Inschriftenkatalog: Ehemaliger Landkreis Querfurt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 64: Querfurt (2006)

Nr. 22† Obhausen, ev. Kirche (St. Johannes) 1. D. 14. Jh. (?)

Beschreibung

Glocke. Sie wurde als größte des Geläutes im Jahre 1716 durch einen Guß von Martin Heintze in Leipzig ersetzt.1)

Inschrift nach Abzeichnung in PfA Leimbach, Chronik.

Schriftart(en): Gotische Majuskel (?).

DI 64, Nr. 22 - Obhausen, ev. Kirche St. Johannes - 1. D. 14. Jh. (?)

 Orig.: PfA Leimbach [1/1]

  1. A · I · AXa) · +b) · Cc) · I · +d) · [.]e) ·

Kommentar

Die Buchstaben sind nur teilweise konturiert wiedergegeben. Das A hat einen beiderseits überstehenden Deck- und einen gebrochenen Mittelbalken. Die freien Enden der geschwungenen Schrägschäfte wurden hakenförmig nach außen umgebogen. Das hier als I transkribierte Zeichen flankieren zwei senkrecht verlaufende Wellenlinien, in deren mittleren Ausbuchtungen je drei Punkte sitzen. Eine Interpretation dieses Buchstabens als Ѡ ist nicht auszuschließen. Die Worttrenner sind in Form von Zickzacklinien gestaltet, die senkrecht von der Ober- zur Grundlinie verlaufen. Diese Besonderheit läßt sich auch auf anderen Glocken der Region nachweisen.2) Schubart ordnet alle anhaltinischen Belege anhand der zugehörigen Buchstabenformen sowie deren technischer Ausführung in das 12. bzw. 13. Jahrhundert ein und weist sie einem Meister zu.3) Allerdings tragen die Glocken aus dem Schloß Coswig und aus der St.-Stephanus-Kirche in Aschersleben je ein mit der Jahreszahl 1330 bzw. 1331 versehenes Medaillon.4) Wertet man die geometrische Verzierung als Indiz für die Herkunft aus ein und derselben Gießhütte, so wird man sich hinsichtlich der Zeitstellung eher an den datierten Glocken orientieren müssen. Es ist aber durchaus denkbar, daß eine solche Zickzacklinie allgemein als apotropäisches Zeichen verstanden und von verschiedenen Meistern aufgegriffen wurde. Die Datierung kann deshalb nur vorläufig gelten, zumal sich auch die Zeichenfolge gegenwärtig nicht zweifelsfrei interpretieren läßt.5)

Textkritischer Apparat

  1. X] Transkription unsicher. Zwei selbständige, gegeneinandergekehrte Bögen, in deren Mitte je ein Zierpunkt sitzt. Möglicherweise ein Ѡ.
  2. Griechisches Kreuz, konturiert.
  3. C] Rund und konturiert.
  4. Griechisches Kreuz, die Schäfte ausgemalt.
  5. Buchstabe durch Buchbindung zur Hälfte verdeckt, besteht aus einem c-ähnlichen, konturierten Bogen und einem senkrechten, geschwungenen Schaft, der die Oberlinie durchbricht. Vielleicht ein unziales A?

Anmerkungen

  1. Vgl. Kdm. (Querfurt) 1909, S. 180.
  2. Diese Form, vgl. Otte 1884, S. 120f., Taf. II Nr. 26, ziert bzw. zierte ebenfalls Glocken in Asendorf, vgl. Nr. 20 Anm. c, Schraplau, vgl. Nr. 23, in Coswig (Lkr. Anhalt Zerbst), Drohndorf (Lkr. Aschersleben-Staßfurt), Sandersleben (Lkr. Mansfelder Land), vgl. Schubart 1896, S. 177, 201, 444, in Aschersleben (St.-Stephanus-Kirche), vgl. Kdm. (Aschersleben) 1904, S. 62, in Piscaborn, Wippra (Lkr. Mansfelder Land), vgl. Kdm. (Mansf. Gebirgskr.) 1893, S. 185, 232f., in Gnölbzig (Stadt Alsleben, Lkr. Bernburg) und Rollsdorf (Gem. Seeburg, Lkr. Mansfelder Land), vgl. Kdm. (Mansf. Seekr.) 1895, S. 241, 339.
  3. Vgl. Schubart 1896, S. 201f. Sämtliche Inschriften waren in Gotischer oder Romanischer Majuskel und teilweise in Kontur in den Mantel geritzt worden.
  4. Vgl. Schubart 1896, S. 177; Kdm. (Aschersleben) 1904, S. 62.
  5. Vgl. zu Kryptogrammen und Alphabetinschriften auf Glocken Poettgen 2003/2004, S. 53–64; ders. 1997/98, S. 81–98 b; DI 39 (Lkr. Jena) 1995, S. XXXIX–XLII; Köster 1979, S. 371–421 (Lit.).

Nachweise

  1. PfA Leimbach, Chronik 1714/17, S. 72.

Zitierhinweis:
DI 64, Querfurt, Nr. 22† (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di064l002k0002206.