Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 224 St. Lambertus, Schatzkammer 17. Jh.?

Beschreibung

Ostensorium in Turmform für Reliquien des hl. Apollinaris. Silber, vergoldet, getrieben, graviert, punziert. Über Stehrand und ornamentierter Zarge ist der sechspassige Fuß1) mit geraden Zwickeln mit gravierten Rankenornamenten geschmückt. Über der durchbrochenen Schaftgalerie mit Zinnenkranz und Schindeln ein sechsseitiger Schaft mit breitem, runden Nodus. Auf dem Nodusring ist, unterbrochen durch vier rosettenbesetzte Rotuli, auf einem Silberband die Reliquienbezeichnung, begrenzt von einfachen Linien, graviert. Über einem sechseckigen Trichter erhebt sich auf rundem Sockel das Schaugefäß, das von einer später vereinfachten Strebepfeilerarchitektur flankiert wird. Über dem Schaugefäß eine flache Kuppel, die von einem zweigeschossigen, übereck gestellten Turm bekrönt wird.

Maße: H. 41,5 cm; Dm. 14 cm (Fuß); Bu. 0,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 224 - St. Lambertus, Schatzkammer - 17. Jh.?

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Gerda Hellmer) [1/3]

  1. RELIQULAEa) // S(ANCTI)b) APOLLINARISc) // MARTYR(IS)b) etd) // EPISC(OPI)e) RAV(ENNATIS)f)

Übersetzung:

Reliquien des heiligen Apollinaris, des Märtyrers und Bischofs von Ravenna.

Kommentar

Das Reliquiar, dessen Oberteil sicher später verändert wurde, wird in den Anfang bzw. das erste Viertel des 15. Jahrhunderts datiert.2) Fritz hat für den Fuß und den Nodus Vergleichsstücke aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts angegeben.3) Mit dieser Datierung stimmt der paläographische Befund jedoch nicht überein, so dass die Inschrift nachträglich auf dem Nodusring angebracht worden ist. Bei der insgesamt nicht sehr sorgfältigen Ausführung der Inschrift diente die Aufschrift auf der Authentik eindeutig als Vorlage, denn die Inschrift übernimmt deren Buchstabenbestand und die Schreibweise der einzelnen Buchstaben. Dies wird besonders deutlich in dem eingerollten Q und dem zu L verschriebenen zweiten I in RELIQULAE, das auf die Verschmelzung der Sporen von I und A auf der Authentik zurückgeht. Besonderheiten wie eingerolltes Q, I mit Punkt und rundes U erlauben daher keine enge Datierung. Eine Entstehung noch in der Zeit vor 1653 erscheint möglich.

Zur Übertragung der Apollinarisreliquien an St. Lambertus im Jahr 1383 sowie zur Verehrung des Heiligen in Düsseldorf vgl. Nr. 191. Der Besitz der Apollinarisreliquien sowie eine ältere, heute verlorene Monstranz sind bereits in einem Verzeichnis von 1397 aufgeführt;4) Belege für ihren Besitz sowie den Umgang mit ihnen (Entnahme einzelner Teile und/oder Übertragung an einen anderen Ort) finden sich zahlreich in den Quellen zu St. Lambertus.5)

Textkritischer Apparat

  1. Sic! RELIQUIAE Clemen, Kat. Wallfahrten am Niederrhein, Kat. Frommer Reichtum, Kampmann; Reliquiae PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 480, ohne Paginierung.
  2. Kürzung durch Punkt auf der Grundlinie.
  3. Punkt über den beiden I.
  4. Fehlt Clemen, Kat. Wallfahrten am Niederrhein.
  5. Kürzung durch Punkt auf der Grundlinie, Punkt über dem I.
  6. Kürzungszeichen fehlt.

Anmerkungen

  1. Unter dem Fuß neuzeitliche Inventarnummern: a) Gravierte römische I, die aus einer Inventarisierung des Jahres 1909 stammt, bei der der Goldschmied Beumers sowohl die Reliquien selbst als auch die Reliquiare mit römischen Zahlen versah. Vgl. dazu das entsprechende Protokoll vom 10. November 1909 in PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 479, ohne Paginierung; in der Liste der Reliquiare ist das Apollinarisreliquiar als Nummer I angegeben. b) Auf einem aufgeklebten Zettel in Schwarz 30/32.
  2. Anfang 15. Jh.: Schnitzler, Kirchenschatz, S. 180; Fritz, Gestochene Bilder, S. 562, Nr. 839; Kat. Wallfahrten am Niederrhein, S. 48, Nr. 274d. 1. Viertel 15. Jh.: Kat. Frommer Reichtum, S. 258f., Nr. 14; Richartz, Kirchenschatz (1989), Inv. Nr. 9,8; Kampmann, Kunstdenkmälerverzeichnis St. Lambertus, S. 52. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 46, Nr. 6 datiert: „aus dem 15. Jh.“.
  3. Für den Fuß Fritz, Goldschmiedekunst, S. 250, Nr. 450 (Hostienmonstranz aus Aschaffenburg); für den Nodus ebd., S. 265, Nr. 542 (Hostienmonstranz aus Posen); auch hier ist der Nodus überarbeitet.
  4. LAV NRW R, Stift Düsseldorf, Rep. u. Hss. 4, foll. 6r, 9v.
  5. Vgl. z. B. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 11r (vgl. dazu auch LAV NRW R, Hss. N I 6 Nr. V 1b, fol. 8r u. Bayerle, Kirchen, S. 10); Höroldt, Inventar St. Lambertus, Nrn. 73, 165, 176, 286a, 467f., 470, 473; PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Hss. 13, foll. 2r, LXVIIIv–LXIXv u. 125r.

Nachweise

  1. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 480, ohne Paginierung, vom 14. Juli 1809.
  2. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 46, Nr. 6.
  3. Kat. Wallfahrten am Niederrhein, S. 48, Nr. 274d.
  4. Kat. Frommer Reichtum, S. 258f., Nr. 14 (S[onja] Schü[rmann]).
  5. Kampmann, Kunstdenkmälerverzeichnis St. Lambertus, S. 52.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 224 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0022403.