Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 171 Stadtmuseum 1639

Beschreibung

Fensterbierscheibe. Glasmalerei, in Blei gefasst; an mehreren Stellen Verlust von Farbe. 1888 im Besitz des Amtsrichters Strauven aus Neuss;1) seit 1914 durch private Schenkung im Stadtmuseum Düsseldorf.2) Die Scheibe wurde im 19. Jahrhundert dahingehend verändert, dass ein ursprünglicher Mittelteil entfernt und die obere und untere Hälfte in der vorliegenden Form zusammengefügt wurden. Im oberen Teil ist in einem oben geschweiften Rahmen vor einem Sockel ein geschweifter, gespaltener Schild mit den Wappen der in der Inschrift genannten Eheleute zwischen Früchten, Blättern und mit Blüten bekrönten Schweifkörpern ausgeführt, darüber ein geflügelter Engelskopf; im unteren Teil in nach unten geschweiftem Rahmen der dreizeilige, in Schwarzlotmalerei ausgeführte Schenkungsvermerk, links und rechts ebenfalls mit Blüten bekrönte Schweifkörper, darunter ein zweiter geflügelter Engelskopf.

Maße: H. 24,5 cm; B. 19 cm; Bu. 0,7 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 89, Nr. 171 - Stadtmuseum - 1639

 Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (Stefan Arendt, LVR - Zentrum für Medien und Bildung) [1/1]

  1. Jurgena) Frick Burgera) Inn / Dusseldorpff Vnd Annab) / Vliet Eheleudta) 1639

Wappen:
Frick/Vliedt3)

Kommentar

Die Schrift weist die typischen Formen der Fraktur auf. Die Bögen und Hasten der Versalien sind in Schwellzüge aufgelöst, bei dem Namen des Mannes auch mit Zierlinien geschmückt. Fensterbierscheiben wurden im niederdeutschen Raum vom 16. bis in das 19. Jahrhundert anlässlich des Richtfestes für ein Haus und zu Hochzeiten von den Nachbarn oder Freunden geschenkt, die als Dank das sogenannte Fensterbier erhielten. In der Regel waren am untern Rand der oder die Namen der Geber und ein Datum angegeben.4) Die Scheibe war also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in das Haus der Eheleute Frick, sondern ein hier nicht bezeichnetes Haus von Nachbarn oder Freunden eingelassen. Nicht überliefert ist das Aussehen des ursprünglichen Mittelteils.5)

Georg (= Jürgen) Frick besaß 1632 ein Haus in der Marktstraße und zahlte den hohen Betrag von 18 Reichstalern.6) Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Anna Vliedt7) heiratete er am 3. Juli 1645 Wendelina Micken.8) In seinem nicht datierten Testament stiftete er in der Kollegiatkirche zu Düsseldorf für sich und seine erste Ehefrau eine von vier Priestern zu haltende Seelenmesse. Seine Erben hatten dafür jährlich fünf Reichstaler zu zahlen; als Sicherheit wurde sein von seiner zweiten Ehefrau auf Lebenszeit bewohntes Haus „Zum Hirsch“ gesetzt. Bei Nichterfüllung der Bestimmungen sollte die Rente an die Hausarmen zu Düsseldorf fallen.9)

Textkritischer Apparat

  1. Diakritisches Zeichen über u.
  2. Der obere Abschluss des Schaftes beim Endbuchstaben ist unsauber ausgeführt.

Anmerkungen

  1. Kat. Ausstellung 1888, S. 92, Nr. 1076.
  2. Inv.-Nr. K 105, ZV 4263.
  3. Schild gespalten: Vorn in Grün drei (2:1) weiße Rauten, hinten in Rot drei (2:1) schwarze Hörner.
  4. Elisabeth von Witzleben, Bemalte Glasscheiben. Volkstümliches Leben auf Kabinett- und Bierscheiben, München 1977, S. 55–66, zur Angabe des Schenkungsvermerks ebd., S. 57; vgl. auch Lexikon der Kunst 2, S. 484; Kat. Erster Pfalzgraf, S. 88f., Nr. 61; zahlreiche Fensterbierscheiben z. B. in DI 58 (Hildesheim).
  5. In Kat. Erster Pfalzgraf, S. 88f., Nr. 61, wird vermutet, dass sich dort „eine Darstellung mit einem Heiligen oder eine Genreszene“ befand.
  6. Ferber, Landsteuerbuch, S. 24.
  7. Strahl, Trauregister, Bd. 5, S. 289, wird ihre gemeinsame Tochter Adriana genannt.
  8. Ebd., S. 289f.
  9. Höroldt, Inventar St. Lambertus, Nr. 139.

Nachweise

  1. Kat. Ausstellung 1888, S. 92, Nr. 1076.
  2. Kat. Erster Pfalzgraf, S. 88f., Nr. 61.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 171 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0017108.