Inschriftenkatalog: Stadt Hildesheim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

Nr. 94 St. Godehard E. 13.–1. H. 14. Jh.

Beschreibung

Glocke, heute vor der Westkapelle im Kirchenschiff aufgestellt. Im 19. Jahrhundert hing die Glocke im südlichen Westturm. Sie hat ein Mittelöhr und sechs Seitenöhre. Die Inschrift befindet sich unterhalb der Glockenschulter und ist erhaben zwischen zwei geraden Stegen ausgeführt.

Maße: H.: 120 cm; Dm.: 138 cm; Bu.: 4,7–5,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 58, Nr. 94 St. Godehard E. 13.–1. H. 14. Jh.

 Elke Schneider (Heidelberg) [1/7]

  1. · + · DANS · BENEDICETURa) · UASTANSb) · ANATHEMATIZETURc)1)

Übersetzung:

Wer gibt, wird gesegnet werden, wer zerstört, wird verflucht werden.

Versmaß: Hexameter, zweisilbig leoninisch gereimt.

Kommentar

Die durchweg noch erkennbaren Vorritzungen lassen darauf schließen, daß die Buchstaben direkt in die äußere Gußform eingeritzt und ihre endgültige Form dann mit v-förmiger Kerbe tiefer eingegraben worden ist. Diese Technik verbietet es, die für gotische Majuskel typischen Bogenschwellungen in stärkerer Form auszuprägen. Der Vergleich mit Inschriften aus anderen Orten legt die Entstehung am Ende des 13. Jahrhunderts oder in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nahe.2) Walter hat die Glocke nach der Form ins 14. Jahrhundert gesetzt, Reuther datiert sie ins 15. Jahrhundert.3)

Textkritischer Apparat

  1. BENEDICETUR] N retrograd.
  2. UASTANS] U retrograd, N retrograd vorgeritzt, aber korrekt ausgeführt.
  3. ANATHEMATIZETUR] Z retrograd mit Querstrich durch die Schräghaste. Anstelle des H ist zunächst ein E (der folgende Buchstabe) vorgeritzt worden.

Anmerkungen

  1. Der Spruch läßt sich auf Glocken aus der Zeit von 1234 bis ins 18. Jahrhundert vielfach nachweisen, vgl. Walter, Glockenkunde, S. 199, Anm. 2.
  2. Vgl. DI 29 (Worms), Nr. 49, Nr. 62. Ich danke Herrn Dr. Rüdiger Fuchs, Inschriftenkommission Mainz, und Herrn Dr. Harald Drös, Inschriftenkommission Heidelberg, für umfangreiche Hinweise auf Vergleichsmaterial und für die Hilfe bei der Datierung der Inschrift.
  3. Walter, Glockenkunde, S. 199; Hans Reuther: St. Godehard zu Hildesheim. Bau und Ausstattung der St.-Godehardi-Kirche. In: Diözese 37 (1969), S. 76–108, hier S. 95.

Nachweise

  1. DBHi, HS C 26a, S. 51.
  2. DBHi, HS C 994, o. S. (Zeichnung Kratz).
  3. Kd. Hildesheim, Kirchen, S. 241.
  4. Hans Reuther: St. Godehard zu Hildesheim. Bau und Ausstattung der St.-Godehardi-Kirche. In: Diözese 37 (1969), S. 96.
  5. Slg. Rieckenberg, S. 344–346, ein Photo.

Zitierhinweis:
DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 94 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0009406.