Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 50 Domkreuzgang 1394

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Franz Falk von Falkenstein. Im Südflügel im fünften Joch an der Südwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche vor dem Barbaraaltar1), seit 1716 am heutigen Standort. Grauer Sandstein. Umschrift, nach innen gerichtet, die linke Längsseite nur im unteren Drittel ausgefüllt. Im Mittelfeld Darstellung des Verstorbenen im Meßgewand, in der Linken ein Kelch, die Rechte daneben segnend erhoben, zu seinen Füßen sein Wappenschild, in dessen oberen Ecken und am Schildfuß je eine kreisrunde Vertiefung2). Der Körper in Ritzzeichnung, Kopf und Wappen in Flachrelief. Die linke untere Ecke und ein Teil der unteren Schmalseite durch großen Ausbruch fehlend, von dort ein diagonal nach rechts oben verlaufender Riß; zusätzlich die Oberfläche übersät mit kleinen Abschlägen.

Ergänzt nach BSB Cgm 1716.

Maße: H. 192 cm, B. 81,5 cm, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 50 – Domkreuzgang – 1394

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. + annoa) · d(omi)ni · m · ccc · / lxxxxiiijb) · v · nonas · marcij · obijt · d(omi)n(u)s · franciscus · / valkc) [· canonicus / eccl(es)]ie · frisingen(sis)d)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1394 am 5. Tag vor den Nonen des März starb Herr Franz Falk, Kanoniker der Freisinger Kirche.

Datum: 1394 März 03.

Wappen:
Falkenstein zu Falkenfels3).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung XCVII.

Franz Falk von Falkenstein zu Falkenfels, der einem bayerischen Adelsgeschlecht entstammte, war seit 1380 Domherr in Freising4). Er veranlaßte Meßstiftungen an die Stiftskirchen St. Andreas5), St. Johannes Baptist6) und St. Veit7) sowie an die Domkirche8). Als Kanoniker ist er ab 1386 auch in Regensburg nachweisbar9).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: FRANCISC(VS) VALK DE VALKENSTAIN CAN(ONICVS) / O(BIIT) A(NN)O 1394. 3 MART(IVS)10).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche unter den Arkaden zwischen dem Mittelschiff und dem nördlichen Seitenschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Franc(iscus) Valck Can(onicus) ob(iit) 1394. 3. May11). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Zeichen zu Textbeginn in Form eines griechischen Kreuzes mit Zierhäkchen an den Enden.
  2. Punkt über dem Schaft des j wohl später ergänzt.
  3. Von k nur der Schaft sichtbar, dieser Schaft und der des l nur bis an die Grenze des Mittellängenbereiches reichend.
  4. Worttrennzeichen quadrangelförmig; Schlußzeichen in Form eines eingeritzten, dreiteiligen Blattes.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 12r.
  2. Offenbar wurde der Wappenschild in späterer Zeit von einem weiteren Schild aus hellem Sandstein überdeckt. An dessen Rückseite befanden sich drei Haltezapfen, die in eigens dafür eingearbeitete kreisrunde Vertiefungen des darunterliegenden Schildes eingelassen und mit Zement fixiert wurden. Erhalten haben sich davon lediglich die drei zwei zu eins gestellten Vertiefungen mit Resten der abgebrochenen Haltezapfen.
  3. BayA1 136 (Tafel 141).
  4. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 12r.
  5. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 163a fol. 5r.
  6. BayHStA KL Freising – St. Johann Collegiatstift Nr. 31 fol. 2r.
  7. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 62 fol. 6r.
  8. BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 31r.
  9. BZAR Bernclau, Episcopatus Ratisbonensis p. 203; StadtA Regensburg A 1929/14 p. 83; Paricius, Nachrichten 41; Busley, Domkapitel 39.
  10. Vgl. AEM H 482a p. 242; BSB Cgm 1718 1 vor p. 98; AEM H 64 p. 613; AEM H 465 fol. 62v.
  11. BSB Oefeleana 10 IV p. 207; AEM H 76 p. 297.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 12r; BSB Cgm 1724 p. 56 Nr. 11; BSB Oefeleana 10 IV p. 97; AEM H 482a p. 242f.; BSB Cgm 1718 1 vor p. 98, 98; AEM H 76 p. 331; HVO Ms. 318 fol. 50r; AEM H 477 p. 742; AEM H 61 p. 190; AEM H 465 fol. 62v, 63r, Appendix fol. 5v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 3 Nr. 22; HVF U XI 11 p. 3 Nr. 27; Schlecht, Inschriften III 58 Nr. 17; Glaser, Grabsteinbuch 330 Nr. 80.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 50 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0005009.