Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 146 Kalkum, St. Lambertus, Kirchplatz 1625

Beschreibung

Grabkreuz für Werner (Wetzel)1) Maulbaum. Sandstein; Oberfläche insbesondere in der unteren Hälfte abgerieben; der untere Rand des Längsbalkens ist abgebrochen und fehlt.2) Das Kreuz wurde in den 1980er Jahren bei der Umgestaltung des Kirchhofs gefunden und 1986 nach konservatorischer Behandlung in die Mauer zwischen Kirchplatz und Pfarrgarten zur Seite der Kirche hin eingemauert.3) Das schlichte griechische Kreuz mit kurzen, geraden Balkenenden und erhabener Randleiste zeigt am Fuß einen in Blüte stehenden Laubbaum in Flachrelief. Der Sterbevermerk ist eingehauen; in der vorletzten Zeile wird der Wortlaut durch das Baumrelief unterbrochen. Die letzten zwei Zeilen wurden, wohl aus Platzmangel, in kleineren Buchstaben ausgeführt.

Maße: H. 47 cm; B. 51 cm; Bu. 1,8–3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 146 - Kalkum, St. Lambertus, Kirchplatz - 1625

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Gerda Hellmer) [1/1]

  1. A(NN)Oa) 1625 / DEN 25 / IANVAR[I]I IST GESTOR/BEN DER ERBAR WETZEL / MAVLBAVMS […..]TEb) / ZV // ANGER/M[V]NT

Kommentar

Die Inschrift ist schwach und wenig qualitätvoll eingehauen; die einzelnen Buchstaben und Ziffern sind in ihrer Form z. T. nicht ganz einheitlich gestaltet (z. B. 5, B, T, Z und S). Im Gegensatz dazu steht die relativ sorgfältige Formung der Sporen. Auffällig ist das oben spitze zweistöckige Z mit geradem Deckbalken, kurzem Schrägschaft und nach rechts offenem Bogen im Namen. Das Z in ZV ist hingegen als kapitales einstöckiges Z ausgeführt. Insgesamt weist das Kreuz in seiner Größe und Form sowie mit der profilierten Randleiste große Ähnlichkeit mit dem allerdings sorgfältiger gearbeiteten Kreuz für Annesz Batters aus dem Jahr 1614 (Nr. 125) auf. Vermutlich stammen beide Kreuze aus einer Werkstatt.

Werner Maulbaum war als Kirchmeister in der Kalkumer Pfarrei St. Lambertus tätig, zu der bis zum Jahr 1703 auch Angermund gehörte, wo sich eine der hl. Agnes geweihte Kapelle beim dortigen Schloss befand.4) Bis 1703, als diese Kapelle zur Pfarrkirche erhoben wurde, lassen sich daher in der Pfarre Kalkum fast durchgehend zwei Kirchmeister nachweisen, einer für die Kalkumer Kirche St. Lambertus und ein zweiter, der für die Belange in Angermund und der dazugehörigen Honschaft Rahm (heute Stadtteil von Duisburg)5) zuständig war. So begegnet Werner Maulbaum 1581 als Kirchmeister der Kirche in Kalkum6) und 1606 als Kirchmeister in Angermund neben einem Johann Schultgen, der als Kirchmeister in Kalkum bezeichnet wird;7) 1609 wird er ebenfalls als zweiter Kirchmeister neben Johann Schultgen erwähnt.8) Sicher nachweisen lässt er sich in dieser Aufgabe nur für die genannten Jahre. Er hat das Amt nicht kontinuierlich zwischen 1581 und 1609 oder gar 1625, seinem Todesjahr, ausgeübt, da für die betreffende Zeit weitere Kirchmeister nachweisbar sind; genauere Daten lassen sich jedoch nicht feststellen, da die Nachrichten über die Abfolge in diesem Amt lückenhaft sind. Für 1581 ist Werner Maulbaum auch als Brudermeister, wohl der Bruderschaft Unserer Lieben Frau, nachweisbar.9)

Der Vorname des Verstorbenen begegnet in den genannten Quellen sowohl in der Form „Werner“ als auch in der auf dem Grabkreuz verwendeten Form „Wetzel“. Ebenso taucht der Nachname in unterschiedlichen Schreibweisen auf, denn neben dem auch auf dem Grabkreuz zu lesenden „Maulbaums“ findet man „Maulbaum“, „Muelboem“ und „Moelboums“.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch hochgestelltes O.
  2. Über E ein waagerechter Strich als Kürzungszeichen (?).

Anmerkungen

  1. Zu „Wetzel“ als Variante von „Werner“ vgl. Adolf Bach, Deutsche Namenkunde, Bd. I, 1–2: Die deutschen Personennamen, 2., stark erweiterte Aufl., Heidelberg 1952, S. 100, Nr. 93/2a; S. 115f., Nr. 100/3; S. 137, Nr. 121/2.
  2. Möglicherweise war der Längsbalken des Grabkreuzes nicht sehr ausgeprägt. Geht man aufgrund der großen Ähnlichkeiten in den äußeren Gestaltungsmerkmalen zwischen den Grabkreuzen für Maulbaum 1625 und für A. Batters von 1614 (vgl. Nr. 125) von der Anfertigung beider Kreuze in derselben Werkstatt aus, so wird man vermuten können, dass lediglich die untere Randleiste abgebrochen ist.
  3. Vgl. PfA St. Lambertus Kalkum, Nr. 543, ohne Paginierung: Rechnung vom 02.12.1986 (konservatorische Maßnahmen) und vom 10.11.1986 (Einmauerung); ebd., Nr. 539, ohne Paginierung: Abschrift des Protokolls (13.10.1986) zur Ortsbegehung (09.10.1986) nach Vollendung der Arbeiten zur Neugestaltung des Kirchhofs.
  4. Vgl. zur Geschichte der Angermunder Kirche bis 1703 Schmitz, Land, Bd. 2, S. 144–152.
  5. Zu den kirchlichen Verhältnissen in Rahm vgl. Günter von Roden, Geschichte der Stadt Duisburg, Bd. 2: Die Ortsteile von den Anfängen. Die Gesamtstadt seit 1905, Duisburg 1974, S. 328.
  6. Vgl. LAV NRW R, Stift Gerresheim, Akten 573 (alte Sign.: 5c), fol. 53r, und PfA St. Lambertus Kalkum, Nr. 676 (sog. Kirchenbuch), fol. 87f. Für diese und weitere Belege zu Werner Maulbaum gilt ein herzlicher Dank Herrn Hans Simons († 2014), Pfarrarchiv St. Lambertus Düsseldorf-Kalkum.
  7. Vgl. PfA St. Lambertus Kalkum, Nr. 676 (sog. Kirchenbuch), fol. 20v.
  8. Vgl. ebd., foll. 116v und 117r.
  9. Vgl. LAV NRW R, Stift Gerresheim, Akten 573 (alte Sign.: 5c), fol. 53r.

Nachweise

  1. Funken, Ars Publica, Bd. 3, S. 1305 (nicht vollständig).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 146 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0014607.