Inschriftenkatalog: Stadt Einbeck

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 42: Einbeck (1996)

Nr. 137 St. Alexandri nach 1604

Beschreibung

Epitaph des Bürgermeisters Andreas Olemann und seiner Frau Anna Helmold. Sandstein. Die beiden hochrechteckigen, oben durch einen Fries verbundenen Steine befanden sich früher außen an der Südwand der Kirche unterhalb des Turmes. Im Jahr 1977 wurde das Epitaph im Zuge einer Renovierung im Kircheninnern an der Südwand des Langhauses aufgestellt. Jeder der beiden Steine trägt in den vier Ecken je ein Vollwappen mit Beischrift. In den Innenfeldern sind jeweils in einer Bogennische die Figuren der beiden Verstorbenen im Flachrelief mit zum Gebet gefalteten Händen dargestellt. Auf dem linken Stein für Andreas Olemann ist auf der linken und rechten der den Stein begrenzenden Leisten die Inschrift A angebracht; auf der unteren Leiste verläuft zweizeilig die Inschrift B, die sich in den entsprechenden Zeilen der Inschrift auf dem Stein der Anna Helmold fortsetzt. Der Anordnung der Inschrift A auf dem Stein ihres Ehemanns entspricht die Anordnung der Inschrift C auf dem Stein der Anna Helmold. Abbildungen aus der Zeit vor 1977 zeigen auf diesem Stein eine halbrunde Bekrönung; Reste der darin befindlichen Inschrift D konnte Garbe 1929 noch entziffern. Über dem Stein für Andreas Olemann dürfte sich ursprünglich eine entsprechende Bekrönung befunden haben. Die Inschriften sind erhaben vor vertieftem Hintergrund ausgeführt, die Wappenbeischriften eingehauen.

Inschrift D nach Garbe.

Maße: H.: 217 cm; B.: 220 cm; Bu.: 4 cm (A–C), 1,5 cm (Wappenbeischriften).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 42, Nr. 137 - Einbeck, St. Alexandri - nach 1604

 Städtisches Museum, Einbeck [1/5]

  1. A

    CONSILIO QVANTVS FVERIT QVANTVSQVE SABINIS1) /NON PROCVL ERRANTES E[XPE]RIENTVR OVES

  2. B

    VTRIQVE POSVIT D(OCTOR) IOACHIM // GOTZ AB OLENHVSEN // TRIVM BRVNONIAE DVCVM // CONSILIARIVS NON POSTREMVS

  3. C

    SI QVAERIS QVALIS FVERIT DVM VIVERET EDAM /HAEC ERAT INTEGRITAS FORMA PVDOR PIETAS

  4. D

    ANNA SIF[ . . . ] CONSVLARISa) [ . . . ] G[ . . . ] CHRISTa)[ . . . ] MDXCVII

  5. Wappenbeischriften:

    DER OLEMANS2) DER · RAMMELBARG3) 
    [ . . . ]4) [ . . . ]5) 
    DER · HELMO6) DER RVMO[..]7) 
    DER. SHOTWA8) [ . . . ]9) 

Übersetzung:

Wie groß er im Rat gewesen ist und wie groß für die Schöffen, werden die Schafe erkennen, selbst wenn sie nicht weit abirren(?). (A)

Beiden hat Doktor Joachim Götz von Olenhusen [das Epitaph] errichtet, nicht der schlechteste Ratgeber dreier Herzöge von Braunschweig. (B)

Wenn du fragst, wie sie gewesen ist, solange sie lebte, werde ich sagen: Sie verkörperte Reinheit, Schönheit, Zucht und Frömmigkeit. (C)

Versmaß: Zwei elegische Distichen (A, C).

Kommentar

Andreas Olemann war ein Sohn des Henning Oleman und der Margarethe Rammelbarg. Nach dem Besuch der Schule in Einbeck und Hildesheim10) studierte er Jura in Erfurt, wo er sich am 27. Februar 1542 immatrikulierte.11) In Einbeck war er zunächst als Stadtschreiber, seit 1559 als Syndikus und seit 1567 als Bürgermeister tätig. Dieses Amt bekleidete Olemann mehrfach bis zum Jahr 1602. Anna Helmold stammte aus Göttingen und war in erster Ehe mit Balthasar Raven verheiratet.12) Andreas Olemann starb am 26. Januar 1604 und wurde zwei Tage später bestattet. Seine von Johannes Velius gehaltene Leichenpredigt erschien im selben Jahr in Hildesheim im Druck.13)

Der in Inschrift B genannte Joachim Götz von Olenhusen war der Schwiegersohn des Ehepaars. Er war in erster Ehe mit Elisabeth Olemann (vgl. Nr. 124) verheiratet. Joachim Götz stand von 1562 bis 1569 in Diensten Herzog Erichs des Jüngeren von Calenberg, studierte danach in Frankreich und war nach seiner Rückkehr seit 1573 als Hofrat Erichs des Jüngeren tätig. Im Jahr 1581 erwarb er den Hof Olenhusen, nach dem er seit der kaiserlichen Verleihung im Jahr 1591 den Adelstitel führte. Er starb am 6. August 1617.14)

Textkritischer Apparat

  1. Die Lesung ist bei Garbe als unsicher gekennzeichnet.

Anmerkungen

  1. SABINIS] Nebenform von SCABINUS ‚Schöffe‘. Die hier wahrscheinlich aus prosodischen Gründen gewählte Nebenform ist belegt bei Laurentius Dieffenbach, Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis. Frankfurt 1857, S. 515, s.v. scabinus.
  2. Wappen Olemann (linksgewendet, gespalten, rechts oberhalber Löwe, darüber und darunter ein sechsstrahliger Stern, links drei Schräglinkswellenbalken).
  3. Wappen Rammelbarg (ein i in gotischer Minuskelschrift).
  4. ? (Wilder Mann, in der Rechten einen gestümmelten Ast haltend).
  5. ? (Andreaskreuz).
  6. Wappen Helmold (nach links geneigter, 3- oder 4mal in Wellenschnitt schräggeteilter Balken).
  7. Wappen Rumorg (Wappeninhalt unkenntlich).
  8. Wappen Shotwa (gestürzte Muschel).
  9. ? (gespalten, rechts zwei rechtshalbe laufende Hunde? am Spalt).
  10. Einfeltige Christliche Leich vnd Ehrpredigt (wie Anm. 13), fol. D 3r.
  11. Matrikel Erfurt 2, S. 357, b9.
  12. Kiefert, Heiratskreise, S. 36, IV, 10.
  13. Einfeltige Christliche Leich vnd Ehrpredigt ... Bey dem Christliche begrebnis des weiland Ehrnuesten ... Adreassen Olemans ... durch M. Iohannem Velium. Hildesheim 1604. (Exemplar: Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, Conc. fun. 191/3, Viri O, Vol. 1, Nr. 12).
  14. Fahlbusch, Olenhusen, passim.

Nachweise

  1. Garbe, Kirchen, S. 79f.
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 41.
  3. Feise, Allerlei Denkmäler, S. 62.
  4. Fahlbusch, Olenhusen, S. 180 (C).

Zitierhinweis:
DI 42, Einbeck, Nr. 137 (Horst Hülse), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di042g007k0013706.