Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 196 Kalkum, St. Lambertus 1647

Beschreibung

Gemälde. Ein Gnadenbild nach dem Kevelaerer Gnadenbild mit der Darstellung der Luxemburger Gottesmutter; Holz, Öl(?). Im Mittelpunkt die Gottesmutter als Himmelskönigin mit einem weit ausgestellten, steif abstehenden spanischen Mantel mit Sternenmuster, darunter ebenfalls steif stehende barocke Gewänder mit Borten und mehrstufigem breiten Kragen; das Kind auf ihrem linken Arm trägt ein tailliertes helles Kleidchen. Die Gottesmutter mit sehr langem offenen Haar ist geschmückt mit einer Halskette und einer mit Sternen besetzten Krone, in der Rechten hält sie ein Zepter; das Kind trägt, mit der rechten Hand segnend und in der linken die Weltkugel haltend, eine Bügelkrone. Mutter und Kind sind verbunden durch eine lange Kette mit einem Anhänger, die von der rechten Schulter Mariens nach vorne herabhängt und dann über den linken Arm des Kindes verläuft. Zu ihren Füßen eine Rollwerkkartusche mit der Anrufung der Gottesmutter und der Jahresangabe. Im Hintergrund auf der linken Seite eine Ansicht der Kevelaerer Pfarrkirche St. Antonius (?), auf der rechten Seite die 1645 vollendete Wallfahrtskirche in Kevelaer. 1947 mit zusätzlichem Rahmen aus Schmiedeeisen versehen, 1983 restauriert.1)

Maße: H. 44 cm bzw. 56 cm (mit Rahmen); B. 32 cm bzw. 44,5 cm (mit Rahmen); Bu. 0,8–0,9 cm (1. u. 2. Zeile), 0,5 cm (3. Zeile).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 196 - Kalkum, St. Lambertus - 1647

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Gerda Hellmer) [1/1]

  1. CONSOLATRIX AFFLICTORVM / ORA PRO NOBIS2) / ANNO 1647

Übersetzung:

Trösterin der Betrübten, bitte für uns. Im Jahr 1647.

Kommentar

Die erste Zeile ist linksbündig gestaltet, der verbliebene Platz wird durch ein Rankenornament gefüllt; in den beiden weiteren Zeilen steht der Text zentriert und ist zu beiden Seiten von einem Rankenornament eingefasst. In der Anrufung sind die Anfangsbuchstaben jeweils um ca. 0,4 cm höher ausgeführt worden als die Gemeinen.

Bei dem in Kevelaer verehrten Gnadenbild, einem Andachtsbildchen, handelt es sich um einen 1640 entstandenen Antwerpener Kupferstich mit einer frühen Darstellung der Gottesmutter von Luxemburg.3) Die Gottesmutter ist hier im Bildtypus der Immaculata nach Apc 12,1 dargestellt. Das Bild wurde nach den Visionen des Heinrich Buschmann um Weihnachten 1641 und der seiner Frau kurz vor Pfingsten 1642 in dem von Buschmann in Kevelaer daraufhin errichteten Heiligenhäuschen am 1. Juni 1642 aufgestellt und rasch intensiv verehrt. Bereits 1643 wurde der Bau einer 1645 fertig gestellten Wallfahrtskapelle begonnen;4) am 11. Februar 1647 erfolgte auf der Synode von Venlo die endgültige kirchliche Anerkennung der neuen Wallfahrt und des Gnadenortes.5) Schon kurze Zeit nach dem Bau der Kapelle wurden die auf dem Kevelaerer Gnadenbild im Hintergrund abgebildete Topographie von Luxemburg und die Inschrift abgeändert und durch Kevelaerer Gebäude und Bezeichnungen ersetzt. Die dazu von Bergmann angeführten Beispiele aus den Jahren 1649 und 16526) können durch die früheren Zeugnisse des sogenannten Hülser Altares, eines Altarbildes von 1645 aus der ehemaligen Konventskirche in (Krefeld-)Hüls7), sowie das Bild aus Kalkum ergänzt werden. Auf dem Bild aus Hüls sind im Hintergrund links die alte Pfarrkirche St. Antonius, rechts die erste Wallfahrtskapelle sowie das erste Heiligenhäuschen dargestellt, während das Kalkumer Bild im Hintergrund vermutlich ebenfalls die Antoniuskirche, allerdings in abgewandelter Form, und rechts lediglich die Kapelle ohne Heiligenhäuschen zeigt. Bereits die Gottesmutter von Luxemburg wurde als „Consolatrix afflictorum“ angerufen. Es ist allerdings nicht zweifelsfrei zu klären, ob die Anrufung auf die Lauretanische Litanei zurückgeht oder ohne Kenntnis der Litanei aus der historischen Situation zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden ist.8) Belege für die Wallfahrt von Kalkum nach Kevelaer liegen erst aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts vor,9) schließen jedoch schon deutlich frühere Wallfahrten nicht zwingend aus.

Anmerkungen

  1. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Kalkum, Nr. 541, ohne Paginierung: Die Malerei wurde gereinigt, Fehlstellen retuschiert und der Firnisüberzug erneuert; außerdem wurden der Rahmen gereinigt und das Bild diebstahlsicher angebracht sowie eine Makrolonscheibe montiert.
  2. Aus den Anrufungen der Gottesmutter in der Lauretanischen Litanei: Rituale Romanum, S. 577.
  3. Bergmann, Ikonographie, S. 348; Robert Plötz, Art. Kevelaer, in: LThK 5, Sp. 1421.
  4. Vgl. zur Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt nach Kevelaer die beiden im Jubiläumsjahr 1992 erschienenen Bände von Schulte Staade, 350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt, sowie die Kleine Geschichte der Kevelaer-Wallfahrt, hg. von Peter Dohms, Kevelaer 2008, außerdem die Zusammenfassungen im Kat. Wallfahrten am Niederrhein, S. 102, u. im Kat. Kevelaer. 350 Jahre Wallfahrt ohne Grenzen, S. 24f. Mit dem Blick auf die Wallfahrten von Düsseldorf auch Brzosa, Geschichte, S. 605–611.
  5. Protokoll der Synodalversammlung zu Venlo im Jahre 1647, in: Schulte Staade, 350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt, Bd. 1, S. XVII–XX.
  6. Bergmann, Ikonographie, S. 351.
  7. Kat. Kevelaer. 350 Jahre Wallfahrt ohne Grenzen, S. 29. Abgebildet auch bei Peter Dohms, Die Geschichte der Wallfahrt zu Kevelaer, in: Schulte Staade, 350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt, Bd. 1, S. 226–274, 233.
  8. Vgl. dazu Jean Hengen, „Maria – Trösterin der Betrübten“, in: Schulte Staade, 350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt, Bd. 1, S. 75–83; Robert Plötz, Die Ursprünge der Wallfahrt zur „Consolatrix Afflictorum“ in Kevelaer, in: ebd., S. 206–225, 214f.
  9. Schulte Staade, 350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt, Bd. 2, S. 69, mit Erwähnung des Kalkumer Gnadenbildes. Zu deutlich älteren Belegen für Düsseldorf vgl. Brzosa, Geschichte, S. 608f.

Nachweise

  1. Becker, 1100 Jahre Kalkum, S. 100 (nur Jahreszahl).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 196 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0019606.