Inschriftenkatalog: Stadt Einbeck

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 42: Einbeck (1996)

Nr. 3 Odagsen, St. Pankratius 1183

Beschreibung

Tympanon. Sandstein, braun gefaßt. Das Tympanon stammt aus dem romanischen Vorgängerbau und befand sich noch im 16. Jahrhundert über dem Portal der Kirche.1) Die Fassung in einem dunkelbraunen Farbton erhielt der Stein erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.2) Das Tympanon ist heute innen an der südlichen Wand der Kirche angebracht. Dem Bogen folgend verläuft ein breites Band mit Palmettenornament. In der Mitte des halbkreisförmigen von Kannelierungen gerahmten Innenfeldes ein von Palmettenornament umgebenes griechisches Kreuz auf einem stilisierten Stamm. Es wird von zwei niedrigeren, aus Rundbogen hervorwachsenden Palmettenbäumchen begleitet. Neben dem linken Palmettenstamm ein herzförmiges Palmettenornament auf einem Stamm, neben dem rechten Palmettenstamm ein ebensolches Ornament ohne Stamm. Inschrift A verläuft links und rechts vom Kreuz im Bogen; Inschrift B, die durch die Palmettenornamente und den Kreuzstamm unterbrochen wird, unten im Innenfeld. Die vertieften Buchstaben der Inschriften sind in hellgelber Farbe ausgemalt. Die Worttrenner haben in Inschrift A und im zweiten Teil von B die Form kleiner Vollkreise, im ersten Teil der Inschrift B kleiner nach rechts offener Halbkreise.

Maße: H.: 80 cm; B.: 166 cm; Bu.: 7 cm (A), 6,5–8,5 cm (B).

Schriftart(en): Romanische Majuskel (A), mit einzelnen Minuskeln (B).

DI 42, Nr. 3 - Odagsen, St. Pankratius - 1183

 Bildarchiv ADW Göttingen, Inschriftenkommission [1/1]

  1. A

    + ANNO · D(OMI)NICE · INCAR(NATIONIS) · · M° · C · LXXX · III · F · E · I · B ·

  2. B

    · M · T · I · C · P · C · N · · d // · Y A · T P · Pa) T · N · s ·

Übersetzung:

Im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1183 [...]. (A)

Inschrift A ist in einer Mischmajuskel aus kapitalen und runden Buchstaben ausgeführt, rundes N steht neben kapitalem, unziales neben spitzem A mit Deckbalken. E ist nur in der runden, M in der unzialen, vorne geschlossenen Form verwendet worden. Echte Sporen finden sich nur am unteren Bogenende des zweiten unzialen E. Einzelne Hasten und Balken sind am Ende mit geraden Strichen versehen; von auffälliger Breite sind diese bei den kapitalen N.

Die Buchstabenformen der Inschrift B sind für eine Majuskel des späten 12. Jahrhunderts sehr ungewöhnlich, auffällig sind insbesondere das C mit oben und unten eingerolltem Bogen, das der Minuskel entlehnte d mit gerader Haste und das in der Form eines Schaft-s ausgeführte S. Merkwürdig sind auch die Zierformen in Gestalt kleiner, an verschiedene Buchstabenteile angesetzter Häkchen. Diese charakteristischen Merkmale setzen Inschrift B von Inschrift A deutlich ab. In den zeitgenössischen epigraphischen Schriften lassen sich weder Parallelen für die besondere Gestaltung der Buchstaben noch für die verwendeten Zierhäkchen finden. Die Anbringung der beiden Inschriften auf einer leicht erhabenen, dem Bogen folgenden Leiste spricht jedoch ebenso gegen eine nachträgliche Ausführung der Inschrift B wie gewisse beiden Inschriften gemeinsame Elemente, z. B. die kreisförmigen Worttrenner.

Die Inschriften bestehen mit Ausnahme des Datumsformulars aus Initialen, die sich nicht zu einem sinnvollen Text ergänzen lassen. Gerd Dickers3) hat, von den Beobachtungen Lindemanns4) zur Ornamentik ausgehend, geschlossen, daß der linke Teil der Inschrift den Neuen Bund bezeichne, während der rechte für den Alten Bund stehe. Er schlägt für die Inschriften folgende, im Fall B freilich völlig spekulative, Auflösung vor:

  1. (A)

    + ANNO · D(OMI)NICE · INCAR(NATIONIS) · · Mo · C · LXXX · III · F(ACTA) · E(ST) · I(STA) · B(ASILICA)

  2. (B)

    M(ONVMENTVM) · T(ESTAMENTI) · I(HESV) · C(HRISTI) · P(ER) · C(HRISTVM) · N(OBIS) · · d(ATI) / d(ONATI) · Y(MAGO) · A(VTEM) · T(ESTAMENTI) · P(ER) · P(ROPHETARVM) T(ESTIMONIVM) · N(OBIS) · s(IGNIFICATI) ·

Textkritischer Apparat

  1. Vielleicht P(RO).

Anmerkungen

  1. Letzner, Chronica V, Teil 1, 36, fol. 34v.
  2. Rudolf Lindemann, Das rätselhafte, achthundertjährige Tympanon in Odagsen. In: EJb 34 (1983), S. 49–63, hier S. 51.
  3. Gerd Dickers, Die Inschriften des Tympanons von Odagsen. Ein Versuch ihrer Deutung. In: EJb 42 (1993), S. 81–94.
  4. Lindemann (wie Anm. 2), S. 53–59.

Nachweise

  1. Mithoff, Kunstdenkmale, S. 164.
  2. Lindemann, Das rätselhafte, achthundertjährige Tympanon in Odagsen. In: EJb 34 (1983), S. 59, Abb. S. 53 und 61.
  3. Dickers, Die Inschriften des Tympanons von Odagsen. Ein Versuch ihrer Deutung. In: EJb 42 (1993), S. 82, 87, 90, Abb. S. 81.

Zitierhinweis:
DI 42, Einbeck, Nr. 3 (Horst Hülse), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di042g007k0000305.