Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 105 St. Andreas 1389

Beschreibung

Querrechteckiger Steinquader an der nördlichen Außenwand des Chors. Die Inschrift ist in zwei Zeilen am Strebepfeiler links neben dem nordöstlichen Portal in etwa 2 m Höhe eingehauen, am Ende der beiden Zeilen jeweils ein Quadrangel mit Zierhäkchen nach oben und unten, als satzgliedernde Zeichen stehen sonst Quadrangeln auf der Mittellinie.

Maße: H.: 26 cm; B.: 87 cm; Bu.: 6,3 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 58, Nr. 105 - St. Andreas - 1389

 Henning Jürgens [1/1]

  1. + M° ccc° lxxxix iar · wart dusse · / kour angheleyt alvor war ·1)

Kommentar

Die beiden ersten Hasten des M der Jahreszahl sind unten geschlossen, zwischen der zweiten und der dritten Haste drei parallele Schrägstriche. Die erste Haste des v sowie die beiden ersten Hasten des w sind nach oben verlängert und nach links oben abgeknickt. In der Ausführung der Buchstaben entspricht die Inschrift weitgehend der zweiten, aus dem Jahr 1415 stammenden Bauinschrift am nördlichen Seitenschiff von St. Andreas (Nr. 135). Daher ist nicht auszuschließen, daß auch diese Inschrift am Chor erst im Jahr 1415 angebracht worden ist.

Die Inschrift datiert den Baubeginn des Chors von St. Andreas auf das Jahr 1389. In ihrer Formulierung entspricht sie der am nordöstlichen Strebepfeiler des Chors von St. Lamberti (Nr. 190) angebrachten Bauinschrift von 1473 und der aus dem Jahr 1447 stammenden Inschrift am Chor der Magnikirche in Braunschweig.2)

Anmerkungen

  1. ‚Im 1389. Jahr wurde dieser Chor angefangen, fürwahr‘. – anleggen ‚einrichten, anfangen, planen‘, vgl. Niedersächsisches Wörterbuch, hg. von Wolfgang Jungandreas, Bd. 1 (1965), Sp. 381f.; Schiller/Lübben 1, S. 96 ‚auflegen, antun, planen, festsetzen, anlegen, anwenden‘. Die Belege bei Schiller/Lübben weisen keine Verwendung des Wortes aus, die auch die Bedeutung ‚fertigstellen‘ einschließt, etwa im Sinne von ‚einen Garten anlegen‘. – Kratz (DBHi, HS C 25, St. Andreas, S. 27) übersetzt angheleyt mit ‚aufgeführt‘.
  2. DI 35 (Stadt Braunschweig I), Nr. 123 ... wart dusse kor betenget.

Nachweise

  1. DBHi, HS C 25, St. Andreas, S. 27.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 150.
  3. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 151.
  4. Bertram, Bischöfe, S. 83.
  5. Bertram, Bistum 1, S. 305.
  6. Slg. Rieckenberg, S. 527f., ein Photo.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 105 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0010507.