Inschriftenkatalog: Die Inschriften der Stadt Freising

Anhang A: Zweifelhafte Inschriften

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

  • Erste Katalognummer
  • Letzte KatalognummerInschrift
  • Zu Datensatz springen
  • Gesamtübersicht

DI 69 Anhang A: Stadt Freising (2010)

A1, Nr. 1 Dom Mariä Geburt und St. Korbinian (?) um 900

Beschreibung

Die im 11. Jahrhundert entstandene Weihenstephaner Handschrift Clm 21571 enthält u. a. ein Gedicht, in dem außer von einer Bautätigkeit unter Bischof Anno (854/55–875) auch davon berichtet wird, daß nachts ein Held vom Himmel herabgestiegen sei, der in einer Kirche einen auf der Südseite klaffenden Spalt geschlossen habe. Aufgrund der Provenienz der Handschrift wurde das Gedicht seit dem 16. Jahrhundert auf Weihenstephan selbst bezogen, die darin enthaltene Ortsangabe Tedmons folglich auf den Weihenstephaner Berg1).

Text nach BSB Clm 21571.

  1. Inclit(us) iste locus p(r)oprio cognomine tedmons Noscitur esse sacer procerum de pignore comptus. Praesulis annonis domus haec fundata labore est.Istius aedis erat formator atq(ue) sacrator. Haud latuisse ferunt homines uenerabile signum Quod d(omi)n(u)s monstrare uolens uirtute potentiSed prius in ueteri patuit contingere temploIllius antiquae australis seu marginis aulaeFracturae crepuisse sonu(m) murumq(ue) sequestrans. Cumq(ue) diu populo spectanti fragmen ap(er)tumTempore nocturno ueniens athleta uirilis Fractura(m) co(m)pressit ouans, fuit integer ille.Plura quid inde uelint sancto rediente ministroUnde quide(m) Ch(rist)o resonemus carmina n(ost)roQui dedit ut fieret benedictu(m) in s(e)c(u)la nom(en).

Kommentar

Wie Sigmund Benker zeigen konnte, wurde das Gedicht aus einem heute verschollenen Codex des Domklosters kopiert und ist daher mit viel größerer Wahrscheinlichkeit auf den unter Bischof Anno erfolgten Neubau des Freisinger Domes zu beziehen. Tedmons bezeichnet demnach den Domberg, nicht den Weihenstephaner Berg2). Aufgrund der Formulierungen domus haec … est und istius aedis nimmt Benker an, daß es sich zumindest bei den ersten vier Zeilen um eine Bauinschrift handelt, die im annonischen Dom angebracht war3). Viel eher dürfte das Gedicht aber eine rein literarische Auseinandersetzung mit dem Thema des Domneubaus darstellen. Für eine epigraphische Umsetzung fehlen sämtliche Indizien.

Anmerkungen

  1. Benker, Dom im ersten Jahrtausend 20-22.
  2. Benker, Dom im ersten Jahrtausend 22-24.
  3. Benker, Dom im ersten Jahrtausend 24.

Nachweise

  1. BSB Clm 21571 fol. 238r; AEM H 5 p. 67; BSB Clm 1016 fol. 2r; Brusch, Monasteriorum fol. 180v; Brusch, Chronologia Monasteriorum 648; BSB Clm 27154 p. 1; AEM B 1499 p. 413; Deutinger, Viti Arnpeckhii 563; MGH Poetae II 648 Nr. XVI; Schlosser, Schriftquellen 175 Nr. 557; Brummer, Aula episcopalis 196; Schlamp, Studien 32; Staber, Veit Arnpeck 52; Benker, Dom im ersten Jahrtausend 21-24; Maß, Karolingerzeit 199; Uhl, Weihenstephan I 16.

Zitierhinweis:
DI 69 Anhang A, Stadt Freising, A1, Nr. 1 (Ingo Seufert), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di069m012a1000108.