Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 31 Domkreuzgang 1357

Beschreibung

Grabplatte für den Domkustos Wernhard von Kochenheim. Im Südflügel im dritten Joch an der Südwand. Ursprünglich im Mittelschiff der Benediktuskirche1), seit 1716 am heutigen Standort. Adneter Kalkstein. Umschrift zwischen zwei Linien nach innen gerichtet. Im Mittelfeld zwei vertikal angeordnete Medaillons aus jeweils zwei konzentrischen Kreisen; im oberen Medaillon im Zentrum ein kleiner Vierpaß, davon ausgehend in den Orthogonalen vier größere Vierpässe; im unteren Medaillon Darstellung des Verstorbenen als kniender Kanoniker im Chorgewand mit Almucia, die Hände zum Gebet erhoben. Die beiden Medaillons in Ritzzeichnung. Im Mittelfeld und in der linken Schriftleiste mehrere kleinere Schadstellen.

Maße: H. 199 cm, B. 94 cm, Bu. 9-10 cm (I), 6 cm (II).

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 69, Nr. 31 – Domkreuzgang – 1357

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/1]

  1. + ANNOa) · D(OMI)NI · M · CCC · / LVII · O(BIIT) · D(OMI)N(V)Sb) · WERNHARD(VS) · CAN(ONICVS)b) · ET · CVSTOS · HVI(VS) / ECC(LESI)Eb) · IN TRANS/LACIONE · S(AN)C(T)Ib) · CORBINIANI · EPISCOPIc)

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1357 starb Herr Wernhard, Kanoniker und Kustos dieser Kirche, am Tage der Translation des hl. Bischofs Korbinian.

Datum: 1357 November 20.

Kommentar

Das Schriftbild wirkt uneinheitlich, da die Buchstaben nicht regelmäßig auf der Grundlinie stehen und teils leicht nach links geneigt, teils nach rechts geneigt ausgeführt sind. Zu den Schriftformen s. Einleitung XCII.

Wernhard von Kochenheim ist erstmals 1347 als Domkapitular nachweisbar2), 1352 als Domkustos3). 1353 bis zu seinem Tod 1357 war er Stiftspropst zu Isen4). Für ihn bestand je eine Jahrtagsmesse im Dom5) und in St. Johannes Baptist6).

Über der Platte befindet sich eine gemalte Tafel mit Inschrift von 1716, die voraussichtlich 2011 nach Befund und kopialer Überlieferung erneuert wird: WERNHARDVS DE KOCHENHEIM CAN(ONICVS) / ET CVSTOS O(BIIT) A(NN)O 1357. 20 NOVEM(BRIS)7).

Außerdem gibt es in der Benediktuskirche im Mittelschiff eine quadratische Bodenplatte aus der Zeit von Bischof Eckher mit der Inschrift: + / WERN(HARDVS) / A KOCHENHEIM. / CAN(ONICVS) O(BIIT) 13[57.] / 20. NOU(EMBRIS) / +8).

Textkritischer Apparat

  1. Zeichen zu Textbeginn in Form eines Malteserkreuzes.
  2. Kürzungszeichen über der oberen Zeilenlinie.
  3. Worttrennzeichen quadrangelförmig.

Anmerkungen

  1. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 6r.
  2. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 6r.
  3. Hoheneicher, Spicilegium 3, 280 Nr. XIII; Geiß, Kemnater 145.
  4. BSB Cgm 1716 Praepositi S. Zenonis in Isen fol. 37r, Catalogus Canonicorum fol. 6r; AEM FS 118 p. 186; Isen, Lkr. Erding.
  5. BayHStA HL Freising Nr. 569 p. 44; BayHStA HL Freising Nr. 570 fol. 29v; MGH Necrologia III Liber Oblagiorum 95.
  6. BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicorum fol. 6r; Schlecht, Inschriften VI 125.
  7. Vgl. AEM H 482a p. 446; BSB Cgm 1718 1 nach p. 201; AEM H 64 p. 607; AEM H 465 fol. 121r.
  8. BSB Oefeleana 10 IV p. 102, 207; AEM H 76 p. 297, 321; Schlecht, Inschriften IV 111 Nr. 32.

Nachweise

  1. BSB Cgm 2268 II p. 665; BSB Cgm 1716 Catalogus Canonicoum fol. 6r; BSB Cgm 1724 p. 30 Nr. 4; BSB Cgm 1717 p. 98, 400; BSB Cgm 2290 XVI fol. 370v; AEM H 482a p. 148, 446f.; BSB Cgm 1718 p. 43, 1 nach p. 201, 202; AEM H 76 p. 332; AEM H 465 fol. 36r, 121r, 121v; HVO Ms. 318 fol. 47r; AEM H 477 p. 740; AEM H 61 p. 186; HVO Geissiana 454 p. 1 Nr. 8; Geiß, Kemnater 145 Anm. b; HVF U XI 11 p. 1 Nr. 8; Schlecht, Inschriften III 49f. Nr. 6, VI 125; Glaser, Grabsteinbuch 326 Nr. 64.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 31 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0003103.