Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 51 Domkreuzgang 1394

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Heinrich Rudolf. Im Nordflügel im zweiten Joch an der Nordwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche, seit 1716 am heutigen Standort1). Adneter Kalkstein. Umschrift zwischen zwei Linien nach innen gerichtet, nur vom Anfang der oberen Schmalseite bis zum Ende der rechten Längsseite reichend, unter Weiterführung der Linien. Im Mittelfeld Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand mit Almucia, die Hände zum Gebet gefaltet, zu seinen Füßen eine Grundlinie, darunter sein nach links geneigter Wappenschild. Der Körper in Ritzzeichnung, Kopf und Wappenschild in Flachrelief. In den Randbereichen und im Mittelfeld zahlreiche kleinere Schadstellen.

Ergänzt nach HVO Ms. 318.

Maße: H. 215 cm, B. 105,5 cm, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 51 – Domkreuzgang – 1394

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. [+ ann]oa) · d(omi)ni · M[ill(esimo) · ccc · lxxxxiiii · / d(omi)n]ica [J]udica · obijt · hainricus · Rudolf · [ca]nonicus · E[ccle]sie · fri[singen(sis)b)] / +

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1394 am Sonntag Judica starb Heinrich Rudolf, Kanoniker der Freisinger Kirche.

Datum: 1394 April 05.

Wappen:
Rudolf2).

Kommentar

Heinrich Rudolf stammte aus einer Münchner Bürgerfamilie. Sein Vater war Heinrich (II.) Rudolf, der Stifter des sog. Rudolf-Benefiziums und der Thomaskapelle in St. Peter3). 1372 ist Heinrich (III.) als Pfarrer in Vilsbiburg und von 1379 bis zu seinem Tod 1394 als Freisinger Domherr nachweisbar4).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: HENRIKVS RVDOLF CAN(ONICVS) O(BIIT) A(NN)O 1394. / DOMINICA IVDICA5).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Henr(icus) Rudolph Can(onicus) D(octo)r O(biit) 13806). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Zu Beginn und Ende des Textes ein griechisches Kreuz.
  2. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2269 fol. 118av; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 43v.
  2. BayA1 88 (Tafel 88).
  3. Stahleder, Rudolf 143.
  4. Schlecht, Inschriften V 7f.; Busley, Domkapitel 46; Stahleder, Rudolf 152; Vilsbiburg, Lkr. Landshut, NB.
  5. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 132; AEM H 482a p. 775; BSB Cgm 1718 1 vor p. 384; AEM H 64 p. 606; AEM H 465 fol. 214r.
  6. BSB Oefeleana 10 IV p. 208. Vermutlich handelt es sich im Fall des irrigen Todesdatums 1380 um eine Verlesung durch Oefele.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2269 fol. 118av; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 43v; BSB Cgm 1724 p. 92 Nr. 13; BSB Cgm 1717 p. 705; BSB Cgm 2290 XXIII fol. 429r; AEM H 482a p. 774, 778; BSB Cgm 1718 1 vor p. 384, p. 384; BSB Oefeleana 294 fol. 9r; AEM H 76 p. 319; HVO Ms. 318 fol. 51r; AEM H 477 p. 742; AEM H 61 p. 190; AEM H 465 fol. 213r, 214r, Appendix fol. 5v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 4 Nr. 26; HVF U XI 11 p. 3 Nr. 28; Schlecht, Inschriften V 7f. Nr. 7; Glaser, Grabsteinbuch 330f. Nr. 81.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 51 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0005107.