Inschriftenkatalog: Stadt Einbeck

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 42: Einbeck (1996)

Nr. 27 St. Alexandri Ende 15. Jh.

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet. Über einer abgetreppten Sockelplatte und einer oben und unten von Perlband umgebenen kannelierten Zarge erhebt sich der Sechspaßfuß. In fünf Segmenten des Sechspasses sind Darstellungen von Heiligen eingraviert, im sechsten Segment ist eine Kreuzigungsdarstellung aufgelötet. Der Titulus A ist auf einem geschwungenen, an den Enden eingerollten Schriftband angebracht. Zwischen den Buchstaben kleine Sterne. Über der Kreuzigung ein graviertes Rankenornament. Unterhalb des Kreuzes, dem Verlauf des Passes folgend, ein graviertes Schriftband mit der Inschrift B. Die Worttrenner der Inschrift B sind teils als Punkte oder Sternchen, teils paragraphenzeichenförmig gestaltet. Die Heiligenfiguren Jodokus, Maria Magdalena, Jakobus der Ältere, Barbara und Alexander in den fünf anderen Pässen sind in Schriftbändern namentlich bezeichnet (C). Die Bänder laufen, dem Paß folgend, unten um den Rand herum. Als Worttrenner dienen in Inschrift C Sternchen und Ranken. Ober- und unterhalb des Nodus sechseckige Schaftstücke,1) das obere, verkehrt herum eingesetzt, mit Inschrift D, das untere mit Inschrift E. Am Anfang von E eine in ein Quadrat gestellte Blüte. Auf der Ober- und Unterseite des abgeflachten Nodus befindet sich plastisches Maßwerkornament. Die Buchstaben der Inschrift F sind auf den vorspringenden rautenförmigen Rotuli angebracht. Ihre Reihenfolge ist gestört.2) Die becherförmige Kuppa ist schlicht. Unter dem Fuß eine Inschrift in Kursive aus jüngerer Zeit.3)

Maße: H.: 19,1 cm; Dm.: 12,6 cm (Kuppa), 14,5 cm (Fuß); Bu.: 0,25 cm (A), 0,3 cm (B, C), 0,6 cm (D), 0,7 cm (E), 0,5 cm (F).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A–E), gotische Majuskel (F).

DI 42, Nr. 27 - Einbeck, St. Alexandri - Ende 15. Jh.

 Bildarchiv ADW Göttingen, Inschriftenkommission [1/2]

  1. A

    ·i·n·r·i ·

  2. B

    or(ate) dev(m) · p(ro) · d(atore) · h(vivs) · wat(er)man · r B(e)n(e)frota) ·

  3. C

    sanctvs · iodocus // sancta · maria · maddelena // sante · iacop // sancte · barbera // sancte · allecsander //

  4. D

    ihesvs

  5. E

    · maria

  6. F

    I H V S E Sb)

Übersetzung:

Bittet Gott für den Stifter dieses [Kelches...] (B)

Kommentar

Die Datierung des Kelches auf das Ende des 15. Jahrhunderts ergibt sich aus stilistischen Übereinstimmungen mit dem 1483 gefertigten Kelch der Neustädter Marienkirche (Nr. 20), der offensichtlich aus derselben Werkstatt stammt. Darauf verweisen sowohl die sich in ihrer Gestaltung entsprechenden eingravierten Figuren in den Segmenten des Fußes als auch die Übereinstimmung in der Ausführung der gotischen Minuskel auf den um den Fuß verlaufenden Schriftbändern.

Textkritischer Apparat

  1. r B(e)n(e)frot] Über dem n ein Kürzungsstrich, vom Querbalken des t geht nach unten ein Kürzungszeichen ab; keine sinnvolle Lesung möglich; benfactore Garbe.
  2. Falsch für IHESVS. Die Rotuli sind in falscher Abfolge eingesetzt.

Anmerkungen

  1. Die Schaftstücke und der Nodus sind offenbar später zusammengesetzt worden.
  2. Die Rotuli sind möglicherweise älter als der Fuß.
  3. Stift Sanct Alexand. 1826.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 37.
  2. Garbe, Kirchen, S. 86f.

Zitierhinweis:
DI 42, Einbeck, Nr. 27 (Horst Hülse), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di042g007k0002705.