Inschriftenkatalog: Ehemaliger Landkreis Querfurt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 64: Querfurt (2006)

Nr. 97 Farnstädt, ev. Kirche (St. Johannes und Paul) 1557

Beschreibung

Grabdenkmal des Jobst von Geusau, Sandstein, gefaßt. Die hochrechteckige Platte ist am Ansatz zum Chorpolygon aufrecht in die innere Nordwand des Kirchenschiffes eingelassen. Heydrich beschreibt sie 1743/44 bei der Kanzel („in dem Prediger Stuhl“), die sich wohl an dieser Stelle befunden haben wird.1) Das Grabmal schließt oben in einem leichten Flachbogen ab, unter dem in einer etwa 30 cm breiten Zone fünf reliefierte Vollwappen zwischen die Säulen einer Arkatur eingestellt sind. Die beiden äußeren gehören zu der vierteiligen Ahnenprobe. Das Zentrum zeigt auf einer schachbrettartig gefelderten Fläche den Verstorbenen im Halbrelief. Er trägt einen Plattenharnisch, ist barhäuptig wiedergegeben und hat einen kantig gestutzten Vollbart. Der rechte Arm verdeckt den Griff eines langen Schwertes. Die mit Handschuhen bekleideten Hände liegen flach übereinander auf dem Leib. Die Seitenränder der Platte sind im mittleren Bereich durch hohe Leisten vom Bildfeld abgegrenzt und durch schmale Stege jeweils in zwei Zeilen untergliedert. Darin ist in erhabenen Lettern der stellenweise stark beschädigte Sterbevermerk mit Fürbitte eingemeißelt. Die unteren Ecken der Platte werden durch zwei stufenförmige, von außen in das Binnenfeld hineinragende und höherliegende Absätze verdeckt bzw. ersetzt, wodurch Teile der Inschrift nicht mehr sichtbar sind. Wahrscheinlich hatte man dem Grabmal vor der Neuaufstellung die beschädigten Ecken herausgeschnitten, um es in aufrechter Stellung unten sicher abstützen zu können. Auf dem rechten Sockel ist noch ein Bogenfeld zu erkennen, in dem vermutlich eines der Wappen der vierteiligen Ahnenprobe wieder angebracht wurde. Leider hat man dieses später achtlos übertüncht.

Maße: H.: ca. 202 cm; B.: 105 cm; Bu.: 3,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 64, Nr. 97 - Farnstädt, ev. Kirche St. Johannes u. Paul - 1557

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Ilas Bartusch) [1/2]

  1. ANNOa) · 1557b) · FREITAG · NACHc) · SIMONIS · VND · IVDE · DE[N 29]d) [– – –]e) //f) VON · GEVSA[– – –]Sg) · ALTERS · IMh) · 49 · //i) IN · GOTT · ENTSCHLAFFEN · DER · SELEN · GOTT · DER · AL//MECHTIGEj) · GENED[........]MHERCZICKk) · SEY · AMEN ·

Datum: 29. Oktober 1557.

Wappen:
Geusau2), Trotha3), Gottfahrt4), Watzdorf5),Bendeleben6)
[Krosigk]7) unkenntlich8).

Kommentar

Die Schrift zeichnet sich durch eine gleichbleibende Breite der Buchstabenbestandteile aus, die durch keinerlei Sporen verziert sind. Die breit proportionierten Lettern werden von den sie oben und unten berührenden Zeilenlinien eingerahmt. Zu den nennenswerten Besonderheiten zählen das retrograde N, das ungewöhnlich breite konische M, dessen Mittelteil die Grundlinie berührt, sowie die gewölbte und weit ausgestellte Cauda des R. Das spitze A, dessen Mittelbalken im oberen Drittel liegt, verfügt über Schrägschäfte, die sich nach unten keilförmig verbreitern. Bemerkenswert ist außerdem der seltenere TT-Nexus, durch den die Schäfte unter einem Balken nah beieinander stehen. Als Worttrenner dienen Quadrangel in Zeilenmitte.

Da sowohl die Schriftformen als auch die figürliche Gestaltung starke Ähnlichkeiten mit dem Epitaph Jobsts von Geusau aufweisen, kann das Grabmal als ein weiteres Werk des Meisters A. W. gelten.9)

Jobst von Geusau war der Sohn Günthers von Geusau d. J. von dessen namentlich nicht überlieferter Frau, einer geborenen von Bendeleben.10) Er läßt sich in den Jahren zwischen 1518 und 1555 urkundlich mehrfach nachweisen. Wie auch aus den Wappen hervorgeht, die die Identifikation des Grabdenkmals zweifelsfrei belegen, hatte er dreimal geheiratet, zunächst eine unbekannte Frau aus der Familie von Trotha, danach um 1535/40 Magdalena von Gottfahrt und nach deren Tod schließlich 1550/51 Anna von Watzdorf, die erst am 13. 11. 1603 verstarb.11) Aus der zweiten Ehe sind die Nachfahren Katharina und Günther, aus der dritten die Tochter Barbara sowie drei weitere Kinder bezeugt.

Textkritischer Apparat

  1. ANNO] Der Versal etwas größer: 4 cm.
  2. 1557] Die 1 als einfacher senkrechter Balken ausgeführt; die 5 besteht aus einem leicht nach oben gebogenen Deckbalken, einem schrägen Schaft und einem eingerollten Bogen.
  3. NACH] Das A mit nach links überstehendem Deckbalken, den unten ein rechtwinklig angesetzter Sporn begrenzt.
  4. DE[N 29]] Ergänzung nach Pb. Wolf, Heydrich. Der untere Abschnitt des retrograden N und der Bogen der 2 noch undeutlich wahrnehmbar. Danach der untere Plattenabsatz mit dem heraldisch linken Wappen.
  5. Das verlorene Textstück dürfte zumindest die finite Verbform, den Vornamen des Verstorbenen sowie entsprechende Epitheta enthalten haben, vgl. Nr. 147. Die paraphrasierende Überlieferung der gesamten Inschriften in Pb. Wolf, Heydrich lautet: „Jobst von Geussau auf Varnstedt 1557 den 29 im 49. Jahr seines Alters.“ Ergänze somit in etwa zu: [OCTOBRIS STARB DER VEST JOBST] o. ä.
  6. Wechsel zur äußeren Zeile des linken Schriftfeldes unten.
  7. GEVSA[– – –]S] Buchstabenverlust auf 54 cm Länge; ergänze nach Pb. Wolf, Heydrich vermutlich zu: GEVSA[W AVF VARNSTEDT SEINE]S, vgl. Anm. e.
  8. IM] ... LA Kdm.
  9. Wechsel zur inneren Zeile des rechten Schriftfeldes oben.
  10. AL//MECHTIGE] Innerhalb des Wortes Wechsel zur inneren Schriftzeile des linken Schriftfeldes unten.
  11. GENED[........]MHERCZICK] Ergänze vermutlich zu: GENED[IG VND BAR]MHERCZICK.

Anmerkungen

  1. Vgl. Pb. Wolf, Heydrich 1743/44, S. 5.
  2. Vgl. Siebmacher 6/6, 1884, S. 50, Taf. 31. Hier linksgewendet. Wappenbild stark beschädigt und nur schemenhaft erkennbar.
  3. Vgl. Siebmacher 3/4, 1859, S. 28, Taf. 32.
  4. Vgl. Siebmacher 6/6, 1884, S. 54, Taf. 34.
  5. Vgl. Siebmacher 6/6, 1884, S. 178, Taf. 116.
  6. Vgl. Siebmacher 6/6, 1884, S. 12, Taf. 8.
  7. Ergänzt nach Ahnenprobe in Nr. 98 und Sächs. StA Leipzig, Ahnenreihen 1982, Stammtafeln v. Geusau Taf. 2. Zum Wappen vgl. Siebmacher 6/12, 1907, S. 101, Taf. 79. Analog zu Anm. 2 vermutlich linksgewendet ausgeführt.
  8. Lediglich die Fähnchen der Helmzier noch schwach erkennbar. Hier wäre das Wappen der unbekannten Großmutter mütterlicherseits zu erwarten (von Erffa?), vgl. Nr. 98 Anm. 7. Allg. zur genealogischen Analyse von Wappen auf Grabdenkmälern Wappenfibel 1998, S. 116–121.
  9. Vgl. Nr. 98; Einl. Kap. 5. 4. 2.
  10. Vgl. wie auch im folgenden Sächs. StA Leipzig, Ahnenreihen 1982, Reihe v. Geusau S. 2; Regesten v. Geusau S. 10; Stammtafel v. Geusau Taf. 2. S. a. Nr. 112.
  11. Vgl. hierzu auch das Epitaph in Nr. 98.

Nachweise

  1. Pb. Wolf, Heydrich 1743/44, S. 5 (Paraphrase).
  2. Kdm. (Querfurt) 1909, S. 60.
  3. Sächs. StA Leipzig, Ahnenreihen 1982, Regesten v. Geusau S. 10 (unvollst.).

Zitierhinweis:
DI 64, Querfurt, Nr. 97 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di064l002k0009703.