Inschriftenkatalog: Ehemaliger Landkreis Querfurt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 64: Querfurt (2006)

Nr. 61 Alberstedt, ev. Kirche (St. Peter u. Paul) 1506

Beschreibung

Eckquader, Sandstein. Am Ansatz zum Chorpolygon befindet sich an der äußeren Nordwand der Kirche in ca. 3 m Höhe ein Eckquader, dessen etwas eingetieftes Schriftfeld die erhaben gemeißelte Baudatierung aufweist. Zwischen der zweiten und dritten Ziffer der Jahreszahl ist ein tartschenförmiger Wappenschild mit einem Meisterzeichen erkennbar.

Maße: H.: 25 cm; B.: 63 cm; Bu.: 10 cm; Zi.: 8–9 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 64, Nr. 61 - Alberstedt, ev. Kirche St. Peter u. Paul - 1506

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Ilas Bartusch) [1/1]

  1. Anno · dom(in)ia) · / · 1 · 5 · //b) · 0 · 6 ·

Wappen:
Bainer.1)

Kommentar

Buchstaben- und Ziffernbestandteile sind breit aus dem Stein herausgearbeitet. Das pseudounziale A ist mit zwei parallelen, linksschräg verlaufenden Balken ausgestattet. Der freie Schaftabschnitt des d bricht oberhalb des Bogens nach links um. Die 5 besteht aus einem relativ schmalen Bogen und einem leicht gekrümmten, rechts gespaltenen Balken. Die 6 ist weit offen. Als Wort- und Zifferntrenner dienen Quadrangel in Zeilenmitte.

Das angegebene Jahr dürfte die Erweiterung der früheren Kapelle datieren, die – wie dem Wappenschild zu entnehmen ist – unter der Leitung des Baumeisters Hans Bainer vorgenommen wurde.2) Das Alter des Vorgängerbaus läßt sich nicht sicher ermitteln, allerdings weist die kleinere der beiden Glocken – sofern sie sich hier in situ befindet – zumindest in das 13. Jahrhundert.3) Dies entspricht in etwa auch den chronikalischen Aufzeichnungen des ältesten, 1687 einsetzenden Alberstädter Kirchenbuches, aus denen Schmeißer zitiert: „anno 1720 den 2 dezember entstand ein heftiger Wind (...). Die Kirche nebst den Fenstern sehr beschädigt. (ist ohngefähr – die Kirche 423/458 Jahr alt und erst nur eine Capelle gewesen.)“4)

Textkritischer Apparat

  1. dom(in)i] Ohne Kürzungszeichen.
  2. Unterbrechung durch Wappenschild.

Anmerkungen

  1. Marke im Schild, vgl. Fig./Stz./M. 14. Zur Identifizierung vgl. dasselbe Wappen und die Bauinschrift an der Kirche zu Predel (Gem. Reuden, Burgenlandkreis) in Kdm. (Zeitz) 1879, S. 26.
  2. Zur Wappenidentifizierung vgl. Anm. 1. Zu dem bei Zeitz (Burgenlandkreis) tätigen Baumeister vgl. AKL 6, 1992, S. 326 (Lit.).
  3. Vgl. Nr. 4.
  4. Vgl. Schmeißer 1923, Nr. 5, S. 19. S. a. Schmeißer 1922, Nr. 41, S. 164: „Die erste Kapelle ist erbaut im Jahre 1297.“

Nachweise

  1. HB Eisleben, Biering 3, 1724, fol. 633r.
  2. Kdm. (Mansf. Seekr.) 1895, S. 2.
  3. Schmeißer 1922, Nr. 41, S. 163.
  4. Neuß 1999, S. 325.

Zitierhinweis:
DI 64, Querfurt, Nr. 61 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di064l002k0006103.