Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 378(†) Marktstr. 5 (no. 60/61) / Roemer-Museum 1554, 1557, um 1600?

Beschreibung

Haus. Nach Brandis1) waren am Haus Darstellungen von personifizierten Tugenden mit den Beischriften A angebracht. Am Erker zwei Wappen. Über der Tür die Wappen Voss und Brandis sowie die Jahreszahl B. Auf dem im Lapidarium des Roemer-Museums erhaltenen Kaminsturz2) aus Sandstein befinden sich die gleichen Wappen3) mit der erhaben gehauenen Inschrift C unterhalb eines abgetreppten Gesimses mit Hohlkehlen. Links und rechts der Namen in zwei Feldern die Ziffern der Jahreszahl. In der Mitte zwischen den Namen ein Feld mit vegetabilem Ornament.

Inschrift A nach DBHi, HS 789, B nach Photo StaHi.

Maße: H.: 60 cm; B.: 270 cm; Bu.: 11,2 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Kapitalis-Versalien (C).

DI 58, Nr. 378 - Marktstr. 5 (no. 60/61) / Roemer-Museum - 1554, 1557, um 1600?

 Christine Wulf [1/1]

  1. A †

    Justitia // Pax // Fortitudo // Temperantia // Prudentia

  2. B †

    1557

  3. C

    1 · 5 · // Hans · Vos · // Magdalene · Brandis // 5 · 4

Übersetzung:

Gerechtigkeit. Frieden. Stärke. Mäßigung. Klugheit. (A)

Wappen:
?, ?
Voss4), Brandis*

Kommentar

Inschrift C ist in für die späten Ausprägungen der gotischen Minuskel in Hildesheim – mit Ausnahme des breiten runden s – typischen schlanken Buchstabenformen ausgeführt. a hat die Form des Kasten-a, dessen Hasten sich unten berühren. Die Ausführung der Buchstaben entspricht der Inschrift Nr. 394.

Magdalene Brandis wurde am 17. Juni 1521 als Tochter des Bürgermeisters Henning Brandis und seiner aus Hannover stammenden Ehefrau Adelheid Blome geboren.5) Sie heiratete Hans Voss wahrscheinlich am 31. August 1544.6) Das Ehepaar hatte drei Söhne: Henni, Hans und Jost. Magdalene Brandis starb am 25. März 1563 in Hardegsen.7)

Da die allegorischen Darstellungen der Tugenden – die vier Kardinaltugenden sind hier durch den Frieden ergänzt – mit Beischriften (A) an einem anderen Teil des Hauses angebracht waren und derartige Darstellungen erst um 1600 (vgl. Nr. 521) an Hildesheimer Hausfassaden üblich werden, ist eine spätere Entstehung der Inschrift A nicht auszuschließen.

Anmerkungen

  1. DBHi, HS 789, fol. 360v–361r.
  2. StaHi, Bestand 717, Nr. 1–8: Inventar Kampen, Nr. 492.
  3. Zuordnung des Kaminsturzes zum Haus Marktstr. 5 nach StaHi, Bestand 856, Nr. 50/268/9, Kasten 32.
  4. Wappen Voss, linksgewendet (schräglinksgelegter Baum auf einem Hügel, überdeckt von einem springenden Fuchs). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 5, Abt. 5, S. 48 u. Tafel 58.
  5. Henning Brandis’ Diarium, S. 233.
  6. Joachim Brandis’ Diarium, S. 57f.
  7. Ebd., S. 61, S. 73, S. 77 u. S. 102.

Nachweise

  1. DBHi, HS 789, fol. 360v–361r.
  2. StaHi, Bestand 951, Nr. 156.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 378(†) (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0037800.