Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Freising

Anhang B: Belegte, aber nicht erhaltene Inschriften

Hinweise: Die folgende Aufstellung enthält Inschriften, deren Existenz quellenmäßig belegt ist, von denen sich jedoch keine kopialen Textabschriften erhalten haben. Nicht erfaßt wurden Datierungen von Vasa Sacra, wie sie vereinzelt im Versteigerungsinventar des Doms aufscheinen, vgl. BayHStA GK Freising u. Mühldorf Nr. 28 prod. 83.

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

  • Erste Katalognummer
  • Letzte KatalognummerInschrift
  • Zu Datensatz springen
  • Gesamtübersicht

DI 69 Anhang B: Stadt Freising (2010)

B1, Nr. 2 Pfarrkirche St. Georg 1424

Kommentar

Wiguläus Hundt gibt an, inn der Pfarr vor dem Chor – d. h. in der Pfarrkirche St. Georg vor dem Chorantritt – liege Brunorius von der Leiter (Brunorio della Scala) begraben. Als Sterbedatum nennt Hundt 14241). Das ehemals mächtige oberitalienische Fürstenhaus der Scaliger besaß seit 1375 keine legitimen Nachkommen mehr, verlor die Stadtherrschaft über Verona an Venedig und wanderte schließlich unter Guglielmo della Scala nach Bayern aus. Dessen Sohn Brunorio war Reichsvikar von Verona und Vicenza sowie königlicher Statthalter in Ingolstadt, während Nikodemus, Bruder des Brunorio, 1422 von Papst Martin V. auf Betreiben des Landshuter Herzogs zum Bischof von Freising bestimmt wurde. Von Brunorio hatte Nikodemus auch die hochgeschätzte Lukasikone (Nr. 423) erhalten, die er später in den Freisinger Dom übertragen ließ2). Daß es sich bei dem in St. Georg Begrabenen um den Bruder des Bischofs handelt, dürfte aber – die Zuverlässigkeit der überlieferten Jahreszahl 1424 vorausgesetzt – auszuschließen sein, da noch 1434 derselbe Brunorio in seiner Eigenschaft als Reichsvikar von Verona und Vicenza beiden Städten eine Vikariatsurkunde ausstellt3). Möglicherweise war der 1424 in St. Georg Bestattete ein jugendlich verstorbener Sohn des Paulus della Scala, Bruder von Brunorio und Nikodemus4). Der Stein dürfte noch im Lauf des 17. Jahrhunderts verloren gegangen sein, denn er wird in Oefeles bald nach 1734 angelegter Inschriftensammlung nicht mehr genannt.

Anmerkungen

  1. Hundt, Stammenbuch II 46; HVF U XI 8 Grabsteine St. Georg p. 13 Nr. 43.
  2. Die biographischen Angaben nach Maß, Bistum 296, 309.
  3. Sickel, Visconti 61f.
  4. Hundt, Stammenbuch II 46 gibt dazu an: Brunorius. Herr Paulsen Sohn / ligt zu Wien / Anno / etc. 1437. Obiit Dominus Brunorius de la Scala, Ich vermeyn der Jarzahl nach / sey es dieser / vnd nit Herr Paulsen Bruder / weiß doch nicht gewiß. Vermutlich irrt hier Hundt, denn es dürfte der in Bayern wirkende Brunorius gewesen sein, auf den sich diese Mitteilung bezieht.

Zitierhinweis:
DI 69 Anhang B, Stadt Freising, B1, Nr. 2 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012b1000204.