Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 34 Domkreuzgang 1364

Beschreibung

Wappengrabplatte für den Domherrn Jakob von Nannhofen. Im Südflügel im vierten Joch an der Südwand. Adneter Kalkstein. Umschrift zwischen zwei Linien nach innen gerichtet, Fortsetzung des Textes oben im Mittelfeld in zwei weiteren Zeilen; im unteren Drittel des Mittelfeldes in Ritzzeichnung der nach links geneigte Wappenschild des Verstorbenen. Diagonal durch die Plattenmitte ein sich mehrfach verzweigender Riß, teilweise mit rötlich bemaltem Mörtel geschlossen. Besonders im Mittelfeld zahlreiche kleine Ausbrüche und Schadstellen.

Maße: H. 215 cm, B. 95 cm, Bu. 9 cm, 7,5 cm (im Mittelfeld).

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 69, Nr. 34 – Domkreuzgang – 1364

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. + ANNOa) · D(OMI)NI · M · / CCC · LXIIII · IN · DIE · S(AN)C(T)Ib) · BARNABE / AP(OSTO)LI · OBITc) · D(OMI)N/(U)Sd) · IACOBUS · DE · NJENHOVENe) · CAN(ONICUS) · HUI(US) · / ECC(LESI)Ef) · ET · P(REPOSI)T(U)S · / IN · SLIERS(EE) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1364 am Tag des hl. Apostels Barnabas starb Herr Jakob von Nannhofen, Kanoniker dieser Kirche und Propst in Schliersee.

Datum: 1364 Juni 11.

Wappen:
Nannhofen1).

Kommentar

Zu den Schriftformen s. Einleitung XCIIf.

Jakob von Nannhofen entstammte einem bayerischen Edelgeschlecht, das seit dem 12. Jahrhundert die gleichnamige Hofmark im Besitz hatte2). Seine Eltern waren Heinrich von Nannhofen und Agnes, geb. Dachauer3). Jakob ist erstmals 1347 als Freisinger Kanoniker4) und 1350 als Archidiakon5) belegt. 1352 übte er das Amt des Weinpropstes aus6). 1357 bis 1362 wird er als Domkustos7), 1356 als Archidiakon erwähnt8). In seiner Funktion als Propst der Stiftskirche St. Sixtus in Schliersee von 1352 bis zu seinem Tode 1364 unterstützte und förderte er den Wiederaufbau des Kirchengebäudes, das durch einen Brand stark beschädigt worden war9). Von ihm sind Jahrtagsstiftungen nach St. Johannes Baptist10), St. Andreas11), St. Veit12) und an die Freisinger Domkirche13) überliefert. Bereits 1353 hatte er eine Stiftung zum Ave-Maria-Läuten veranlaßt14).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: IACOB(VS) DE NANHOVEN CAN(ONICVS) ARCHI DIAC(ONVS) ET / PRAEP(OSITVS) IN SLIERS(EE) O(BIIT) A(NN)O 1364 . 11 IVNII15).

Nach Eckher waren unmittelbar neben der Grabplatte an der Wand beim Sebastiansaltar vier Wappenschilde gemalt gewesen: Nannhofen, Dachau, Seefeld, Röhrmoos. Diese seint a(nn)o 1682, als der Creuzgang ausgeweiset worden, hinwekh khomen16).

Textkritischer Apparat

  1. Zeichen zu Textbeginn stark beschädigt, nur noch das obere Ende eines vertikalen Schaftes erkennbar.
  2. Kürzungszeichen über der oberen Zeilenlinie.
  3. Sic!
  4. N in kapitaler Form mit eingezogenem Schrägschaft.
  5. Sic! Zweites E ohne Mittelbalken; zweites N in kapitaler Form mit eingezogenem Schrägschaft Kürzungszeichen über der oberen Zeilenlinie.
  6. Die beiden letzten Zeilen unter der ersten Zeile im Mittelfeld angeordnet, deren Buchstaben in geringerer Größe.

Anmerkungen

  1. BayA1 166 (Tafel 172).
  2. BSB Cgm 2268 II fol. 901r.
  3. BSB Cgm 2268 II fol. 901v.
  4. Deutinger, Päpstliche Urkunden 64f.
  5. BSB Cgm 2268 II fol. 901v; vgl. Uttendorfer, Archidiakone 7 Anm. 2.
  6. BSB Cgm 2268 II fol. 901v; Zahn, Codex diplomaticus II 52-54 Nr. 706.
  7. BSB Cgm 2268 II fol. 901v; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 32v; Deutinger, Päpstliche Urkunden 64f. Anm. 4 Nr. 3; Geiß, Kemnater 145.
  8. BSB Cgm 1716 Praepositi in Schliersee fol. 43v; BayHStA KL Freising – Andreas Nr. 162 p. 305.
  9. BSB Cgm 2268 II fol. 901v; BSB Cgm 1716 Praepositi in Schliersee fol. 43v; AEM FS 118 p. 376; Hoheneicher, Spicilegium 3, 279 Nr. XIII; Hartig, Oberbayerische Stifte II 75; Schliersee, Lkr. Miesbach.
  10. BayHStA KL Freising – St. Johann Collegiatstift Nr. 30 fol. 6r; BayHStA KL Freising – St. Johann Collegiatstift Nr. 31 fol. 2v.
  11. BayHStA KL Freising – St. Andreas Nr. 163a fol. 12r; Uttendorfer, Archidiakone 7 Anm. 2.
  12. BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 62 fol. 25v; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 9 p. 172; BayHStA KL Freising – St. Veit Nr. 63 fol. 27v.
  13. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 54; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 31r; BayHStA HL Freising Nr. 573; AEM H 80 p. 24; BSB Cgm 2268 II fol. 901v; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 87.
  14. BSB Cgm 2268 II fol. 901v; Hoheneicher, Spicilegium 3, 415 Nr. XXV.
  15. Vgl. AEM H 482a p. 611; BSB Cgm 1718 1 vor p. 284; AEM H 64 p. 607; AEM H 465 fol. 166r.
  16. BSB Cgm 2268 II p. 901.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II p. 901; BSB Cgm 1716 Praepositi in Schliersee fol. 43v, Catalogus Canonicorum fol. 32v; BSB Cgm 1724 p. 155 Nr. 7; BSB Cgm 1717 p. 557; AEM H 482a p. 611, 613; BSB Cgm 1718 1 vor p. 284, p. 284; AEM H 76 p. 332; HVO Ms. 318 nach fol. 47; AEM H 477 p. 740; AEM H 61 p. 186; AEM H 465 fol. 165r, 166r, Appendix fol. 4v; AEM H 466; HVO Geissiana 454 p. 2 Nr. 10; HVF U XI 11 p. 1 Nr. 9; Uttendorfer, Archidiakone 7 Anm. 2; Schlecht, Inschriften III 52 Nr. 10; Glaser, Grabsteinbuch 326 Nr. 65.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 34 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0003407.