Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 78 Domkreuzgang 1436

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domdekan Heinrich Judmann von Steingriff. Im Südflügel im zweiten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche im Chor1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet, die linke Längsseite nur bis zur Mitte ausgefüllt. Schrift mit schwarzer Farbe nachgezogen. Im Mittelfeld unter einem gotischen Kleeblattbogen aus Maßwerk Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, in seiner Linken ein Kelch, die Rechte darüber segnend erhoben, zu seinen Füßen sein Wappenschild. Arkade, Kopf und Wappenschild in Flachrelief, die Gewandung mit eingeritzter Binnenzeichnung. In den Randbereichen und in der Bildmitte einzelne Schadstellen; das Mittelfeld an einigen Stellen leicht abgetreten.

Maße: H. 203 cm, B. 140 cm, Bu. 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 78 – Domkreuzgang – 1436

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. · Annoa) · d(omi)ni · m · cccc · / xxxvi · obytb) · d(omi)n(v)s · Hainricvsc) · Jvdman · Decanvs · / Ecclesie · Frisingensis · / In diec) · S(an)ctic) · allexandric) · Paped) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1436 starb Herr Heinrich Judmann, Dekan der Freisinger Kirche, am Tag des hl. Papstes Alexander.

Datum: 1436 Mai 3.

Wappen:
Judmann2).

Kommentar

Die Inschrift ist vergleichbar mit derjenigen auf der Grabplatte für Friedrich Stauthamer (Nr. 80). Auf beiden Platten findet sich zu Textbeginn ein Steinmetzzeichen in Form eines Sparrenfußschaftes auf Sturzsparren; bei dem Denkmal Judmann gabeln sich die Enden des Sturzsparrens und der Schaft endet in einem Ringkopf. Übereinstimmungen bestehen auch hinsichtlich der Gestaltung der Schaftenden und der teilweise daran ansetzenden Zierhäkchen. Die beiden A-Versalien von Anno sind, mit Ausnahme des unteren Endes des linken Schaftes, ebenfalls identisch. Parallelen zeigen außerdem die Physiognomien der Dargestellten sowie die Organisation der Gewandfalten. So ist davon auszugehen, daß die Grabplatten der im gleichen Jahr verstorbenen Geistlichen von derselben Werkstätte gefertigt wurden, vgl. Einleitungskapitel XCVIII.

Heinrich Judmann von Steingriff entstammte einem bayerischen Adelsgeschlecht, das 1497 erlosch3). Seine Eltern waren Ulrich Judmann und Siguna, geb. Vogt4). Ab 1400 war er Kanoniker des Freisinger Domstifts5) und von 1400 bis 1427 Propst des Kollegiatstifts St. Veit6). 1406 wird er als Zellerar und Richter des Baramtes erwähnt7). 1425 wurde er zum Domdekan erwählt8). Von ihm ist eine Meßstiftung an die Domkirche belegt9).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: HENRIC(VS) IVDMAN DE STAINGRIFF DECAN(VS) / O(BIIT) A(NN)O 1436. 3 MAIJ.10).

Außerdem gab es im Mittelschiff der Benediktuskirche eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Henr(icus) Judman D(octo)r Can(onicus) ob(iit) III. May M.CCCC.XXXVI11).

In der Benediktuskirche existierte gegenüber der Grabstätte des Heinrich Judmann eine von ihm im Jahre 1428 gestiftete Wandmalerei, s. Nr. 75†.

Textkritischer Apparat

  1. Quadratisches Feld mit erhaben gearbeiteten Steinmetzzeichen (s. Kommentar).
  2. Punkte über den Schäften des y später ergänzt.
  3. Punkt über dem Schaft des/der i später ergänzt.
  4. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. Hundt, Stammenbuch I 237; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 20v.
  2. BayA1 16 (Tafel 13).
  3. BayA1 17.
  4. BSB Cgm 2290 XV fol. 112v.
  5. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 20v; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 606 Nr. 36.
  6. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Viti Frisingae fol. 23v; AEM FS 118 p. 104; Prechtl, St. Veit 101.
  7. AEM Nachlaß Boegl Nr. 32 (Domherren 2).
  8. BSB Cgm 1716 Decani Frisingensis Ecclesiae Maioris ad fol. 7 p. 4, fol. 13r; Baumgärtner, Meichelbeck’s Geschichte 606 Nr. 36.
  9. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 49b.
  10. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 90; AEM H 482a p. 417; BSB Cgm 1718 1 nach p. 189; AEM H 64 p. 608; AEM H 464 fol. 113v.
  11. BSB Oefeleana 10 IV p. 208; AEM H 76 p. 297.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Decani Frisingensis Ecclesiae Maioris fol. 13r, Catalogus Canonicorum fol. 20v; BayHStA HL Freising Nr. 648 p. 37 Nr. 37; BSB Cgm 1724 p. 106 Nr. 7; AEM H 58 p. 49 (P, H 61); BSB Cgm 1717 p. 385; BSB Cgm 2290 XV fol. 112v; AEM H 602 p. 146; AEM H 482a p. 416f.; BSB Cgm 1718 1 nach p. 189, 190; AEM H 76 p. 332; AEM H 64 p. 17; HVO Ms. 318 fol. 54r; AEM H 477 p. 744; AEM H 61 p. 60; AEM H 465 fol. 113r, 113v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 6 Nr. 39; HVF U XI 11 p. 5 Nr. 40; Schlecht, Inschriften III 48f. Nr. 4; Glaser, Grabsteinbuch 334 Nr. 93.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 78 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0007807.