Inschriftenkatalog: Ehemaliger Landkreis Querfurt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

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DI 64: Querfurt (2006)

Nr. 228 Querfurt, ev. Pfarramt 2. D. 17. Jh.

Beschreibung

Kelch, Silber, gegossen, getrieben, graviert, gelötet. Der sechseckige Schaft trägt eine große, bauchige Cuppa und hält in der Mitte einen flachen Nodus, den tief eingeschnittene Kerben in sechs Segmente teilen. Jedes davon ist mit einem im Diamantschnitt gestalteten Rotul besetzt. Der teilweise schadhafte Fuß gliedert sich in sechs halbrunde Pässe. Einem davon ist die seitlich überragende Kreuzigungsgruppe appliziert, die zwei eingravierte Vollwappen flankieren. Dabei unterbricht die Helmzier des heraldisch rechten die Wappenbeischrift (A), die des heraldisch linken die Wappenbeischrift (B). Die relativ hohe, wulstartig gebildete Zarge endet auf dem etwa 1 cm breiten Stehrand. Die Unterseite des Fußes ist mit der eingeritzten Gewichtsangabe (C) sowie zwei runden, punzierten Marken versehen. Während die rechte das Naumburger Beschauzeichen1) wiederzugeben scheint, erkennt man in der linken die Initialen des Goldschmieds Heinrich Funcke (HF).2)

Maße: H.: 19 cm; Dm.: 10,5 cm; Bu.: 0,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), Humanistische Minuskel (C).

DI 64, Nr. 228 - Querfurt, ev. Pfarramt - 2. D. 17. Jh.

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Ilas Bartusch) [1/2]

  1. A

    · H(EINRICH) · C(HRISTOPH) · // N(ASO) · O(BRISTER)a) ·

  2. B

    · M(ARIA) · C(ATHARINA) · N(ASO) · // · G(E)B(ORNE)b) · V(ON)c) · O(STERHAUSEN) ·

  3. C

    24 l(oth) 1 q(uentchen)d)3)

Wappen:
Naso4), Osterhausen5).

Kommentar

Der Mittelteil des geraden M ist auf die obere Zeilenhälfte begrenzt. Als Worttrenner dienen Punkte in Zeilenmitte.

Wappen und Initialen weisen die Eheleute von Naso eindeutig als Stifter des Kelches aus. Heinrich Christoph von Naso gehört zu den wenigen bekannteren Vertretern dieser Familie im 17. Jahrhundert, da sein Grabdenkmal und einige seinem Gedächtnis gewidmete Geräte in der Freyburger Marienkirche (Burgenlandkreis) mit ausführlichen Inschriften und Wappenschilden versehen sind.6) Daraus geht hervor, daß der Verstorbene von 1614 bis 1666 gelebt hat und Erbsasse in Altengottern, Flarchheim (Unstrut-Hainich-Kreis), Gleina (Burgenlandkreis) sowie Obhausen war. Bevor er zum Amtshauptmann in Freyburg bestellt wurde, hatte er im sächsischen Heer als Obrist der Kavallerie gedient. Zu unbekanntem Zeitpunkt heiratete er Maria Catharina, die erste Tochter Hans Georgs von Osterhausen.7) Da die Eheschließung wohl erst nach 1630 geschehen sein dürfte, läßt sich die Anfertigung der Inschrift mit einiger Sicherheit in das zweite Drittel des 17. Jahrhunderts einordnen. Diese Datierung stützt auch ein anderer Kelch aus dem Naumburger St.-Moritz-Kloster, den der Goldschmied Heinrich Funcke im Jahre 1657 anfertigte.8) Allerdings könnte der Nodus am Querfurter Kelch älter sein als die übrigen Teile des Gefäßes. Denn im Gegensatz zur Form der Zarge und der bauchigen Kuppa, denen sich innerhalb der genannten Zeitspanne mehrere Vergleichsstücke zur Seite stellen lassen, findet man für die flache und verhältnismäßig zierliche Ausführung des Knaufes im 17. Jahrhundert kaum Parallelen.9)

Textkritischer Apparat

  1. O(BRISTER)] Auflösung nach dem Titel des Genannten auf seinen Grabdenkmälern in der Freyburger St.-Marien-Kirche, vgl. Kdm. (Querfurt) 1909, S. 86 Nr. 10 (der dort angegebene Name Friedrich Christoph Naso nicht korrekt), 11.
  2. GB] Das B klein an die Cauda des G angefügt. C. B. Kdm.
  3. V] N Kdm.
  4. 24 l(oth) 1 q(uentchen)] Die 2 spitz, die 4 geschlossen und gerade. Die 1 mit i-Punkt und kurzem Anstrich. Den unteren Schaftteil des q umringt ein Kreis.

Anmerkungen

  1. Vgl. Rosenberg 3, 1925, S. 1 Nr. 3624; Identifizierung jedoch unsicher. Es könnte sich hier statt um Schwert und Schlüssel auch um die Balken eines Tatzenkreuzes handeln.
  2. Vgl. Rosenberg 3, 1925, S. 2 Nr. 3641. Das stark rechtsschräg gestellte F über das breite H gelegt. Beide Buchstaben mit rechtwinklig angesetzten Sporen.
  3. Zur Umrechnung der Gewichtsangabe vgl. Voigt 1928, S. 200; Kahnt/Knorr 1986, S. 170, 242.
  4. Ein mit zwei Straußenfedern besteckter Spangenhelm, einen erniedrigten Balken überdeckend, vgl. Adelslexikon 9, 1998, S. 328. S. a. das ältere Wappen in Siebmacher 6/6, 1884, S. 113, Taf. 73.
  5. Vgl. Siebmacher 6/6, 1884, S. 119, Taf. 78. Hier als Helmzier über gekröntem Helm statt einer Rose eine Blume.
  6. Vgl. Gelder 1905, S. 119 f. (Die Ableitung der Ahnentafel hier allerdings falsch; der Wortlaut der Inschrift fehlerhaft.) S. a. Kdm. (Querfurt) 1909, S. 82, 86 Nr. 10 (Namensangabe falsch), 11. Allg. zum Geschlecht von Naso vgl. Adelslexikon 9, 1998, S. 328; NaDAL 6, 1865, S. 445 (Lit.); Zedler 23, 1740, Sp. 715.
  7. Vgl. König 1727, Tl. 1, S. 692. Vgl. zum Geschlecht von Osterhausen allg. auch Adelslexikon 10, 1999, S. 79 f. (Lit.); JDA 2, 1898, S. 761 f.; NaDAL 7, 1867, S. 9 f. (Lit.); Zedler 25, 1740, Sp. 2279.
  8. Vgl. Rosenberg 3, 1925, S. 2 Nr. 3641; ThB 12, 1916, S. 593; Kdm. (Naumburg) 1903, S. 229.
  9. Vgl. hinsichtlich der Zarge als eines der frühesten Vergleichsstücke Nr. 165 (1606); dann auch Spies 2, 1996, S. 61, Nr. 159 (1640/41–1694); S. 66, Nr. 173, 174 (1644–1686); S. 69, Nr. 180 (1665–1671) u. a. m.; DI 9 (Lkr. Naumburg) 1965, Nr. 536 f. (17. Jh.). Hingegen findet sich einer der spätesten, nur weitläufig formverwandten Nodi dieser Art in Spies 2, 1996, S. 54, Nr. 142 (vor 1611). Die flache, gerippte und mit Rotuli besetzte Knaufform ist in der Regel nur bis in das 16. Jahrhundert nachweisbar, vgl. Goldschmiedekunst 2001, S. 229–317; später nimmt die Tendenz zur Rundung und Kugelgestalt zu, vgl. z. B. DI 39 (Lkr. Jena) 1995, Nr. 295 (1623), 192 (1579); DI 9 (Lkr. Naumburg) 1965, Nr. 514 (1619), 497 (1609).

Nachweise

  1. Kdm. (Querfurt) 1909, S. 199.

Zitierhinweis:
DI 64, Querfurt, Nr. 228 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di064l002k0022808.