Inschriftenkatalog: Stadt Einbeck

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 42: Einbeck (1996)

Nr. 7 St. Alexandri 1367

Beschreibung

Grabplatte des Propstes Johannes von Braunschweig-Grubenhagen. Bronze. Die hochrechteckige Platte ist heute an der Nordwand des Chores aufgestellt. Vermutlich ist die Platte mit einem Grab vor den Vierungspfeilern im Langhaus in Verbindung zu bringen, das bei einer Grabung 1975/76 entdeckt wurde.1) Um den Rand der Platte verläuft zwischen zwei Linien die eingravierte Inschrift, die im Innenfeld links neben der Figur des Verstorbenen weitergeführt ist. In den Ecken der Platte je ein gravierter Wappenschild, der in die Schriftleiste hineinragt.2) Im Innenfeld die halbplastische Figur des Verstorbenen, dessen mit einer Kappe bedeckter Kopf auf einem Kissen ruht. Auf der Brust hält er mit beiden Händen ein Buch; zu seinen Füßen ausgestreckt ein kleiner Löwe.

Maße: H.: 207 cm; B.: 70 cm; Bu.: 3–4 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 42, Nr. 7 - Einbeck, St. Alexandri - 1367

 Bildarchiv ADW Göttingen, Inschriftenkommission [1/2]

  1. ANNO · D(OMI)NI M · CCC · LXVII · X / K(A)L(ENDAS)a) JVNIIb)3) · OBIIT · D(OMI)N(V)S · JOHANNES · FILIUS · JLLVSTRIS · PRI(N)CIPISc) / D(OMI)NI · HI(N)RICI · DV/CISd) · BRV(N)SWICE(N)SISe) · P(RE)POSITVS · HVI(VS) · ECC(LESI)E · S(AN)C(T)I · ALEXA(N)DRI · CVIVSf) // A(N)I(M)AM // H(AB)EAT · D(OMI)N(V)S · AMENg)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1367, am 10. Tag vor den Kalenden des Juni, starb Herr Johannes, Sohn des erlauchten Fürsten Herrn Heinrich, des Herzogs von Braunschweig, Propst dieser Kirche des heiligen Alexander. Seine Seele möge der Herr bei sich haben. Amen.

Wappen:
Brandenburg4)Braunschweig5)
Montferrat6)Meißen7)

Kommentar

Die hier verwendete gotische Majuskel ist als teilweise konturierte Schrift mit Schwellungen und Schattenstrichen graviert, die Bögen in einigen Fällen mit gerader Innenkontur. Viele Hasten sind mit einem Halbnodus besetzt, die I beidseitig. Auffällig ist das runde M der Jahreszahl, dessen Mittelhaste als Haarstrich, die Schwellung der beiden Bögen dagegen konturiert ausgeführt sind. E und C mit Abschlußstrichen, N teils offen, teils geschlossen, M unten offen. Die V-Schreibung überwiegt, nur ein rundes U.

Johannes war der jüngste Sohn des Herzogs Heinrich Mirabilis von Braunschweig-Grubenhagen (vgl. Nr. 6) und seiner Frau Agnes, Tochter des Markgrafen von Meißen. Im Jahr 1320 ist er als scolaris in Hildesheim nachgewiesen und als Domherr in Münster. Vom 19. September 1327 an bekleidete er bis zu seinem Tode das Amt des Propstes im Stift St. Alexandri. Er war außerdem von 1332 bis 1342 Propst an St. Blasii in Braunschweig und von 1341 bis 1366 Dompropst in Halberstadt.8)

Textkritischer Apparat

  1. Danach das Wappen Braunschweig-Grubenhagen.
  2. X K(A)L(ENDAS) JVNII] 10 Iunii Letzner.
  3. PRI(N)CIPIS] Nach dem dritten I das Wappen Meißen.
  4. DVCIS] Nach dem V das Wappen Montferrat.
  5. DVCIS BRV(N)SWICE(N)SIS] Fehlt Harland.
  6. CVIVS] Danach das Wappen Brandenburg.
  7. In der Inschrift fehlen einzelne Kürzungsstriche.

Anmerkungen

  1. Vgl. Hoffmann, Grabungsfunde, S. 40f.
  2. Zu den frühen Vierer-Ahnenproben vgl. Fuchs in: DI 29 (Worms), S. XXXVII, dort die älteste von 1364 (DI 29, Nr. 145) und Drös in: DI 37 (Rems-Murr-Kreis), S. XXVIII. Harald Drös weist (ebd., Anm. 86) im Zusammenhang des Auftretens von Viererahnenproben auf Grabplatten auf die Aufschwörungspraxis der reichskirchlichen adeligen Stifter hin, die forderte, daß der Anwärter vier ritterbürtige Großeltern aufweise.
  3. 23. Mai.
  4. Wappen Brandenburg (Adler). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch 1, Abt. 1, Teil 1, S. 12, Tafel 12. Es handelt sich um das Wappen der Urgroßmutter des Verstorbenen, Mathilde von Brandenburg.
  5. Wappen Braunschweig (zwei Leoparden pfahlweise). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch 1, Abt. 1, Teil 1, S. 26.
  6. Wappen Montferrat (Schildhaupt mit gotischer Rautendamaszierung). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch 2, Abt. 1, S. 28. Für freundliche Hilfe bei der Identifizierung und der Blasonierung des Wappens ist Harald Drös, Inschriftenkommission Heidelberg, zu danken. Es handelt sich um das Wappen der Gräfin Adelheid von Montferrat, der Großmutter des Verstorbenen.
  7. Wappen Meißen (steigender unbekrönter Löwe). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch 1, Abt. 1, Teil 1, S. 19, Tafel 25. Wappen der Agnes, Tochter des Markgrafen von Meißen, der Mutter des Verstorbenen, vgl. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 40, dort allerdings „Agnes, Tochter des Landgrafen von Thüringen“. Es handelt sich hier jedoch um das Wappen der Markgrafen von Meißen.
  8. Die Lebensdaten nach Gustav Schmidt, Die Dompröpste von Halberstadt. In: Zs. des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 19 (1886), S. 23–92, hier S. 33f.; Paul Zimmermann, Das Haus Braunschweig-Grubenhagen, ein genealogisch-biographischer Versuch. Wolfenbüttel 1911, Nr. 17, S. 20f.

Nachweise

  1. Letzner, Chronica VI, Teil 1, 3, fol. 63r, u. 21, fol. 88r (Text stark abweichend).
  2. Harland, Geschichte 1, S. 99.
  3. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 40.
  4. Garbe, Kirchen, S. 84.

Zitierhinweis:
DI 42, Einbeck, Nr. 7 (Horst Hülse), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di042g007k0000703.