Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 315 St. Michaelis 1. V. 16. Jh.

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet. Der Kelch stammt wahrscheinlich aus dem Franziskanerkloster St. Martini (vgl. Kommentar) und wurde 1857 beim Umzug der Martinigemeinde nach St. Michaelis mitgebracht. Über einer Sockelplatte ein abgetreppter Achtpaßfuß, dessen Zarge mit Zackenornament in Durchbrucharbeit verziert ist. Über zwei der acht Pässe erstreckt sich eine vollplastische Kreuzigungsgruppe mit dem Titulus A, unter dem Kreuz Maria und Johannes. In den übrigen sechs Pässen jeweils in Ritzzeichnung die Symbole der vier Evangelisten mit leeren Schriftbändern sowie Franziskus unter dem Kreuz und Maria Magdalena mit Salbgefäß unter dem Kreuz. Der Fuß geht in einen achteckigen Schaft über, auf dem Schaftstück unterhalb des Nodus ein Schriftband mit Inschrift B glatt vor schraffiertem Hintergrund, oberhalb des Nodus Inschrift C in derselben Ausführungstechnik. Zwischen den Buchstaben jeweils ein freies Feld. Am Nodus in sechs Rotuli die glatt erhaben vor schraffiertem Hintergrund ausgeführte Inschrift D und zwei Ornamente. Die schlichte Kuppa wird von einem Kelchkorb aus Rankenwerk umfangen.

Maße: H.: 19,5 cm; Dm.: 16,5 cm (Fuß), 12,4 cm (Kuppa); Bu.: 0,25 cm (A), 0,87 cm (B), 0,8 cm (C), 0,7 cm (D).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis (A, D), gotische Minuskel (B, C).

DI 58, Nr. 315 - St. Michaelis - 1. V. 16. Jh.

 Christine Wulf [1/1]

  1. A

    I(ESUS) N(AZARENUS) R(EX) I(UDAEORUM)1)

  2. B

    mairaa)

  3. C

    i(esus) n(azarenus) r(ex) i(udaeorum)1)

  4. D

    IHESVS

Kommentar

Die Schriftform der frühhumanistischen Kapitalis legt eine Entstehung des Kelchs im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts nahe.

Die Darstellung des heiligen Franziskus unter dem Kreuz und die Tatsache, daß vom Silberschatz des Klosters St. Michaelis außer den bernwardinischen Objekten nur wenige Stücke der Einschmelzung in der Reformationszeit entgangen ist, legt die Herkunft auch dieses Kelchs aus dem Franziskanerkloster St. Martini nahe.

Textkritischer Apparat

  1. maira] r spiegelverkehrt. Statt maria.

Anmerkungen

  1. Io. 19,19.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 315 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0031503.