Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 44 Domkreuzgang 1384

Beschreibung

Figurale Grabplatte für den Domherrn Erhard von Möring. Im Nordflügel des Kreuzgangs unter dem Jochbogen zwischen dem ersten und zweiten Joch an der Nordwand. Ursprünglich ebenfalls im Kreuzgang1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift, nach innen gerichtet, die linke Längsseite nicht ganz ausgefüllt. Im Mittelfeld Darstellung des Verstorbenen im Meßgewand mit Manipel, in seiner Linken ein Kelch, die Rechte darüber segnend erhoben; unter ihm sein Wappenschild, links daneben der Helm. Die figurale Darstellung und das Oberwappen in Ritzzeichnung; zwei der Flächen des Wappenschildes usprünglich mit Inkrustierungen gefüllt, diese heute fehlend. Quer durch die Mitte der Platte ein sich nach rechts verzweigender Riß.

Maße: H. 212 cm, B. 106 cm, Bu. 9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 69, Nr. 44 – Domkreuzgang – 1384

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. · anno · d(omi)ni · Mill(esimo) · ccco · lxxxiiij[o] / quinto · Idus · Maii · obiit · d(omi)n(u)s · Erhardus · dictus · / Iunchherr · de Moeringa) · / · frisingens(is) · Ecclesie · Canonicusb) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1384 am 5. Tag vor den Iden des Mai starb Herr Erhard, genannt Junker von Möring, Kanoniker der Freisinger Kirche.

Datum: 1384 Mai 11.

Wappen:
Möring2).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung XCVII.

Erhard von Möring entstammte einem bayerischen Adelsgeschlecht3). Seit 1360 ist er als Freisinger Kanoniker nachweisbar4). 1364 wird er als Kanzler des Herzogs Stephan II. in Bayern und als Pfarrer zu Burghausen genannt5), zuvor war er Inhaber der Pfarrei Gremertshausen6). Seit 1367 bekleidete er auch das Amt des Stiftspropstes auf dem Petersberg7) und war Inhaber der Pfründe der Pfarrei St. Martin in Mehring8). 1372 resignierte er die Pfarrei Burghausen zugunsten der Pfarrei in Landshut9). Von ihm sind Meßstiftungen nach St. Andreas10), St. Veit11), St. Johannes12) und an die Domkirche13) überliefert.

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach kopialer Überlieferung erneuert wird: ERHARDVS DE MÖRING CAN(ONICVS) ET PRAEP(OSITVS) S: / PETRI MADRON(ENSIS) O(BIIT) A(NN)O 1384. 11. MAIJ.14).

Textkritischer Apparat

  1. e über o gestellt.
  2. Worttrennzeichen teilweise Quadrate, teilweise Quadrangeln.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 2268 II p. 829b.
  2. Gespalten, vorne ein Balken, hinten ledig. Oberwappen: Über bequastetem Kissen ein fünfspeichiges, mit fünf Hahnenfederbüschen bestecktes Rad.
  3. Vgl. BSB Cgm 2268 II p. 829.
  4. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 28r.
  5. Lang/Freyberg, Regesta Boicarum IX 186; Burghausen, Lkr. Altötting; Hundt/Gewold, Metropolis Salisburgensis III2 527, III3 365, dort allerdings Erasmus genannt (diese von Eckher in BSB Cgm 2268 II p. 829b zunächst übernommene Angabe später gestrichen); Schlecht, Inschriften V 5. Nach Dachauer, Kirche am Petersberge 398, war er noch 1367 dort Pfarrer.
  6. Lang, Acta Salzburgo-Aquilejensia I,2 624 Nr. 872; Gremertshausen, Gde. Kranzberg, Lkr. Freising.
  7. BSB Cgm 1716 Praepositi ad S. Petrum in monte Madronensi fol. 40r; Rosenegger, Petersberg 45; Petersberg, Gde. Flintsbach a. Inn, Lkr. Rosenheim.
  8. Lang, Acta Salzburgo-Aquilejensia I,2 673f. Nr. 960; Mehring, Lkr. Altötting.
  9. Werner, St. Martin 61; Lang, Acta Salzburgo-Aquilejensia I,2 624 Nr. 872; Busley, Domkapitel 43.
  10. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 163a fol. 10r, 29v; AEM H 484 p. 389 Nr. 43.
  11. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 62 fol. 18v; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 162.
  12. BayHStA KL Freising – St. Johann Collegiatstift Nr. 30 fol. 5r; BayHStA KL Freising – St. Johann Collegiatstift Nr. 31 fol. 2r.
  13. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 54; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 31r; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 90.
  14. Vgl. BSB Oefeleana 10 IV p. 134; AEM H 482a p. 588; BSB Cgm 1718 5 nach p. 272; AEM H 64 p. 606; AEM H 465 fol. 159v.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II p. 829b; BSB Cgm 1716 Praepositi ad S. Petrum in monte Madronensi fol. 40r, Catalogus Canonicorum fol. 28r; BSB Cgm 1724 p. 137 Nr. 18; AEM H 58 p. 313 (P); BSB Oefeleana 10 IV p. 134f.; BSB Cgm 1717 p. 494; AEM H 482a p. 582, 588; BSB Cgm 1718 p. 271, 5 nach p. 272; AEM H 76 p. 320; AEM H 465 fol. 158r, 159v; HVO Ms. 318 fol. 49r; AEM H 477 p. 741; AEM H 61 p. 189; HVO Geissiana 454 p. 3 Nr. 18; Dachauer, Kirche am Petersberge 398; HVF U XI 11 p. 2 Nr. 17; Schlecht, Inschriften V 5f. Nr. 4, Taf. XXVI; Glaser, Grabsteinbuch 328 Nr. 73.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 44 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0004404.