Inschriftenkatalog: Stadt Freising

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 69: Stadt Freising (2010)

Nr. 18 Benediktusk. 13. Jh.

Beschreibung

Vier Fragmente einer Grabplatte, davon drei mit Inschriften. In dem an der westlichen Außenseite der Kirche angebauten Treppenturm. Sandstein. Beim Aufbau des Turmes nach 1347 eine offenbar nicht verwendete Grabplatte zu Stufen für die Wendeltreppe verarbeitet und verbaut. Dabei die Fragmente I und II mit der Schrift nach unten als 26. bzw. 20. Stufe von unten, Fragment III mit der Schrift nach oben als 25. Stufe von unten eingesetzt. Umschrift zwischen zwei Linien nach innen gerichtet. Die Fragmente I und II ausschließlich mit Textteilen versehen, ursprünglich wohl an den Längsseiten der Grabplatte positioniert; Fragment III aus der rechten unteren Ecke der Platte, hier Text und Linienrahmung rechtwinklig abknickend, dazu im unteren Abschnitt ein in Ritzzeichnung ausgeführter Bogensockel, wohl der untere Teil eines Kreuzes im Mittelfeld, evtl. eines Scheibenkreuzes. Dazu gehörig die wohl als Kreuzschaft zu interpretierende Doppellinie auf der Unterseite der sonst inschriftlosen 22. Stufe von unten. Insgesamt reichen die Fragmente jedoch nicht aus, das Aussehen der Platte und den umlaufenden Text als Ganzes zu rekonstruieren. Die Reihenfolge der beschrifteten Fragmente ist daher als willkürlich anzusehen.

Die in den Putzbereich reichenden Textfragmente an den äußeren Enden der Treppenstufen 1948 freigelegt1).

DI 69, Nr. 18 – Benediktusk. – 13. Jh.

 © BAdW München, Inschriftenkommission [1/3]

Rekonstruierte Maße der Grabplatte: H. ca. 200 cm, B. 92 cm.

Maße der Treppenstufen: H. 26 cm (links), 6 cm (rechts), B. 75 cm, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Spätromanische Majuskel.

  1. I.

    – – –]MATVS · [– – –

  2. II.

    – – –]ENS · HVIC · MISERE · AM[– – –

  3. III.

    – – –]TVRa) · HIC · / CINEREb) · CLEME[– – –

Kommentar

Die Datierung ergibt sich aus dem Schriftbefund. Die Grabplatte ist quellenmäßig nicht belegt und läßt sich – auch unter Berücksichtigung des Wortfragments CLEME, das auch als Beginn des Vornamen Clemens gedeutet werden kann – bisher keiner bekannten Person zuordnen. Die völlig mörtellose Unterseite von Fragment III, die noch deutlich die Bearbeitungsspuren zeigt, und die nicht abgetretenen Oberflächen der Fragmente I und II lassen darauf schließen, daß die Platte niemals eingebaut war2). Möglicherweise bereits bei der Herstellung bzw. beim Transport beschädigt, wurde sie im Dombereich oder bei einer Steinmetzwerkstätte gelagert und schließlich beim Bau des Treppenturms (nach 1347) zu Stufen verarbeitet.

Die Schrift zeigt eine qualitätvolle spätromanische Majuskel in einer relativ breiten Form, wie sie für das 13. Jahrhundert charakteristisch ist. Zu den Schriftformen s. Einleitung XCI.

Die Gestaltung des Bogensockels, dessen Enden an der inneren Kontur verbreitert sind, ist zwar eher charakteristisch für das spätere Mittelalter, doch widerspricht einer Spätdatierung etwa ins 14. Jahrhundert eindeutig der epigraphische Befund.

Textkritischer Apparat

  1. Vom T nur noch der Sporn des Deckbalkens erhalten.
  2. Worttrennzeichen punktförmig.

Anmerkungen

  1. Die Fragmente wurden erstmals im Sommersemester 1948 im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Historischen Seminars der Universität München registriert und an den Enden freigelegt. Die Bearbeitung mit Nachzeichnungen durch Rudolf Schleißheimer befindet sich in einem sämtliche Seminararbeiten enthaltenden Akt aus dem Nachlaß Kloos (in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, Inschriften-Kommission), auf p. 27-46.
  2. Die Bearbeitungsspuren auf der Unterseite von Fragment III unterscheiden sich deutlich von denen aller anderen Stufen, so daß davon auszugehen ist, daß die Unterseite im Zuge des Treppenbaus nicht nachträglich bearbeitet wurde und somit noch die originale Oberflächenstruktur besitzt.

Zitierhinweis:
DI 69, Stadt Freising, Nr. 18 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012k0001805.