Inschriftenkatalog: Stadt Einbeck

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 42: Einbeck (1996)

Nr. 34 St. Alexandri um 1500

Beschreibung

Marienaltar. Holz, farbig gefaßt. Schrein mit drei geschnitzten Figuren vor goldenem Hintergrund unter einem Baldachin aus Rankenornament. In der Mitte Maria mit dem Kind auf einer Mondsichel umgeben von einem Strahlenkranz; links Erasmus im Bischofsornat, rechts Vitus. Alle drei Figuren tragen mit Inschriften versehene Nimben (A–C), Teile der Inschriften sind jeweils durch die Figuren verdeckt; eine weitere Inschrift befindet sich auf dem Gewandsaum des Erasmus (D). Die Worttrenner der Inschrift D sind als unterschiedlich gestaltete Ornamente ausgeführt. Da die Inschrift den Gewandfalten folgt, wechselt die Leserichtung mehrfach.

Maße: H.: 170 cm; B.: 167 cm; Bu.: 3 cm (A–C), 2 cm (D).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 42, Nr. 34 - Einbeck, St. Alexandri - um 1500

 Bildarchiv ADW Göttingen, Inschriftenkommission [1/3]

  1. A

    A[VE]a) SANCTE · ERASME · ORA PRO NOBIS

  2. B

    AVE SANCTISSIMA · MARIA · MAT[ER]

  3. C

    [AVE]a) SANCTE · VITE ORA · PRO NOBIS·b)

  4. D

    GAVDE · ERASM[E]c) · MARTIR · CRISTI · DIllECTISSIME · QVI · DIE · DOMINICO · DEO · MA[RTIR]d) · OBLLATVS · FVISTI

Übersetzung:

Gegrüßt seist du, heiliger Erasmus, bete für uns! (A)

Gegrüßt seist du, allerheiligste Mutter Maria! (B)

Gegrüßt seist du, heiliger Vitus, bete für uns! (C)

Freue dich, Erasmus, du geliebtester Märtyrer Christi, der du am Tag des Herrn Gott als Märtyrer überantwortet worden bist! (D)

Kommentar

Während die Nimbeninschriften (A–C) nur vereinzelte Elemente der frühhumanistischen Kapitalis wie epsilonförmiges E aufweisen, ist die Inschrift D in einer besonders manierierten Form ausgeführt und entspricht damit der charakteristischen Ausführung von Gewandsauminschriften, die mehr auf die Schmuckwirkung des einzelnen Buchstabens als auf den Inhalt der Inschrift abzielen. Zu beobachten ist flachgedecktes A mit schräggestelltem Mittelbalken, epsilonförmiges E, byzantinisches M, kapitales D ohne Haste und unziales, oben offenes D mit eingerolltem linken Bogenende. Die Hasten einiger Buchstaben sind mit Ausbuchtungen versehen.

Die zeitliche Einordnung des Altars folgt der kunsthistorischen Datierung. Als Künstler wird der sogenannte Epiphanius-Meister angesehen, dem weitere Werke aus Hildesheim, Gandersheim und Reinhausen zugeschrieben werden.1)

Textkritischer Apparat

  1. A[VE]] Die Inschrift ist zum Teil durch die Figur verdeckt; fehlt Garbe.
  2. Danach zwei Zeichen, eventuell ein I und ein spiegelverkehrtes B.
  3. ERASM[E]] Der letzte Buchstabe ist durch das Gewand verdeckt.
  4. MA[RTIR]] Der Schluß des Wortes durch eine Gewandfalte verdeckt.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Hahn, Kunstwerke, S. 242f. S. a. DI 58 (Stadt Hildesheim), Nr. 273 u. 275.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 37 (A–C).
  2. Friese, Einbeck, S. 34f. (A–C).
  3. Garbe, Kirchen, S. 37–41.

Zitierhinweis:
DI 42, Einbeck, Nr. 34 (Horst Hülse), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di042g007k0003400.