Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 159 Kaiserswerth, St. Suitbertus, Stiftsplatz 1635

Beschreibung

Grabplatte für Robert Winckels und seinen Sohn; Muschelkalk.1) 1958 in die westlich der Basilika nach Süden gelegene Stützmauer des Stiftsplatzes eingebaut, nachdem sie im Jahr zuvor bei der Verlegung eines Telefonkabels auf dem Stiftsplatz, der früher als Begräbnisstätte diente, in ca. 0,50 m Tiefe gefunden worden war.2) Die beiden unteren Ecken sind leicht beschädigt.3) Der Sterbevermerk mit Fürbitte (A) ist umlaufend und zur Mitte hin abgetrennt durch eine einfache Linie eingehauen; in der Mitte in einem rechteckigen Feld ein rundes Medaillon, darin in einem gespaltenen Schild zwei Hausmarken mit Initialen (B); vermutlich des R. Winckels und seiner Ehefrau. In den Ecken des Feldes links oben ein Totenschädel und ein Knochen, rechts oben eine Sanduhr mit Knochen, unten jeweils Blattwerk.

Maße: H. 190 cm; B. 98 cm; Bu. 5,9 cm (A), 7,5–8,6 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur (A), Kapitalis (B).

DI 89, Nr. 159 - Kaiserswerth, St. Suitbertus, Stiftsplatz - 1635

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Gerda Hellmer) [1/1]

  1. A

    A(nn)oa) · 1635 . de(n) 25 · (septem)brisb) / Starb der Achtpar Vnd From(m)er Robertusc) Win[ckels]d) / Burger hieselbst Sam[b.]e) / Seinen Sohn Hans Adolff · dere(n)f) S(eelen) Got g(n)ade

  2. B

    R(obertus) // W(inckels) A//G

Wappen:
Winckels4) /unbekannt5)

Kommentar

Die Worttrennung erfolgt durch Quadrangel, die entweder in Zeilenmitte, auf der Grundlinie oder knapp oberhalb der Grundlinie eingehauen sind. An den Langseiten wird die Schrift jeweils gegen Zeilenende wegen des fehlenden Platzes schmaler und gedrängt. Wohl aus diesem Grund ist das r mehrfach als Bogen-r mit geradem Bogen und unten leicht versetzt angefügter, den Bogen nicht berührender Canda ausgeführt. Die schlichten Versalien weisen große Ähnlichkeit mit den Versalien eines drei Jahre jüngeren Kaiserswerther Grabkreuzes (Nr. 168) auf. Allerdings ist hier bei dem oben offenen A-Versal aus einem S-förmig geschwungenen linken und einem nach rechts gebogenen rechten Schaft mit beidseitig überstehendem Mittelbalken das linke obere Schaftende deutlich weiter nach rechts gebogen. Bei dem H-Versal aus S-förmig gebogenem Schaft und bis unter die Grundlinie gezogenem Bogen ist hingegen hier das obere Schaftende kürzer als auf dem Kreuz von 1638. Insgesamt sind die Bögen und Schäfte stärker gebrochen als bei dem Kreuz.

Robert Winckels ist zum Jahr 1632 als Neubürger im Kaiserswerther Bürgerbuch verzeichnet.6) Bereits 1559 wird „Winckels Land“ bei Kaiserswerth genannt, 1620 ein Schöffe namens Adolf Winckels,7) der vermutlich mit dem 1612 nachweisbaren, gleichnamigen Brudermeister der Liebfrauenbruderschaft8) sowie dem gleichnamigen Bürgermeister (1621/1622), Marktmeister (1623) und Baurmeister (1624)9) identisch war. Mitglieder der Familie Winkel/Winkels/Winckels sind auch in den Kaiserswerther Trauregistern im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach belegt.10) Der Name der zweiten Hausmarke, wohl der Ehefrau Roberts, konnte nicht identifiziert werden.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch hochgestelltes o.
  2. Buchstabenbestand: 7bris mit Kürzungsstrich.
  3. Vermutlich aus Platzmangel ein Bogen-r, bei dem sich der gerade ausgeführte Bogen und die Cauda nicht berühren. Diakritisches Zeichen über u.
  4. Ergänzung nach Foto bei Maes, Chronogramme und Inschriften, S. 121; so auch StA Düsseldorf, Nr. XXIII 1161 (Frechen), Bl. 127, und Maes, Chronogramme und Inschriften, S. 124. Reste der unteren Schaft- und Bogenenden sind noch erhalten.
  5. Ergänzung nach dem Foto bei Maes, Chronogramme und Inschriften, S. 121, auf dem b sowie das untere Schaftende eines weiteren Buchstabens deutlich zu erkennen sind. SAMT StA Düsseldorf, Nr. XXIII 1161 (Frechen), Bl. 127.
  6. Vermutlich aus Platzgründen ein Bogen-r, bei dem sich der gerade ausgeführte Bogen und die Cauda nicht berühren.

Anmerkungen

  1. So auch Funken, Ars Publica, Bd. 3, S. 1219.
  2. Maes, Chronogramme und Inschriften, S. 124.
  3. Auf einem zwischen 1958 und 1981 entstandenen Foto der Platte war der Wortlaut in den beiden unteren Ecken noch nahezu vollständig lesbar. Vgl. die Abbildung ebd., S. 121 sowie die Wiedergabe des Textes ebd., S. 124.
  4. Marke Nr. 22. Vgl.auch Müller-Westphal, Wappen und Hausmarken, S. 79 u. Abb. S. 81.
  5. Marke Nr. 23.
  6. Strahl, Neubürger, S. 119.
  7. Rotthoff, Inventar St. Suitbertus, Nrn. 43 (1559) u. 47 (1620).
  8. Kelleter, UB Kaiserswerth, Nr. 660.
  9. Alle Belege bei Bone, Verzeichniss, S. 33.
  10. Strahl, Trauregister, Bd. 1,2, Teil B, S. 864. Ein Peter Winckels erwarb 1646 das Bürgerrecht und war u. a. 1655 und 1670 Gemeindemann. Dazu Strahl, Neubürger, S. 119, u. Bone, Verzeichniss, S. 42 u. 45. Vgl. zu der Familie auch die Angaben bei Müller-Westphal, Wappen und Hausmarken, S. 79.

Nachweise

  1. StA Düsseldorf, Nr. XXIII 1161, Bl. 127 (Frechen, 4. Sept. 1961).
  2. Maes, Chronogramme und Inschriften, S. 124 und S. 121 (Abb.).
  3. Müller-Westphal, Wappen und Hausmarken, S. 79.
  4. Funken, Ars Publica, Bd. 3, S. 1219.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 159 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0015900.