Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 71 Domkreuzgang 1425

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Petrus Walther. Im Südflügel im dritten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche vor dem Barbaraaltar1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet, am Anfang der rechten Längsseite in einer zweiten Zeile endend. Im Mittelfeld Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, in der Linken ein Kelch, die Rechte darüber segnend erhoben, zu seinen Füßen sein Wappenschild. Der Körper in Ritzzeichnung, Kopf und Wappen in Flachrelief. Obere Hälfte der Platte mehrfach gebrochen, die Fehlstellen mit rötlich durchfärbtem Mörtel gefüllt.

Ergänzt nach der Nachzeichnung in HVO Ms. 318.

Maße: H. 204 cm, B. 92 cm, Bu. 13 cm (Umschrift), 8 cm (Z. 2).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 71 – Domkreuzgang – 1425

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. + annoa) · d(omi)ni · mo b) · cccco / · xxv obitc) · m[(a)g(iste)r p]etrus · waltherid) · doctor / in medicina · et · in artib(us) / m(a)g(iste)r · can(onicus) · ecc(les)ied) · fris(ingensis) · et · pleban[(us) i(n) k]ingstarf · in diee) · // 3a · marcijf)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1425 starb Magister Petrus Walther, Doktor der Medizin und Magister in artibus, Kanoniker der Freisinger Kirche und Pfarrer in Königsdorf, am dritten Tag des März.

Wappen:
Walther2).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung XCVII.

Petrus Walther entstammte einer Augsburger Bürgerfamilie3). Bereits 1398 als Vertreter des Dompropstes bezeichnet4), wurde er spätestens 1411 Domkapitular5). Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war er als Scholaster an der Domschule in Freising tätig6). 1421 ist er als Pfarrer in Königsdorf genannt7). 1420 stiftete er ein Bildfenster mit seinem Wappen in die Barbarakapelle der Benediktuskirche (s. Nr. 70†), 1421 einen Jahrtag nach St. Georg8).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: PETRVS WALTHERI DOCTOR CAN(ONICVS) ET PLEBAN(VS) / IN CHIMSTORFF O(BIIT) A(NN)O 14259).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche im nördlichen Seitenschiff (Barbarakapelle) eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Petr(us) Walther D(octo)r Can(onicus) O(biit) 142510). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Griechisches Kreuz zu Textbeginn mit häkchenförmigen Serifen an den Armen.
  2. Hochgestellte o später ergänzt.
  3. Sic! Punkt über dem Schaft des i später ergänzt.
  4. Punkt über dem Schaft des i später ergänzt.
  5. e aus Raumnot verkleinert, Fortsetzung des Textes auf der rechten Längsseite oben in der zweiten Zeile.
  6. Worttrennzeichen paragraphenförmig; Punkte über den Schäften von i und j später ergänzt.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 66v; Deutinger, Schulwesen 565 (die Standortangaben hier folgen BSB Cgm 1716).
  2. Vorderhalber Teil eines springenden Pferdes.
  3. Solleder, München im Mittelalter 430f.
  4. Simonsfeld, Formelbuch 137; vgl. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 66r; Schlecht, Inschriften III 50.
  5. Geiß, St. Peter 31.
  6. Deutinger, Schulwesen 565.
  7. Genghamer, Königsdorf 192; Königsdorf, Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen.
  8. Prechtl, St. Georg 7 Nr. 28.
  9. Vgl. AEM H 482a p. 1004; BSB Cgm 1718 1 vor p. 503; AEM H 64 p. 607; AEM H 465 fol. 267v.
  10. BSB Oefeleana 10 IV p. 102; AEM H 76 p. 297.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 66v; BSB Cgm 1724 p. 271 Nr. 28; BSB Cgm 1717 p. 994; AEM H 482a p. 1002, 1004; BSB Cgm 1718 p. 502, 1 vor p. 503; AEM H 76 p. 332; HVO Ms. 318 fol. 53r; AEM H 477 p. 743; AEM H 61 p. 193; AEM H 465 fol. 267r, 267v, Appendix fol. 7r; AEM H 466; Deutinger, Schulwesen 565; HVO Geissiana 454 p. 5 Nr. 34; HVF U XI 11 p. 4 Nr. 36; Schlecht, Inschriften III 50 Nr. 7; Glaser, Grabsteinbuch 333 Nr. 89.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 71 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0007101.