Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 64 Domkreuzgang 1413

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Stiftspropst Wilhelm von Preysing. Im Ostflügel im zweiten Joch an der Ostwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche im nördlichen Seitenschiff nahe dem Barbaraaltar1), seit 1716 am heutigen Standort. Sandstein. Umschrift, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, die Hände zum Gebet gefaltet; unter ihm eine spitz zulaufende Konsole, daran ehemals sein Wappenschild, dieser heute fehlend. Sehr schlechter Gesamtzustand: Die unteren Partien des Gewandes, der Sockel und das Wappen weggebrochen, die gesamte Randzone mit Beschädigungen, große Ausbrüche in der unteren Plattenhälfte. Die im Hochrelief ausgeführte Darstellung des Verstorbenen wohl erst 1716 hinzugefügt, das Mittelfeld ursprünglich sicher nur mit einer Ritzzeichnung gefüllt.

Ergänzt nach BSB Cgm 1717.

Maße: H. 179 cm, B. 95 cm, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 64 – Domkreuzgang – 1413

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. [Anno d(omi)ni m] cccc · xiij · o(biit) / Wilhelmus · de preising [·] can(onicus) · ecc(les)ie · frysinge[n(sis)]a) / [et p(re)posit]//usb) · ecc[lesie] / s · Joh[annis Baptiste – – – c)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1413 starb Wilhelm von Preysing, Kanoniker der Freisinger Kirche und Propst der Kirche St. Johannes Baptist.

Kommentar

Der Bildaufbau im Mittelfeld, die stehende Figur des Verstorbenen auf einer spitz zulaufenden Konsole mit Wappenabbildung, wird auf mehreren Grabplatten als Typus verwendet, s. die Platten für Franz von Preysing († 1395, Nr. 53), Nikolaus Mänzinger († 1400, Nr. 59), Hiltprand Taufkircher († 1403, Nr. 61), Joachim Nußdorfer († 1456, Nr. 99), Wilhelm Greuter († 1458, Nr. 102), Ulrich Kemnater († 1474, Nr. 113). Von den meisten dieser Beispiele unterscheidet sich die Platte des Wilhelm von Preysing durch den fehlenden Kleeblattbogen. Vergleichbar rustikal wirkende Überarbeitungen bei Nr. 22 und Nr. 61.

Wilhelm von Preysing entstammte einem bayerischen Uradelsgeschlecht, Stammhaus Altenpreysing, gen. Kronwinkl2). Er war ein Bruder des Franz von Preysing (Nr. 53) und ist seit 1400 als Freisinger Domherr nachweisbar3). Ab etwa 1408 bis zu seinem Tode war er Propst des Kollegiatstifts St. Johannes Baptist4).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung rekonstruiert wird: WILHELM(VS) DE PREYSING CAN(ONICVS) ET PRAEPOS(ITVS) S: / IOANN(IS) BAPTISTAE O(BIIT) A(NN)O 1413. 9 IVLIJ5).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche im nördlichen Seitenschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: + / WILH(ELMUS) A. PREIS(ING) / CAN(ONICUS) O(BIIT) 1413.6). Die Platte liegt heute im Boden der Eckher-Gruft in der Benediktuskirche.

Eine bald nach 1826 entstandene Handschrift bringt zudem die Transkription folgender Grabinschrift: A(nn)o D(omin)i MCCCCLXXIII O(biit) Georgius de Preising, Can(onicus) et Praepos(itus) S: Joan(n)is Bapt(iste) in die S(anctorum) Primi et Feliciani7). Zwar ist ein Georg von Preysing († 1497) als Propst von St. Johannes Baptist für die Jahre 1448 bis 1452 nachweisbar8); die Standortangabe № 76 deutet jedoch auf den Standort der Grabplatte für Wilhelm von Preysing an der Ostwand des Ostflügels hin, der sich zwischen den Platten für Georg Eckher (Nr. 256) und Hiltprand Taufkircher zu Taufkirchen (Nr. 61) befindet; diese werden in derselben Handschrift als № 75 bzw. № 77 gezählt9). So besteht kein Zweifel, daß es sich hier um eine irrige, sehr phantasievolle Rekonstruktion der schlecht lesbaren Grabinschrift für Wilhelm von Preysing handelt.

Textkritischer Apparat

  1. Worttrennzeichen quadrangelförmig.
  2. Unterbrechung durch (verlorene) Wappenkonsole.
  3. Nach einer größeren Fehlstelle sechs nicht identifizierbare Schäfte und Worttrennzeichen, mögliche Textfortsetzung Joh[annis Bapt(iste) i]n m(on)t(is) ·, davon das t sicher erkennbar, gefolgt von weiteren, stark verderbten Schäften bis zum Zeilenende.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 37v; AEM H 482a p. 706; AEM H 76 p. 297.
  2. Kronwinkl, Gde. Eching, Lkr. Landshut, NB.
  3. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 37v.
  4. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Johannis Baptistae Frisingae fol. 25v; AEM FS 118 p. 70.
  5. AEM H 482a p. 707; BSB Cgm 1718 1 vor p. 338; AEM H 465 fol. 193v.
  6. BSB Oefeleana 10 IV p. 115f., 202; AEM H 76 p. 297; Schlecht, Inschriften IV 116 Nr. 50.
  7. AEM H 61 p. 198.
  8. Zu diesem vgl. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 39r; BSB Cgm 1717 p. 648; AEM FS 118 p. 71.
  9. AEM H 61 p. 192, 209.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 37v; BSB Cgm 1724 p. 174 Nr. 30; BSB Cgm 1717 p. 638; AEM H 482a p. 706f.; BSB Cgm 1718 p. 337, 1 vor p. 338; AEM H 76 p. 330; AEM H 465 fol. 192v, 193v; AEM H 466; Schlecht, Inschriften III 70 Nr. 36.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 64 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0006408.