Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 166 Stadtmuseum 1637

Beschreibung

Becher. Silber, getrieben, graviert; angekauft 1936 aus dem Kölner Kunsthandel. Der Becher ist Eigentum des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Landeshauptstadt Düsseldorf und im Stadtmuseum Teil der Dauerausstellung.1) Der glattwandige, leicht konische Becher ohne Fuß hat einen leicht geschweiften Lippenrand, unter dem die Inschrift – eine Widmung oder ein Besitzvermerk – um annähernd die Hälfte des Bechers zwischen einfachen Linien verläuft. An diesem Band befinden sich vier Gehänge aus zwei in einer Blüte zusammengefassten Schweifwerkkörpern mit angehängter Knospe. Auf dem Boden des Bechers sind ein Düsseldorfer Beschauzeichen2) und das Meisterzeichen des Meisters mit Sparren und drei Kreisen3) eingeschlagen.

Maße: H. 7,7 cm; Dm. 6,4 cm (Lippenrand); Bu. 0,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 166 - Stadtmuseum - 1637

 Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (Stefan Arendt, LVR - Zentrum für Medien und Bildung) [1/1]

  1. · S · ELISABETH · //a) · ERPRADT · 1637 ·

Kommentar

Als Worttrenner werden Punkte auf der Zeilenmitte verwendet. Ungewöhnlich ist das Zeichen zwischen dem Vor- und Zunamen der E. Erpradt, das vermutlich einen Schlüssel darstellt. Nicht geklärt werden konnnte die Bedeutung des S vor dem Namen, zumal auch die Sprache – lateinisch oder deutsch – nicht eindeutig zu bestimmen ist.4)

In Form und Dekor vertritt der Becher einen charakteristischen Bechertyp aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Vergleichbare Stücke finden sich in Köln und Aachen.5) Nach Heppe besteht zwischen den profanen Trinkgefäßen und den reformierten Abendmahlsbechern aus dieser Zeit, abgesehen von der Verwendung, „kein grundsätzlicher Unterschied“6). So verwundert es nicht, dass neben diesem Becher als zweites Werk des Meisters mit Sparren und drei Kreisen in Düsseldorf ein Abendmahlsbecher aus der Neanderkirche erhalten ist.7)

Die Familie Erpradt lässt sich in Düsseldorf im 17. Jahrhundert mehrfach nachweisen.8) Wahrscheinlich handelt es sich bei der Besitzerin dieses Bechers um Elisabeth Erpradt, Tochter des Adolf Erpradt,9) die am 12. Januar 1627 Johann Alaker geheiratet und 1637 als 6. und 7. Kind aus dieser Ehe Zwillinge zur Welt gebracht hat.10) Ihr Mann ist 1632 als Anwohner der Altestadt verzeichnet.11) Der Becher ist möglicherweise als Erinnerungsgabe aus Anlass der Geburt angefertigt worden.12)

Textkritischer Apparat

  1. Zwischen den Punkten ein hochgestellter Schlüssel (?).

Anmerkungen

  1. Inv.-Nr. S 1045, Zg.-Nr. 6427.
  2. Clasen, Silbermarken, S. 134, Nr. 439. Das bei Scheffler, Goldschmiede I, S. 187, Nr. 164a zu diesem Becher angegebene Beschauzeichen ebd., S. 150, Nr. 270a u. II, S. 1116, Nr. 270a ist nicht mit dem vorliegenden identisch.
  3. Clasen, Silbermarken, S. 159, Nr. 609a; Scheffler, Goldschmiede I, S. 187, Nr. 164a, Mz 333.
  4. Vielleicht ist es zu S(OROR) aufzulösen?
  5. Heppe, Beiderley Gestalt, S. 14; Bemmann, Tafelsilber, S. 99 u. die Abb. 74 u. 76.
  6. Heppe, Beiderley Gestalt, S. 13.
  7. Zu diesem Abendmahlsbecher z. B. Kat. Frommer Reichtum, S. 271, Nr. 47 (K[arl] B[ernd] H[eppe]); Kat. Erster Pfalzgraf, S. 102, Nr. 80.
  8. Z. B. 1629 „Heinrich Erpraidt gen. Olichschleger“ (Höroldt, Inventar St. Lambertus, Nr 116); 1632 „Peter Erp­radt“ als Anwohner der Straße Altestadt (Ferber, Landsteuerbuch, S. 8). Vgl. zu Mitgliedern der Familie auch Strahl, Trauregister, Bd. 5, S. 244f.
  9. Der 1632 belegte gleichnamige Besitzer des Hauses „Im Reifen“ (1632 Marktplatz/Bolkerstr., heute Burgplatz 7; der Beleg bei Ferber, Landsteuerbuch, S. 20) ist wohl nicht ihr Vater (so fälschlich Kat. Erster Pfalzgraf, S. 90, Nr. 65), sondern wahrscheinlich ihr Bruder. Ihr Vater könnte der vor 1631 verstorbene „Adolf Erprat“ sein, dessen Witwe am 2. Juli 1631 erneut heiratete (Strahl, Trauregister, Bd. 5, S. 244).
  10. Strahl, Trauregister, Bd. 5, S. 4.
  11. Ferber, Landsteuerbuch, S. 6.
  12. Gegen die Möglichkeit, dass es sich um ein Patengeschenk handeln könnte (so Kat. Erster Pfalzgraf, S. 90, Nr. 65), sprechen die Inschrift, die die Mutter nennt, und der Dekor des Bechers. Die von Bemmann erwähnten Becher, die möglicherweise Patengeschenke zur Taufe waren, zeigen Tugenden- oder Heiligendarstellungen. Vgl. dazu Bemmann, Tafelsilber, S. 99.

Nachweise

  1. Kat. 400 Jahre Gold- und Silberschmiedekunst, S. 12, Nr. 8.
  2. Kat. Düsseldorfer Goldschmiedekunst, S. 139, Nr. 9.
  3. Heppe, Goldschmiedekunst, S. 185, Nr. 17,1.
  4. Bemmann, Tafelsilber, S. 228, Nr. 114.
  5. Kat. Erster Pfalzgraf, S. 90, Nr. 65.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 166 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0016601.