Inschriftenkatalog: Stadt Einbeck

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 42: Einbeck (1996)

Nr. 85 St. Alexandri 1559

Beschreibung

Epitaph des Hildebrand von Uslar. Sandstein mit Resten der farbigen Fassung. Das Epitaph besteht aus einem hochrechteckigen Reliefstein und einem halbrunden Aufsatz mit der Inschrift A. Unter einem Bogen, flankiert von zwei Säulen eine Kreuzigungsszene vor einer Stadt im Hintergrund, außerhalb der Stadt im Vordergrund eine Kapelle, zu der eine Frau auf einer Treppe hinaufsteigt; über dem Kreuz der Titulus B auf einem Schriftband. Links unter dem Kreuz kniet der Verstorbene in Bethaltung mit einem Spruchband (C) auf der Schädelstätte. Rechts unter dem Kreuz ein großer Wappenschild. Oben in den Bogenzwickeln und unten auf den Sockeln der Säulen Medaillons mit den Evangelistensymbolen, die Schriftbänder halten (D). Die Buchstaben der Inschriften sind erhaben ausgeführt und mit dunkler Farbe hervorgehoben.

Maße: H.: 320 cm; B.: 125 cm; Bu.: 7 cm (A), 6 cm (B), 3 cm (C), 1,5 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis mit einzelnen Buchstaben der frühhumanistischen Kapitalis (A–D), Versalien am Zeilenanfang (A).

DI 42, Nr. 85 - Einbeck, St. Alexandri - 1559

 Bildarchiv ADW Göttingen, Inschriftenkommission [1/3]

  1. A

    ANNO · 1·5·5·9 · I · R · ME · FECIT /CVI · DATVR · IN · DOMINO · MORTALIS · LVMINA · VITAEa) /CLAVDERE · PERPETVAE · DONAb) · SALVTIS · HABET /HOC · VOTIS · HILDBRANDE · PIIS · VSLERE · PETEBAS /TV · QVOQVE · VENISSET · CVM · TIBI · SVMMA · DIES /DEFVNCTVSQVE · TVO · NVNC · OCIA · LAETA · LABORE /NVNC · IMMORTALI · SORTE · BEATVS · AGIS /OBIIT · XVIII · CAL(ENDAS) · MAIIc)1) · ANNO · D(OMI)NI · 1·5·5·7

  2. B

    IN·RI

  3. C

    O IHESV FILI DEI · MISERERE MEI

  4. D

    S MATEVS // S MARC(VS) // S LVCAS // S IOHANNES

Übersetzung:

Im Jahr 1559 hat mich I. R. gemacht.

Wem es gegeben wird, die Augen des sterblichen Lebens im Herrn zu schließen, der besitzt die Gaben ewigen Heils. Dies erstrebtest auch du mit frommen Gebeten, Hildebrand von Uslar, nachdem für dich der letzte Tag gekommen ist. Und nachdem du deine Mühe beendet hast, verlebst du nun glücklich frohe Muße, nun im ewigen Leben.

Er starb am 18. Tag vor den Kalenden des Mai im Jahr des Herrn 1557. (A)

O Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner! (C)

Versmaß: Drei elegische Distichen (A).

Wappen:
Uslar2)

Kommentar

Die Inschriften sind in einer schlanken hohen Kapitalis ausgeführt, die einzelne Elemente der frühhumanistischen Kapitalis aufweist, wie H mit ausgebuchtetem Querbalken, oben offenes D, A mit Deckbalken nach rechts. Die Haste des L ist schrägrechts geneigt, der Mittelteil des M endet weit über der Buchstabenmitte.

Hildebrand von Uslar ist in den Jahren 1540–1554 als Scholaster an St. Alexandri nachzuweisen.3) Er war der letzte Kanoniker in diesem Amt.4) Hildebrand von Uslar war mit einer Frau namens Metele verheiratet, mit der er sieben Kinder hatte.5)

Textkritischer Apparat

  1. VITAE] VIRI Garbe.
  2. DONA] BONAE Garbe.
  3. MAII] MEN MAII Garbe.

Anmerkungen

  1. 14. April.
  2. Wappen Uslar (gekrümmter Ast mit fünf Knospen), vgl. Harland, Geschichte 2, Tafel 10.
  3. Grotefend, St. Alexander-Stift, S. 343.
  4. Harland, Geschichte 2, S. 42.
  5. Grotefend, St. Alexander-Stift, S. 343.

Nachweise

  1. Letzner, Chronica VI, Teil 1, 21, fol. 88v (A).
  2. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 40.
  3. Friese, Einbeck, S. 39 (C) u. S. 40 (A).
  4. Feise, Allerlei Denkmäler, S. 58 (A).
  5. Garbe, Kirchen, S. 67.

Zitierhinweis:
DI 42, Einbeck, Nr. 85 (Horst Hülse), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di042g007k0008507.