Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 59 Domkreuzgang 1400

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Stiftspropst Nikolaus Mänzinger. Im Südflügel im dritten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet, außen von einer Linie umrahmt. Im vertieften Mittelfeld unter einem Kleeblattbogen Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, in der Linken ein Kelch, die Rechte segnend erhoben; unter ihm eine spitz zulaufende Konsole, daran sein Wappenschild. Die Platte im oberen Drittel mehrfach gebrochen, die Bruchstellen mit rötlich gefärbtem Mörtel gefüllt; das Mittelfeld an einigen Stellen leicht abgetreten.

Maße: H. 197 cm, B. 100 cm, Bu. 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 59 – Domkreuzgang – 1400

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. annoa) · d(omi)ni · m · ccc〈c · / sabbato · An(te) · Jnvocauit〉b) obijt · / d(omi)n(u)s · nicolaus · / manczinger · canonic(us) · ec[c]l(es)ie · frisingen(sis)c)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1400 am Samstag vor (dem Sonntag) Invocavit starb Herr Nikolaus Mänzinger, Kanoniker der Freisinger Kirche.

Datum: 1400 März 06.

Wappen:
Mänzing2).

Kommentar

Der nach dem christlichen Festkalender angegebene Todestag wurde nachgetragen, wobei der ursprünglich für das Todesdatum eingeplante Raum nicht ganz ausgenutzt wurde, so daß in der Umschrift eine größere Lücke blieb. Der nachgetragene Text unterscheidet sich im Duktus deutlich von der übrigen Schrift: So wurde hier dreimal ein kastenförmiges a verwendet, während zum Originalbestand ein doppelstöckiges a mit offenem oberen Bogen gehört, ferner wurde das g bei manczinger auf die Grundlinie gehoben.

Der Bildaufbau im Mittelfeld – die Ganzfigur des Verstorbenen auf einer spitz zulaufenden Konsole mit Wappenschild – wird auf mehreren Grabplatten als Typus verwendet, s. die Platten für Franz von Preysing († 1395, Nr. 53), Hiltprand Taufkircher († 1403, Nr. 61), Wilhelm von Preysing († 1413, Nr. 64), Joachim Nußdorfer († 1456, Nr. 99), Wilhelm Greuter († 1458, Nr. 102) und Ulrich Kemnater († 1474, Nr. 113). Die Grabinschrift ist in Formular und Gestaltung derjenigen für Franz von Preysing (Nr. 53) vergleichbar. Ebenso entsprechen sich Architekturelemente und Gewandbildung weitgehend, so daß beide Grabplatten wohl einer Werkstätte zuzuordnen sind.

Nikolaus Mänzinger entstammte einem bayerischen Adelsgeschlecht. Er ist 1363 als Domkapitular3) und von 1381 bis zu seinem Tod 1400 als Propst des Kollegiatstifts St. Veit in Freising nachgewiesen4). 1386 und 1398 erscheint er als Domzellerar und Benefiziat von St. Thomas5). Nikolaus Mänzinger veranlaßte Meßstiftungen nach St. Veit6), St. Andreas7) und an die Domkirche8).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: NICOLAVS DE MÄNZINGEN CAN(ONICVS) PRAEP(OSITVS) S: VITI / O(BII)T A(NN)O 1400. SAB(BATO) ANTE INVOCA(VIT)9).

Außerdem gab es im Mittelschiff der Benediktuskirche eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Nicol(aus) Manzinger. Can(onicus) O(biit) 1400. sab(bato) ante invocavit10). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Zeichen am Textbeginn in Form eines Fabelwesens (?).
  2. Nachfolgend Freiraum.
  3. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 II p. 790; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 28v.
  2. BayA1 20 (Tafel 16).
  3. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 28v.
  4. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Viti Frisingae fol. 23v, Catalogus Canonicorum fol. 28v; AEM FS 118 p. 104; Monumenta Boica XXI 435.
  5. Geiß, Kemnater 140.
  6. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 62 fol. 9r; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 129; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 63 fol. 9v.
  7. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 161 fol. 350r.
  8. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 4, 26, 51; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 14v, 29v; BayHStA HL Freising Nr. 573; AEM H 80 p. 9; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 86.
  9. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 102; AEM H 482a p. 533; BSB Cgm 1718 5 nach p. 244; AEM H 64 p. 607; AEM H 465 fol. 146r.
  10. BSB Oefeleana 10 IV p. 102, 207; AEM H 76 p. 297, 321.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II p. 790; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 28v; BSB Cgm 1724 p. 138 Nr. 20; BSB Cgm 1717 p. 496; BSB Cgm 2290 XVIII fol. 141v; AEM H 482a p. 533, 535; BSB Cgm 1718 5 nach p. 244, 245; AEM H 76 p. 332; AEM H 61 p. 191; AEM H 465 fol. 146r, 146v; AEM H 466; Schlecht, Inschriften III 51 Nr. 8.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 59 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0005903.