Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 45 Domkreuzgang 1386

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Johannes Gerold. Im Nordflügel im zehnten Joch an der Nordwand. Ursprünglich in der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet. Im Mittelfeld unter einer Dreipaß-Maßwerkarkade Darstellung des Verstorbenen im Chorgewand, in seiner Linken ein Kelch, die Rechte mit Almucia darüber segnend erhoben; in der Restfläche links der Kreuzblume das Oberwappen, rechts der zugehörige Wappenschild. Leichte Schäden an den Maßwerkrippen und in der Randleiste. Das Mittelfeld an einigen Stellen leicht abgetreten.

Maße: H. 249 cm, B. 125 cm, Bu. 12 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 45 – Domkreuzgang – 1386

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/2]

  1. + annoa) · domini · / Mill(es)imo · cococo b) · octuagesimo · sexto · obiit · d(omi)n(u)s · / Joh(annes) · gerold · canonicus / · maioris · ecc(les)ie · frysingen(sis) · in · die · kathedra · petric)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1386 starb Herr Johannes Gerold, Kanoniker der Freisinger Domkirche an dem Tage Petri Stuhlfeier.

Datum: 1386 Februar 22.

Wappen:
Gerold2).

Kommentar

Die Schrift ist derjenigen auf der Grabplatte für Heinrich Sätzler (Nr. 47) vergleichbar. Hier wie dort sind die Versalien vergrößerte Minuskelbuchstaben. Der obere Bogen des a zeigt jeweils eine starke Ausprägung und reicht leicht in die Oberlänge; die Unterlänge des g ist nur sehr schwach ausgebildet; das t wirkt verkleinert, da das obere Schaftende die gedachte obere Grenzlinie des Mittellängenbereiches nur knapp berührt. Da auch das Zeichen zu Textbeginn dieselbe Form besitzt, ist anzunehmen, daß beide Platten einer gemeinsamen Werkstatt entstammen.

Johannes Gerold stammte aus einer Münchner Bürgerfamilie3). 1366 wird er erstmals als Domherr in Freising erwähnt4). Vermutlich wurde ihm dieses Kanonikat durch Friedrich, Dekan zu St. Peter in München, auf Weisung von Papst Gregor XI. (1371–1378) übertragen5). Spätestens ab 1378 gehörte er dem Freisinger Domkapitel an6). Von 1371 bis um 1382 ist er als Stiftspropst in Schliersee nachweisbar7). Johannes Gerold war auch Inhaber des Thomas-Benefiziums im Freisinger Dom8). Er veranlaßte 1382 eine Jahrtagsstiftung an die Domkirche für seine Tante Hedwigis Weissenfelder9) und später auch für sich selbst10).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: IOAN(N)ES GEROLD CAN(ONICVS) ET PRAEPOS(ITVS) / IN SCLIERSEE O(BIIT) A(NN)O 1386. 22 FEB(RVARII)11).

Außerdem gab es in der Benediktuskirche im Mittelschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: Joan(nes) Gerold. Can(onicus) O(biit) 1386. 22. Feb(ruarii)12). Diese Platte ging spätestens im Zuge der Bodenerneuerung 1830 verloren.

Textkritischer Apparat

  1. Zeichen zu Textbeginn in Form einer vierpaßförmigen Blüte.
  2. Über jedem c ein hochgestelltes o, wohl später hinzugefügt.
  3. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 14r.
  2. BayA1 71 (Tafel 71), von dort abweichend hier: Männerkopf mit Gugel.
  3. Vgl. Hefner, Münchner Geschlechter 74f.
  4. Monumenta Boica XIX 397 Nr. XXVIII; Busley, Domkapitel 40.
  5. Simonsfeld, Formelbuch 112.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 14r.
  7. BSB Cgm 1716 Praepositi in Schliersee fol. 43v, Catalogus Canonicorum fol. 14r; AEM FS 118 p. 377; Hartig, Oberbayerische Stifte II 75; Schliersee, Lkr. Miesbach.
  8. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 14r.
  9. BayHStA Domkapitel Freising Urkunden Nr. 509, 1382 November 11; BayHStA HL Freising Nr. 617 fol. 2v; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 86.
  10. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 8, 36, 51; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 19r, 30r; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 14r; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 87.
  11. Vgl. AEM H 482a p. 322; BSB Cgm 1718 1 vor p. 133; AEM H 64 p. 601; AEM H 465 fol. 86r.
  12. BSB Oefeleana 10 IV p. 207; AEM H 76 p. 297, 321.

Nachweise

  1. BSB Cgm 1716 Praepositi in Schliersee 43v, Catalogus Canonicorum fol. 14r; BayHStA HL Freising Nr. 648 p. 121 Nr. 9; BSB Cgm 1724 p. 77 Nr. 10; AEM H 58 p. 375 (P); BSB Oefeleana 10 IV p. 118; BSB Cgm 1717 p. 280; AEM H 76 p. 318; AEM H 482a p. 322f.; BSB Cgm 1718 p. 131, 1 vor p. 133; BSB Oefeleana 294 fol. 2v; HVO Ms. 318 fol. 49r; AEM H 477 p. 741; AEM H 61 p. 189; AEM H 465 fol. 83r, 86r, Appendix fol. 5v; HVO Geissiana 454 p. 3 Nr. 18a; HVF U XI 11 p. 2 Nr. 18; Schlecht, Inschriften V 21 Nr. 32; Glaser, Grabsteinbuch 328f. Nr. 74.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 45 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0004502.