Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 205 St. Andreas, Schatzkammer 1. H. 17. Jh.

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet; getrieben, graviert, punziert. Auf dem achtpassigen Fuß mit Stehrand und ornamentierter Zarge in einem der Pässe ein Nomen sacrum in Form eines Jesusmonogramms (A), im gegenüberliegenden Pass ein zweites Nomen sacrum in Form eines Marienmonogramms (B), in zwei weiteren sich gegenüberliegenden Pässen das Agnus Dei sowie ein Kreuz mit Arma Christi, alle Darstellungen in einem ovalen Blattkranz. Zwischen diesen vier Pässen jeweils ein Pass mit geflügelten Engelsköpfen unter Baldachinen. In allen Pässen sind die Darstellungen getrieben, der Hintergrund punziert. Über dem achtkantigen Schaft auf dem wulstigen Nodus in Zungen z. T. nicht eindeutig erkennbare Darstellungen der Arma Christi.1) Glatte Kuppa mit einem Korb, der mit geflügelten Engelsköpfen zwischen Schweifwerk dekoriert ist. Am Fuß unterhalb der Pässe mit den Monogrammen sind ein Düsseldorfer Beschauzeichen2) und das Zeichen des Düsseldorfer Meisters mit Schlange3) eingeschlagen.

Maße: H. 21 cm; Dm. 13,8 cm (Fuß); Bu. 0,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 205 - St. Andreas, Schatzkammer - 1. H. 17. Jh.

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Gerda Hellmer) [1/3]

  1. A

    IHSa)4)

  2. B

    MAR(IA)b)

Kommentar

Der Mittelbalken des H in Inschrift A ist an der Stelle, an der der Längsbalken des Kreuzes ansetzt, leicht nach oben gebrochen. In B berühren sich die Sporen an den unteren Schaftenden. Die Sporen in A sind ausgeprägter gestaltet.

Die Entstehung des Kelches wird übereinstimmend auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert;5) er gilt als das einzige Werk des Meisters mit Schlange,6) obwohl Heppe 1988 auf einen Becher aus dem Jahr 1639 mit Nimwegener Beschauzeichen und nur leicht abweichendem Meisterzeichen sowie einer Hausmarke mit AH hingewiesen hat, den er diesem Meister zuweist.7) Heppe vermutet, dass der Düsseldorfer Meister nach Nimwegen „umgesiedelt sein dürfte“ und hält den Nimwegener Goldschmied für „vermutlich identisch“ mit dem Düsseldorfer.8) Sollte dies zutreffen, wäre der Kelch vor 1639 entstanden.

Der Kelch gilt als Beispiel für das Fortleben gotischer Formen in der Goldschmiedekunst.9) Die Dekoration des Fußes und des Korbes sind jedoch typisch für seine Entstehungszeit.10)

Textkritischer Apparat

  1. Befund: Über dem Balken des H ein Kreuz; unter dem IHS ein Herz mit drei Nägeln.
  2. Befund: Darüber als Kürzungszeichen ein waagerechter Strich mit Ausbuchtung nach oben, darunter ein Herz, das von einem Schwert durchstoßen wird.

Anmerkungen

  1. Zu den Arma Christi vgl. Art. Arma Christi, in: LCI 1, Sp. 183–187. Gut zu erkennen sind z. B. das Totenhemd, das Grab Christi, Geißeln und die Kanne für die Handwaschung des Pilatus.
  2. Scheffler, Goldschmiede I, S. 150, Nr. 273; Clasen, Silbermarken, S. 134, Nr. 447.
  3. Scheffler, Goldschmiede I, S. 187, Nr. 162 mit Meisterzeichen Nr. 331; Clasen, Silbermarken, S. 153, Nr. 598; Heppe, Goldschmiedekunst, S. 184, Nr. 13/1 mit knappen biographischen Angaben.
  4. Zu den unterschiedlichen Möglichkeiten, dieses Monogramm aufzulösen, s. Kap. 1 der Einleitung.
  5. Vgl. die zur Überlieferung der Inschrift angegebenen Einzelnachweise. Lediglich Clemen, KDM Düsseldorf, S. 31, Nr. 21, gibt „aus dem 17. Jh.“ an.
  6. Kat. 400 Jahre Gold- und Silberschmiedekunst, S. 11, Nr. 5; Kat. Frommer Reichtum, S. 270, Nr. 46 (S[onja] Schü[rmann]); Kat. Düsseldorfer Goldschmiedekunst, S. 138, Nr. 3; Kat. Erster Pfalzgraf, S. 107, Nr. 90.
  7. Heppe, Goldschmiedekunst, S. 184, Nr. 13/2.
  8. Ebd., zu Nr. 13. Die bei Clasen, Silbermarken, S. 134, Nr. 447, mit 1659 angegebene Datierung des Beschauzeichens auf dem Kelch steht dazu im Widerspruch, ist allerdings auch nicht ganz in Einklang zu bringen mit seinen Angaben zu dem Kelch (ebd., S. 153, Nr. 598a), den er – in Übereinstimmung mit den Angaben in anderen Katalogen – auf die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert.
  9. So z. B. im Kat. Düsseldorfer Goldschmiedekunst, S. 138, Nr. 3, oder zuletzt Kat. St. Andreas, S. 130 [Sonja Schürmann]. Vgl. dazu auch Braun, Altargerät, S. 128f., zu den „gotisierenden“ Kelchen aus Renaissance und Barock.
  10. Kat. Rheinische Goldschmiedekunst, S. 170, Nr. 155; Kat. Frommer Reichtum, S. 270, Nr. 46 (S[onja] Schü[rmann]); Kat. St. Andreas, S. 130 [dies.].

Nachweise

  1. Clemen, KDM Düsseldorf, S. 31, Nr. 21.
  2. Kat. Rheinische Goldschmiedekunst, S. 170, Nr. 155 [Carl-Wilhelm Clasen].
  3. Kat. 400 Jahre Gold- und Silberschmiedekunst, S. 11, Nr. 5.
  4. Kat. Frommer Reichtum, S. 270, Nr. 46 (S[onja] Schü[rmann]).
  5. Kat. Düsseldorfer Goldschmiedekunst, S. 138, Nr. 3.
  6. Heppe, Goldschmiedekunst, S. 184, Nr. 13/1.
  7. Kat. Erster Pfalzgraf, S. 107, Nr. 90.
  8. Kat. St. Andreas, S. 130 [Sonja Schürmann].
  9. Alle Nachweise jeweils nur mit der Erwähnung der Monogramme.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 205 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0020507.