Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 53 Domkreuzgang 1395

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Franz von Preysing. Im Südflügel im vierten Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche im nördlichen Seitenschiff nahe dem Barbaraaltar1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift zwischen zwei Linien nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einem Dreipaßbogen Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, die Hände zum Gebet gefaltet, als Standfläche eine spitz zulaufende Konsole, darunter zwei diagonal gegeneinandergestellte Wappenschilde. In den Randbereichen der Platte und im Mittelfeld teilweise größere Schadensflächen.

Maße: H. 198 cm, B. 107 cm, Bu. 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 69, Nr. 53 – Domkreuzgang – 1395

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. + annoa) · d(omi)ni · m · trecen(tesimo) · / lxxxxv · feria · quinta · post · festum · lucie · obiit · / hon(orabilis) · d(omi)n(u)s · franciscus · / pre[isi]nger · sum(m)u(s) · scolasticus · et · can(onicus) · fris(ingensis)b)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1395 am Donnerstag nach dem Fest der Lucia starb der ehrwürdige Herr Franz Preisinger, oberster Scholaster und Kanoniker in Freising.

Datum: 1395 Dezember 16.

Wappen:
Preysing2), Waldeck3).

Kommentar

Das Schriftband wirkt durch den sehr schmalen Oberlängenbereich gedrungen. Die Einzelfomen entsprechen dabei weitgehend denjenigen auf der Grabplatte für Nikolaus Mänzinger (Nr. 59), diese erscheinen jedoch etwas gestreckter. In beiden Fällen weist das d einen kurzen oberen Teil des gebrochenen rechten Bogenabschnitts auf, das g ist auf die Grundlinie gehoben, das s besitzt einen vergrößerten unteren Bogen. Ebenso stimmen beide Platten hinsichtlich ihrer Figuraldarstellung und der dreipaßförmigen Rahmung überein.

Franz von Preysing war Sproß eines bayerischen Uradelsgeschlechts, Stammhaus Altenpreysing, gen. Kronwinkl4). Sein Vater war Johannes von Preysing zu Kopfsberg, seine Mutter eine geb. von Waldeck5). Er wird 1373 bis 1387 als Subdiakon und Scholaster in Freising genannt6). 1376 studierte er an der Universität Prag und 1378 in Bologna als Freisinger Domherr und Propst des Kollegiatstifts auf dem Petersberg7). Im folgenden Jahr wird er in Bologna als magister Domini ducis Bavariae genannt8). In der Barbarakapelle der Benediktuskirche war in einem Bildfenster neben dem Altar sein Wappen dargestellt, s. Nr. 62†. Im Stiftungskalender der Freisinger Domkirche ist als Todestag der 9. Dezember angegeben9).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: FRANCISC(VS) DE PREISING CAN(ONICVS) ET SCHOL(ASTICVS) O(BIIT) / A(NN)O 1395 . 16 DECEM(BRIS)10).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche im Mittelschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: FRAN(CISCUS) A. PREI/SING SCHOL(ASTICUS) / O(BIIT) 1395.11). Die Platte liegt heute im Boden der Eckher-Gruft in der Benediktuskirche.

Textkritischer Apparat

  1. Zeichen zu Textbeginn in Form eines griechischen Kreuzes mit Zierhäkchen an den Enden.
  2. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 890 p. 442; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 37r; AEM H 76 p. 297.
  2. Bay 19 (Tafel 12, 13).
  3. BayA1 6 (Tafel 4).
  4. Kronwinkl, Gde. Eching, Lkr. Landshut, NB.
  5. Krick, Stammtafeln 299 Nr. 138A.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 37r; vgl. Meichelbeck, Historia Frisingensis II,1 175; Deutinger, Schulwesen 498; Busley, Domkapitel 45.
  7. Knod, Studenten 420 Nr. 2860; Petersberg, Gde. Flintsbach a. Inn, Lkr. Rosenheim.
  8. Knod, Studenten 420 Nr. 2860.
  9. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 47; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 29v; Deutinger, Schulwesen 498; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 96.
  10. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 101; AEM H 482a p. 704; BSB Cgm 1718 1 nach p. 334; AEM H 64 p. 607; AEM H 465 fol. 191v. In den Kopialen wird übereinstimmend das irrige Tagesdatum 18. Dezember angegeben.
  11. BSB Oefeleana 10 IV p. 202; AEM H 76 p. 297; Schlecht, Inschriften IV 116 Nr. 51.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 37r; BSB Cgm 1724 p. 173 Nr. 21; BSB Cgm 1717 p. 627; AEM H 482a p. 704f.; BSB Cgm 1718 1 nach p. 334, p. 335; AEM H 76 p. 332; HVO Ms. 318 fol. 51r; AEM H 477 p. 742; AEM H 61 p. 191; AEM H 465 fol. 191v, 192r, Appendix fol. 5r; HVO Geissiana 454 p. 4 Nr. 27; Deutinger, Schulwesen 498; HVF U XI 11 p. 3 Nr. 29; Schlecht, Inschriften III 51f. Nr. 9; Glaser, Grabsteinbuch 331 Nr. 82.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 53 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0005303.