Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 72 Domkreuzgang 1425

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Stiftspropst Degenhard von Weichs. Im Ostflügel im vierten Joch an der Westwand. Ursprünglich im Dom im äußeren nördlichen Seitenschiff in der Michaelskapelle an der Westwand zum Nordturm1), seit 1957 am heutigen Standort. Tegernseer Kalkstein. Erhaben gearbeitete Umschrift zwischen zwei Leisten, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, der Kopf auf einem mit Quasten besetzten Kissen ruhend, die Hände zum Gebet gefaltet. In den Ecken der Platte kreisrunde Wappenmedaillons, die Schriftleiste unterbrechend.

Maße: H. 207 cm, B. 98 cm, Bu. 10,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 72 – Domkreuzgang – 1425

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. Anno · do(min)ia) · Mo b) · // · cccco · xxvo · Jn · vi(gilia) · pasce · o(biit) · d(omi)n(u)s · deg(e)nhard(us)b) · // · de · Weychsb) · // · Cano(n)ic(us) · Frysing(e)n(sis) · et · p(re)p(osi)tus · Mosburg(e)n(sis)c) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1425 am Tag vor Ostern starb Herr Degenhard von Weichs, Freisinger Kanoniker und Moosburger Propst.

Datum: 1425 April 07.

Wappen:
Kammer2)Weichs3)
Weichs3)Kammer2).

Kommentar

Bei dieser Grabplatte handelt es sich um eine höchst qualitätvolle Arbeit, die bisher noch keiner namentlich bekannten Bildhauerwerkstätte zugewiesen werden konnte. Von derselben Hand haben sich figurale Grabplatten in St. Jakob in Straubing und im Domkreuzgang zu Brixen erhalten. Anhand dieser Vergleichsstücke wird deutlich, daß der Bildhauer über ein festes Repertoire an Typen verfügte, die je nach Auftrag eingesetzt wurden: So gleicht die Figur des Bischofs Berthold von Brixen († 1427) derjenigen in Freising völlig hinsichtlich der hageren Figur und den asketischen Gesichtszügen, während der Straubinger Pfarrer Magnus von Schmiechen († 1413) einen feisten, wohlgenährten Typus verkörpert4). Hier wie dort ist die Inschrift mit zahlreichen feinen Bögen, Häkchen und Spitzen verziert und mit aufwendigen Versalien versehen, ebenso wurden die Oberflächenstrukturen von Körperteilen und Gewandung detailliert herausgearbeitet; vgl. auch Einleitung XCVIII.

Degenhard von Weichs stammte aus einem bayerischen Rittergeschlecht. Seine Eltern waren Konrad von Weichs und Gutta, geb. von Kammer5). Seit 1379 ist er als Domkapitular in Freising nachweisbar6). Weitere Stationen auf seinem Weg an die Spitze des Bistums waren 1383 die Propstei in Moosburg7), 1395 die Leitung der Domschule8) und 1407 ein Domkanonikat in Augsburg9). 1410 wurde er vom Domkapitel zum Bischof gewählt, mußte jedoch zu Gunsten des von (Gegen-)Papst Johannes XXIII. begünstigten Bischofs von Gurk, Konrad von Hebenstreit, resignieren10). Von Degenhard von Weichs ist eine Meßstiftung an die Freisinger Domkirche belegt11).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift, die voraussichtlich 2011 in Entsprechung zu den übrigen Tafeln von 1716 neu hergestellt wird: DEGENHARD(VS) DE WEICHS CAN(ONICVS) ET PRAEP(OSITVS) / MOSBVRG(ENSIS) O(BIIT) A(NN)O 1425. 7 APRIL(IS).

Außer der figuralen Grabplatte gab es im Dom (?) eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Degenhardus de Weichs. Can(onicus) O(biit) A(nno) 1425. 1. Mart(ii)12). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1842 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. i hochgestellt.
  2. Nachfolgend Unterbrechung durch Wappenmedaillon.
  3. Worttrennzeichen in Form sehr kleiner Quadrangeln. Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1, AEM H 58, AEM H 464, HVO Ms. 318 fügen an: quondam electus Episcopus Frising(ensis).

Anmerkungen

  1. Hundt, Stammenbuch II 356; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 65v; Schlecht, Inschriften II 13.
  2. BayA1 45 (Tafel 45).
  3. Bay 62 (Tafel 67).
  4. Liedke, Franz Sickinger 42f., Abb. 38, 39.
  5. Holdenried, Weichs Nr. 23, 1f. bzw. 283 (Sonderdr.); Angerpointner, Freisinger Domherren Nr. 2, 1, Nr. 3, 3.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 65v.
  7. BSB Cgm 1716 Praepositi Mospurgenses ad S. Castulum fol. 31v; AEM FS 118 p. 274; Moosburg, Lkr. Freising.
  8. Deutinger, Schulwesen 500; Grassinger, Aibling 24f.
  9. Khamm, Hierarchia Augustana I 596.
  10. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 65v; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 31r; Gurk, Pol. Bez. St. Veit an der Glan, Kärnten, Österreich.
  11. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 13, 53; BayHStA HL Freising Nr. 573; AEM H 80 p. 38; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 89.
  12. BSB Oefeleana 10 IV p. 36; AEM H 76 p. 316, 317; Angerpointner, Freisinger Domherren Nr. 2, 1, geht irrig vom Verlust der figuralen Grabplatte aus und zitiert die Inschrift der Bodenplatte als eigentliche Grabinschrift.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Praepositi Mospurgenses ad S. Castulum fol. 31v, Catalogus Canonicorum fol. 65v; BayHStA HL Freising Nr. 648 p. 131 Nr. 16; BSB Cgm 1724 p. 269 Nr. 25; AEM H 57 p. 155; Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 203; BSB Cgm 1717 p. 989-991; BSB Oefeleana 10 IV p. 37f.; AEM H 482a p. 1003, 1005; BSB Cgm 1718 1 nach p. 506, 507; AEM H 76 p. 314 Nr. 30, p. 336; AEM H 58 p. 285 (B); AEM H 464 fol. 80v; HVO Ms. 318 fol. 23r, 54r; AEM H 477 p. 743; AEM H 61 p. 193; AEM H 465 fol. 269r, 270r; HVO Geissiana 454 p. 5 Nr. 36; Deutinger, Schulwesen 501f.; HVF U XI 11 p. 4 Nr. 37; Schlecht, Inschriften II 13 Nr. 80; Glaser, Grabsteinbuch 312f. Nr. 40, 333 Nr. 90.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 72 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0007209.