Inschriftenkatalog: Stadt Einbeck

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 42: Einbeck (1996)

Nr. 143 Neuer Markt 35 1611

Beschreibung

Haus, traufenständig, dreigeschossig, erstes und zweites Obergeschoß kragen vor, sieben Gefache breit. Auf den Schwellbalken zweizeilige Inschriften (A, B), die jeweils in drei Spalten nebeneinander angeordnet sind. Die Jahreszahl in der Mitte des Schwellbalkens im ersten Obergeschoß ist größtenteils durch ein altes Hausnummernschild verdeckt. Über der Tür ein Wappen mit Initialen und Jahreszahl C. Nach einer Inschrift unter der mittleren Fächerrosette des zweiten Obergeschosses wurde das Haus im Jahr 1855 renoviert.1) Dabei ist offensichtlich der mittlere Teil der oberen Saumschwelle erneuert worden. Dies läßt sich an der veränderten Buchstabenform und der normalisierten Orthographie der Inschrift C erkennen. Die Inschrift ist erhaben vor vertieftem Hintergrund ausgeführt, wobei die erneuerten Buchstaben weniger erhaben gestaltet sind. Die Inschrift weist als Interpunktionszeichen Kommata auf. Die Umlaute sind durch einfache Punkte über den Buchstaben bezeichnet.

Maße: Bu.: ca. 12–15 cm.

Schriftart(en): Fraktur mit Versalien.

  1. A

    Wo der Herre nit daß Haus bawet, So arbeiten vm/sonst die daran bawen. Psalm: 1272)Der Herre bewahr deinen Ein: vnd ausgang3) / Ciriacus Poggen A(nn)o 1[611]a)Ich bin die Aufferstehung vnd daß leben, Wer an mich gleubet, der wirdt leben / ob er gleich sturbe. Vnd wer da lebet vnd gloubet an mich, der wird nim(m)er sterben. Joh: 11b)4)

  2. B

    Fürchte dich nicht, den ich Habe dich erlöset, Ich habe dich bei / deinem Namen geruffen, du bist mein.c) Esaie am 43.5)Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, / und seine Güte währet ewiglich. Psalm 106.1.6)Habe Lust an dem Herrn, der wirdt dir geben waß dein hertze Wunschet / Befihle dem Herrn deine wege, vnd hoffe auf ihn, er wird es wol machen. Psalm. 37.7)

  3. C

    1611 / C P

Wappen:
Poggen8)

Kommentar

Cyriakus Poggen erwarb am 9. März 1611 das am Neuen Markt gelegene Grundstück des verstorbenen Heinrich Kargen, an dem er bereits zuvor gewisse Anrechte gehabt hatte, um es zu bebauen.9) Im Jahr 1614 überließ er seinem gleichnamigen Sohn das von ihm errichtete Haus.10) Im November 1620 ist Cyriakus Poggen als verstorben erwähnt.11)

Textkritischer Apparat

  1. 1[611]] 1645 Friese. Die Lesung Frieses dürfte auf einem Irrtum beruhen – eventuell auf einer Verwechslung der Jahreszahl mit der auf dem Schild darüber angebrachten Hausnummer –, da der Bauherr Cyriakus Poggen bereits vor dem November 1620 verstarb (Kontraktenbuch, HStA Hannover, Han 72 Einbeck, Nr. 449, fol. 311r). Der gleichnamige Sohn Poggens (ebd., fol. 238v) kommt für diese Inschrift nicht in Betracht, da sowohl das Schriftbild als auch die Verteilung der Inschriften auf den Schwellbalken für eine gleichzeitige Ausführung der Wappenbeischrift mit der Jahreszahl 1611 und den übrigen Inschriften sprechen und ein von dem Sohn 1645 durchgeführter Neubau anstelle des 1611 von seinem Vater errichteten Hauses wenig wahrscheinlich ist.
  2. Die Angabe der Bibelstelle ist in kleineren Buchstaben zweizeilig übereinander in die Zeile gefügt.
  3. mein] mein Gott Friese.

Anmerkungen

  1. Restaurirt / 1855.
  2. Ps. 127,1.
  3. Ps. 121,8.
  4. Joh. 11,25.
  5. Jes. 43,1.
  6. Ps.106,1.
  7. Ps. 37,4 u. 5.
  8. Wappen Poggen (zwei Frösche unter einem Baum auf einem Hügel); mnd. pogge = ‚Frosch‘, vgl. Schiller/Lübben 3, S. 357f.
  9. Kontraktenbuch, HStA Hannover, Han 72 Einbeck, Nr. 449, fol. 201r.
  10. Ebd., fol. 238v.
  11. Ebd., fol. 311r.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 51.
  2. Friese, Einbeck, S. 25.
  3. Feise, Allerlei Denkmäler, S. 55.

Zitierhinweis:
DI 42, Einbeck, Nr. 143 (Horst Hülse), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di042g007k0014304.