des Passauer Bischofstuhls11). 1421 stiftete er Jahrtagsmessen nach Waidhofen12) und an die Freisinger Domkirche13).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: FRIDERIC(VS) STAVTHAMER CAN(ONICVS) O(BIIT) / A(NN)O 1436. 24 AVG(VSTI)14).

Außerdem gibt es in der Benediktuskirche im nördlichen Seitenschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: + / FRIDER(ICVS) / [ST]AVTHAMER. / [C]AN(ONICUS) O(BIIT) 1436. / 24. AVG(USTI) / +15).

Textkritischer Apparat

  1. Am Textbeginn Steinmetzzeichen (s. Kommentar).
  2. Punkt über dem Schaft des/der i später ergänzt.
  3. Hochgestellte o später ergänzt.
  4. x ohne Balken; Punkt über dem Schaft des i später ergänzt.
  5. Worttrennzeichen zwischen In und die punktförmig, wohl später ergänzt.
  6. Punkte über den Schäften des y später ergänzt.
  7. c(vs) hochgestellt.
  8. Worttrennzeichen quadrangelförmig, Ausnahme s. Anm. e; Punkte über dem Schaft des i später ergänzt.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 52r.
  2. Gespalten, darüber ein in einer Kleeblattspitze endender, zu beiden Seiten von einem fünfstrahligen Stern beseiteter Berg in verwechselten Farben.
  3. Matrikel Wien I 75, 1407 II R 31; Weigl, Stauthaimer 110; Neuötting, Lkr. Altötting.
  4. Weigl, Stauthaimer 111.
  5. Weigl, Stauthaimer 111; Waidhofen an der Ybbs, Niederösterreich, Österreich.
  6. Weigl, Stauthaimer 112.
  7. Weigl, Stauthaimer 112.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 52r.
  9. Weigl, Stauthaimer 110, 114; Bischofslack (Škofja Loka), Bez. Kranj, Slowenien.
  10. Friess, Waidhofen 105 Nr. 48; Erhard, Regesten III 79 Nr. CCXXXIII; Hainburg an der Donau, Pol. Bez. Bruck an der Leitha, Niederösterreich, Österreich.
  11. Weigl, Stauthaimer 117.
  12. Friess, Waidhofen 105 Nr. 48; Maier, Waidhofen 36.
  13. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 31; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 29r; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 93; Boegl, Jahrtagsverzeichnis 4.
  14. Vgl. AEM H 482a p. 914; BSB Cgm 1718 1 vor p. 453; AEM H 64 p. 613; AEM H 464 fol. 245r.
  15. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 202; AEM H 76 p. 297; Schlecht, Inschriften IV 109 Nr. 23.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2269 fol. 139av; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 52r; BSB Cgm 1724 p. 224 Nr. 46; BSB Oefeleana 10 IV p. 95; BSB Cgm 1717 p. 810; AEM H 482a p. 914f.; BSB Cgm 1718 1 vor p. 453, 454f.; AEM H 76 p. 331; HVO Ms. 318 fol. 54r; AEM H 477 p. 744; AEM H 61 p. 194; AEM H 465 fol. 245r, 246r, Appendix fol. 8r; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 6 Nr. 40; HVF U XI 11 p. 5 Nr. 41; Schlecht, Inschriften III 61 Nr. 22; Weigl, Stauthaimer 115; Glaser, Grabsteinbuch 334 Nr. 94.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 80 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0008000.