Inschriftenkatalog: Ehemaliger Landkreis Querfurt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 64: Querfurt (2006)

Nr. 31 Schraplau, ev. Kirche (St. Johannes d. Täufer) 2. V.–6. Jz. 15. Jh. (?)

Beschreibung

Glocke, Bronze. Sie ist die kleinste des dreitönigen Geläutes im Glockenstuhl des Turmes. An der Schulter befinden sich zwischen zwei doppelten Schnurstegen ein Kruzifix-Relief und acht erhabene Rundmedaillons. Von links nach rechts reihen sich folgende Szenen aneinander: 1) zwei Personen (Dm. 2,5 cm); 2) ein Engel, die Knie in leichter Beugstellung (Dm. 2,9 cm); 3) sechsblättriges Blüten(?)-Ornament (Dm. 3,2 cm); 4) Christus, das Kreuz tragend, zwischen zwei Figuren (Dm. 4 cm);1) 5) unkenntlich (Dm. 2,5 cm); 6) drei Figuren, die mittlere mit einem langen Stab (?) (Dm. 3,5 cm);2) 7) zwei Personen (Dm. 2,5 cm); 8) ein springender Hase (Dm. 2,9 cm). Knapp unterhalb des Kruzifix zeichnet sich auf der Flanke ein einzelner Buchstabe ab, möglicherweise das Gießerzeichen. Rechts daneben sitzt ein weiteres, 5 cm großes Medaillon, in dem auf eine Figur mit erhobenen Armen eine zweite von rechts hinzutritt. Hierbei dürfte es sich um die Darstellung der Taufe Christi im Jordan handeln. Den Wolm umläuft ein Paar eng beieinanderliegender Stege.

Maße: H.: 47 cm; Dm.: 57 cm; Bu.: 4,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 64, Nr. 31 - Schraplau, ev. Kirche St. Johannes d. Täufer - 2. V.–6. Jz. 15. Jh. (?)

 SAW Leipzig, Inschriftenkommission (Ilas Bartusch) [1/2]

  1. K

Kommentar

Die sauberen, relativ hohen Ränder des Buchstaben deuten darauf hin, daß er mit Hilfe eines Wachsmodells auf die Glocke gebracht wurde. Die gewölbten Schrägbalken vereinigen sich, bevor sie auf den mit einem Halbnodus versehenen Schaft treffen. Die Schaft- und Balkenenden sind leicht gespalten, wobei sich jeweils beide Teilstücke in tropfenförmige Sporen verwandeln. Eine lilienähnliche Bekrönung verbindet Schaft und oberen Schrägbalken.

Zwei der Medaillons lassen sich ebenfalls auf der mittleren Glocke in Oetzsch (Gem. Mügeln, Lkr. Torgau-Oschatz) nachweisen, die im Jahre 1459 gegossen wurde.3) Auch die Zierform der Halbnodi an der Gotischen Majuskel ist noch 1450 auf einer Glocke in Leutra (Gem. Bucha, Saale-HolzlandKreis) belegt.4) Insofern dürfte als Entstehungszeit die Mitte des 15. Jahrhunderts anzunehmen sein.

Anmerkungen

  1. Vgl. dasselbe Medaillon auf der Oetzscher Glocke (Gem. Mügeln, Lkr. Torgau-Oschatz; 1459) in Kdm. (Merseburg) 1883, S. 208 (Abb. 201). Danach scheint die rechte Figur beim Tragen des Kreuzes behilflich zu sein, also Simon von Cyrene darzustellen.
  2. Dasselbe Medaillon auf der Oetzscher Glocke, vgl. wie Anm. 1, S. 208 (Abb. 200). Hier wird die Szene vorsichtig als Taufe Christi interpretiert. Zutreffender scheint eine Geißelung.
  3. Vgl. Anm. 1 u. 2.
  4. Vgl. DI 39 (Lkr. Jena) 1995, Nr. 44 (Abb. 24). Gießer dieser Glocke war Hermann Herlin.

Zitierhinweis:
DI 64, Querfurt, Nr. 31 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di064l002k0003105.