Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 132(†) St. Lambertus 1617

Beschreibung

Epitaph für Heinrich Consen. Das Epitaph war bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts stark beschädigt, es waren nur noch „Bruchstücke“1) vorhanden. 1935 wurde es unter Verwendung erheblicher Teile des schlichten barocken Rahmens und des Unterhangs aus Marmor zu einer Gedächtnistafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs umgearbeitet,2) die an der Nordwand der Kirche im ersten westlichen Joch hängt.3) Erhalten und zugänglich ist das im geschweiften Unterhang in einem eingetieften Feld eingehauene Grabgedicht mit Grabbezeugung und Totenlob (C). Die zu beiden Seiten unter Textverlust abgeschlagene Tafel mit dem sechszeiligen4) Setzungsvermerk (B) befindet sich im Totenkeller; die Buchstaben sind eingehauen und mit Goldfarbe gefüllt. Der als Chronodistichon ausgeführte Sterbevermerk (A) ist verloren.

A und die Ergänzungen in B nach HAStK, Best. 7030, Nr. 184 (Büllingen).

Maße: Fragment Schrifttafel B: H. 30 cm; B. 42 cm; Bu. 3,3 cm. Unterhang: H. 36,5 cm; B. 116,5 cm (mit Rand), 113,5 cm (ohne Rand); Bu. 1,3–1,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (B, C).

DI 89, Nr. 132 - St. Lambertus - 1617

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Sonja Hermann) [1/2]

  1. A†

    VnDenosa) ortVs properans en MartIVs orbI / portabantb) Consen regna beata tenet5)

  1. B

    [IN OBITVM] SPECTATISSIMI . A[C DOCTI VIRIc) D(OMINI) HENRIC]I CONSEN SER(ENISSI)MId) D[VCISe) IVLIAE CLIVORVM] ET MONTIV(M) . ET(C)f) R[EGISTRATORISg) ET S]ECRETARIJh) INTIMI . AB AN[NA HARDENNACHSi) VXO]REj) . EIVS . MOESTISSIM[Ak) PERPETVVM LVCTVS M]ONVMENTVM POSIT[VM]l)

  2. C

    HOCm) IACET HENRICVS CONSENIVS AGGEREn) TECTVS / CVIVS OB INTERITVM PATRIA MOESTA GEMIT /IMPIGER Ao) PVERO STVDIJSQ(VE)p) DEOQ(VE)q) VACAVIT.r) /QVI SIBI VIX HABVIT COGNITIONE PAREM /SECRETISQ(VE)s) DVCIS POST SVPPLICIBVSQ(VE)s) LIBELLIS /PRAEFVIT ET PATRIAE FIDVS ET ILLE DVCI /INDE REGISTRATOR TRES ET TRIGINTA PER ANNOS /PRINCIPIBVS SVMMAM PRAESTITIT ARTE FIDEM /LVSTRA DECEM NEC NON BIS SEPTEM FINYTt) ANNOS /SIDERA CVM VOTOu) FERVIDIOREv) SVBIT.

Übersetzung:

Elf Sonnenaufgänge brachte eilend der März dem Erdkreis, (da) erlangt Consen die seligen Reiche. (A)

Zum Ableben des vortrefflichsten und gelehrten Mannes, Herrn Heinrich Consen, Registrators und vertrautesten Sekretärs des durchlauchtigsten Herzogs von Jülich, der Klever und von Berg etc., ist durch Anna Hardenachs, seine zutiefst betrübte Ehefrau, dieses immerwährende Denkmal der Trauer6) gesetzt worden. (B)

Von diesem Grabhügel bedeckt liegt Heinrich Consen, wegen dessen Ablebens das tief betrübte Vaterland seufzt. Er hat sich eifrig von Kindheit an sowohl gelehrten Studien als auch Gott gewidmet, (er), der kaum einen gehabt hat, der ihm an Erkenntnis gleichkam, und der später den streng vertraulichen Schriftverkehr des Herzogs und die Bittgesuche verwaltet hat, (wobei jener) sowohl dem Vaterland als auch dem Herzog treu (war). Daher hat er als Registrator 33 Jahre hindurch den Fürsten mit Geschick höchste Treue erwiesen. Zehn Lustren [50 Jahre] sowie zweimal sieben Jahre vollendet er, als er mit (noch) leidenschaftlicherem Verlangen die Gestirne betritt. (C)

Datum: 11. März 1617 (A).

Versmaß: Elegische Distichen (A, C; A als Chronodistichon).

Kommentar

Die Zugehörigkeit aller drei Inschriften zu einem Epitaph belegen die Angaben der einzelnen Texte sowie die Überlieferung bei Büllingen, der sie als zusammengehörig wiedergibt. C ist sehr nachlässig ausgeführt worden. Die Buchstabenhöhe schwankt auch innerhalb einzelner Wörter, die Ausführung einzelner Buchstaben (z. B. A und M, G mal mit eingestellter Cauda, mal nicht) weicht voneinander ab; es finden sich zahlreiche Korrekturen. Die Verteilung der Zeilen über das Schriftfeld lässt vermuten, dass der Steinmetz über wenig Erfahrung verfügte, wieviel Raum für eine bestimmte Buchstabenfolge benötigt wurde. So beginnt er in Zeile 1 ganz links und mit kleineren Buchstaben, bis er schließlich ab Zeile 4 die Zeilen zentriert. Auch wirken manche Wörter gedrängt, andere eher breit, und in Zeile 10 reichte der Platz am Zeilenende nicht aus. Auffällig ist die Abkürzung für –QVE. Die Anfangsbuchstaben der Verse sind erhöht ausgeführt. Eine Beurteilung der Einzelformen wird allerdings erschwert durch die nicht sorgfältig ausgeführte Auffüllung der Buchstaben mit Goldfarbe. Die Buchstabenformen, die deutliche Ähnlichkeiten zu denen in B aufweisen (Mittelbalken des M bis zur Zeilenmitte, spitzovales O, kleiner Bogen des P, nach rechts gebogene Cauda des R), sind für die Zeit insgesamt typisch. B, in der sich an wenigen Stellen Quadrangel auf der Grundlinie als Worttrenner finden, ist allerdings deutlich sorgfältiger und mit teilweise sehr ausgeprägten Linksschrägen- und Bogenverstärkungen und Serifen gestaltet worden; die ersten Buchstaben einiger Wörter sind auch hier erhöht ausgeführt. Die Inschriften dürften von zwei Personen angefertigt worden sein.

Das Chronodistichon ergibt das Jahr 1617. Heinrich Consen, geboren 1552/1553 und verstorben am 11. März 1617, war nach Angabe von C seit 1584 einer der Sekretäre und Registratoren der Herzöge und ist zwischen 1595 und 1608 als derjenige unter den Sekretären nachzuweisen, der die Amtsgeschäfte bei der Ausfertigung der Urkunden, der Registerführung und der Aufsicht über das Archiv „verantwortlich leitete“ und mit dem Kanzler die ausgestellten Urkunden unterzeichnete.7) Ob Anna Hardenach aus der Familie stammte, deren Erben 1632 Haus und Ländereien an der Straße Alte Stadt besessen haben,8) ist nicht nachzuweisen.

Textkritischer Apparat

  1. Über Inschrift A Chronographicum Büllingen, PfA St. Lambertus, Akten 747, fol. 90v.
  2. Zu korrigieren zu Portabat wie in PfA St. Lambertus, Akten 747.
  3. Viri fehlt PfA St. Lambertus, Akten 747.
  4. Kürzung durch hochgestelltes MI am Wortende.
  5. Von D nur der Schaft und ein Teil des unteren Bogenendes erhalten.
  6. ET mit Haken in Form einer arabischen Drei; et Büllingen.
  7. Von E nur der untere Teil des Schaftes erhalten.
  8. Ligatur in Form eines Y.
  9. Hardenachs PfA St. Lambertus, Akten 747.
  10. Ein Teil des rechten Bogens von spitzovalem O erhalten.
  11. MOESTISSIM[A] korrigiert aus MOESTISTIM[A]; linker Schrägschaft des A noch schwach erkennbar; maestissima PfA St. Lambertus, Akten 747.
  12. O, S, I und T jeweils im unteren Teil des Buchstabens beschädigt.
  13. O und C kleiner ausgeführt, wobei das O im Vergleich zum C wiederum kleiner ist. Hic Büllingen.
  14. Mittelbalken des A fehlt.
  15. Korrigiert.
  16. Ligatur in Form eines Y, Q als Minuskelbuchstabe, jedoch im Zweilinienschema ausgeführt und Kürzung durch Zeichen in Form einer arabischen Drei.
  17. Q als Minuskelbuchstabe, jedoch im Zweilinienschema ausgeführt und Kürzung durch Zeichen in Form einer arabischen Drei, D und O nach Korrektur. Deisque PfA St. Lambertus, Akten 747.
  18. Korrigiert aus VOCAVIT.
  19. Q als Minuskelbuchstabe, jedoch im Zweilinienschema ausgeführt und Kürzung durch Zeichen in Form einer arabischen Drei.
  20. N korrigiert aus E.
  21. Korrigiert aus VATO.
  22. Korrigiert aus FERVIDIARE.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 90v, wo die Abschriften der Inschriften dieses Epitaphs und des Epitaphs für Nikolaus Print (Nr. 104) mit „Auf Bruchstücken von Grabsteinen“ überschrieben sind.
  2. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Pfarrchronik zu 1935: „Am Allerheiligenabend weihten wir das Gedächtnismal für die Gefallenen des Weltkrieges (143 Namen) feierlich ein. Dasselbe ist aus einem alten Epitaph mit neuer Tafel und einigen neuen Stücken (Kreuz u. 2 Einsätzen an den Seiten) für 892,- M von Bildhauer Thomessen hergerichtet.“ Für den Hinweis auf diese Quelle danke ich sehr herzlich Herrn Dr. Ulrich Brzosa, Düsseldorf.
  3. Vgl. Peters, Ausstattung, S. 128.
  4. Der Textverlust beträgt am Zeilenbeginn ca. 10–12, am Zeilenende ca. 3–5 Buchstaben. Da das genaue Zeilenende nicht mit Sicherheit rekonstruierbar ist, werden in der Edition keine Zeilenwechsel angegeben.
  5. Die Junktur regna beata, häufig auch in Verbindung mit einer Form von tenere, ist vielfach belegt. Vgl. dazu Hex.-Lex. 4, S. 490–492. S. zu regna beata z. B. auch DI 28 (Hameln), Nr. 136; DI 42 (Einbeck), Nr. 102; DI 56 (Stadt Braunschweig II), Nr. 1031; DI 66 (Lkr. Göttingen), Nr. 321.
  6. Vielleicht auch als Enallage zu verstehen: „Denkmal immerwährender Trauer“.
  7. Bei v. Below, Landtagsakten, Bd. 2, S. 872 u. 895f., ist er 1588 mehrmals als Sekretär belegt; vgl. auch Füchtner/Preuss, Inventar, S. 638 (Register), u. Tornow, Verwaltung, S. 120 Anm. 39 (zu Sept. 1611). Zu den Aufgaben der Sekretäre und Registratoren Schleidgen, Kanzleiwesen, S. 106f., das Zitat und zu Consen (hier „Konssen“) S. 107.
  8. Ferber, Landsteuerbuch, S. 3.

Nachweise

  1. HAStK, Best. 7030, Nr. 184 (Büllingen), fol. 216v.
  2. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 90v–91r.
  3. Kampmann, Kunstdenkmälerverzeichnis St. Lambertus, S. 24 (nur C, unvollständig und mit abweichenden Lesungen).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 132(†) (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0013208.