Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 111 St. Lambertus (1561)/1602

Beschreibung

Epitaph für Jakob Coppertz und seine Ehefrau Margarete Steingens. Marmor. Das Epitaph befand sich bis 1819/20 in der Kreuzherrenkirche an der zweiten Säule gegenüber vom Haupteingang.1) Erhalten und im Totenkeller von St. Lambertus abgestellt ist eine rechteckige Platte mit einem Schriftfeld, an dessen rechtem Rand der Ansatz einer gewölbten, sich über die Höhe von A–C erstreckenden Nische zu erkennen ist. Die Platte ist an allen vier Seiten behauen, die Kante ist an einigen Stellen uneben. Ob das Fragment im Hinblick auf eine Zweitverwendung zugeschnitten wurde, ist unbekannt, ebenso die Nutzung der flachen Nische und die weitere Ausgestaltung des Epitaphs. Die zwischen vorgeritzten Linien mit rechtwinkliger Kerbe eingehauenen Buchstaben sind mit Goldfarbe ausgefüllt (teilweise verloren). Durch mehrfachen Schriftwechsel werden der Setzungsvermerk (A), das Grabgedicht mit Totenlob (B) und der Sterbevermerk mit Angabe des Todeszeitpunktes (C) für Jakob Coppertz sowie das zweizeilige Grabgedicht (D) und der Sterbevermerk (E) für Margarete Steingens voneinander abgesetzt.

Maße: H. (58 cm); B. (70,5 cm); Bu. 1,7 cm.

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalis (A), humanistische Minuskel mit Kapitalversalien (C, E), schrägliegende Kapitalis (B, D).

DI 89, Nr. 111  - St. Lambertus - (1561)/1602

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Sonja Hermann) [1/1]

  1. A

    EPITAPHIV(M) Ornatissimi viri D(omini) Iacobi Coppertz,a) / Praefecti in Greuenbroch et Gladbach, et Margaretae / Steingens Matronaeb) honestissimae, Gulielm(us) Iuris Vtriusq(ue)c) / Licentiatus, Scabin(us) Iuliacensis, et Iacob(us) Coppertz incly=/ti ducis Iuliacensis Secretari(us) et quaestor generalis, / pare(n)tib(us) filiid) et fratres germani maere(n)tes posueru(n)t.

  2. B

    PRAECLARO COPPERTZe) IACOBVS STEMMATE GAVDENS, /ET LATIISf) CLARVS TEVTONIISQ(VE)g) LOGIS. / IMPERIO SVBERAT GVLIELMIh) PRINCIPIS, ILLI /OBTVLERAT STVDIVM DVM SVA VITA STETIT. /IN GLADBACH ETi) GREVE(N)BROCH SVA IVRA VIGEBA(N)T / PRAEFECTVS RERVM, IVDITIVMQVE REIS. /

  1. C

    PrIMVs AVgVstI VIX ortVsj) CLarVIt orbe, /IaCobVs Coppertz regna FVtVrak) CoLIt. /

  1. D

    CONIV(N)X SVBSEQVIT(VR)l) STEI(N)GENS MARGARETA VIRAGO, /INCLYTA STIRPE PATRV(M), CHRISTIGENVMQ(VE)m) COMES. /

  1. E

    BIs senosn) TItan qVInosq(ue)o) reVeXerat ortVs, /[Ia]nIp) MoX rVpIt fILaq) VerenDar) Fera.s)

Übersetzung:

Das Epitaph des ehrenreichen Mannes, des Herrn Jakob Coppertz, Amtmann in Grevenbroich und Gladbach, und der Margarete Steingens, der sehr ehrsamen Frau, haben Wilhelm, Licentiat beider Rechte, Schöffe zu Jülich, und Jakob Coppertz, des weit berühmten Jülicher Herzogs Sekretär und Rechenmeister, den Eltern als Söhne und leibliche Brüder trauernd errichtet. (A)

Jakob Coppertz, der sich einer hochberühmten Herkunft erfreute und berühmt für seine lateinischen und deutschen Sprachkenntnisse war, unterstand dem Befehl des Fürsten Wilhelm; ihm hatte er eifrige Treue erwiesen, solange er lebte. In Gladbach und Grevenbroich standen seine Verordnungen in hohem Ansehen (und ebenso er als) Amtmann in Rechtsangelegenheiten und Gerichtsstätte für die Angeklagten. (B)

Der erste Sonnenaufgang des August erstrahlte eben erst am Himmel, (da) bewohnt Jakob Coppertz die zukünftigen Reiche. (C)

Die Gemahlin Margareta Steingens folgt nach, die Heldin aus einem weit berühmten Geschlecht der Väter und Gefährtin der Christen. (D)

Zweimal sechs und fünf Aufgänge des Janus hatte der Titan zurückgebracht, (als) er alsdann die ehrwürdigen Fäden grausam zerriss. (E)

Datum: Daten: 1. August 1561 (C); 17. Januar 1602 (E).

Versmaß: Elegische Distichen (B–E, C und E als Chronodistichen).

Kommentar

Die humanistische Minuskel wirkt schlank und weist mit einigen leicht gebrochenen, spitzovalen Bogenformen Ansätze der Fraktur auf. So wirken die Bögen bei nund m leicht gebrochen, da die Schäfte nach links gebogen sind und, in Sporen endend, nicht den jeweils vorausgehenden Schaft berühren. Auch die i, stets mit Punkten, sind am oberen Schaftende leicht nach links gebogen. Einige Bogenabschnitte (die unteren bei b und p, der obere bei c) sind leicht geknickt, das o ist spitzoval, ebenso der obere Bogen des (runden) g. Das z weist einen linksschräg gestellten oberen Balken auf, der untere Balken ist linksschräg gestellt und geschwungen. Der Balken bei f und t besitzt links einen gebogenen Anstrich und endet rechts in gekerbten Sporen. Zu den eckigen Elementen gehört auch der Übergang vom Schaft zum Bogen bei f und Schaft-s. D ist offen. Das a ist doppelstöckig ausgeführt. Bei g wird der obere Bogen in der Regel oberhalb der Grundlinie geschlossen, die rechte Bogenhälfte reicht bis auf die Grundlinie. Der untere Bogen wird nach links umgebogen zu einem halboffenen Bogen. Über u findet sich regelmäßig ein diakritisches Zeichen in Form eines Bögelchens. Die unteren Schaft- und Bogenenden haben Sporen, die oberen Schaftenden enden häufig nach rechts oben in einem Strich. Bogenenden sind gelegentlich gekerbt. Im Vergleich mit der humanistischen Minuskel auf dem Epitaph für Gabriel Mattenclot und seine Frau (Nr. 97) wirkt die Schrift auf vorliegendem Träger schlanker.

In der schrägliegenden Kapitalis der Inschriften B und D endet die Cauda des R in einer schleifenförmigen Verlängerung unter der Zeile. Kapitales P beginnt am oberen Bogenende links mit einem leicht gebogenen Anstrich, ebenso in einem Fall auch D sowie das obere linke Schaftende von V in VIRAGO und VIX. Die Versanfänge und die Eigennamen werden durch im Vergleich zu den Gemeinen leicht vergrößerte Versalien hervorgehoben.2) Die Kapitalis in den beiden Chronodistichen reicht deutlich über die Oberlängen der humanistischen Minuskel hinaus.

Der Wechsel der Schrift dient lediglich dazu die Inschriftentexte voneinander abzusetzen. Durch die Hervorhebung des Wortes EPITAPHIV(M) in Inschrift A soll vermutlich lediglich dem Betrachter die Funktion des Trägers deutlich vor Augen geführt werden. Eine Hierarchie der Schriften ist nicht zu erkennen.3) Abfolge und Wortlaut der Inschriften sowie die Schriftmerkmale lassen vermuten, dass die Inschriften in einem Zuge wohl erst nach dem Tod der Ehefrau entstanden sein dürften und nicht ein bereits nach dem Tod des Jakob Coppertz hergestellter Träger um jüngere Inschriften ergänzt worden ist.

Den heutigen Standort des Epitaphs hat schon Maes 1975 angegeben. Es stammt aber nicht, wie er vermutet, von dem 1769 geschlossenen und später eingeebneten Friedhof um St. Lambertus,4) sondern wird gemeinsam mit einigen weiteren Epitaphen in einer Akte aus den Jahren 1819/1820 über die Ausräumung der Kreuzherrenkirche aufgelistet. Neben einer präzisen Angabe über den ursprünglichen Standort werden in der Akte alle Inschriften wiedergegeben und in den Chronogrammen die als Zahlzeichen verwendeten Buchstaben durch eine andere Farbe kenntlich gemacht.5)

Jakob Coppertz war 1560 – 1566 Vogt von Grevenbroich und Gladbach und verheiratet mit Margarete Steingens, der Tochter von Adolf und Maria Lohausen. Sein Vater und sein Großvater sind Bürgermeister zu Dülken gewesen, sein Vater auch Schultheiß des Xantener Kapitels.6) Da er bis zum April 1566 als Vogt tätig war und in einer im 18. Jahrhundert angelegten Sammlung von Materialien zu Düsseldorfer Beamtenfamilien verzeichnet wurde, dass er 1566 in der Kreuzherrenkirche beigesetzt worden sei,7) ist das Chronodistichon C nicht korrekt; es fehlt ein V. Vielleicht ist dieser Fehler auf die zeitliche Distanz zwischen dem Tod des Jakob und der Anfertigung der Inschriften zurückzuführen.

Die in Inschrift A genannten Söhne Wilhelm und Jakob sind ebenfalls in den dort genannten Funktionen nachzuweisen: Wilhelm als Lizentiat beider Rechte und Schöffe bzw. später Bürgermeister von Jülich, Jakob als Sekretär und Rechenmeister des Herzogs von Jülich und bergischer Pfennigmeister, später auch als Vogt zu Kaster.8) Einer der Söhne des Wilhelm gehörte dem Kreuzbrüderkonvent zu Düsseldorf an,9) ein weiteres Mitglied der Familie ist 1631 als Kanoniker am Düsseldorfer Marienstift belegt.10)

Textkritischer Apparat

  1. C, t und z leicht beschädigt.
  2. Kapitales M, aber in der Größe der Minuskelbuchstaben.
  3. Kapitales V, aber in der Größe der Minuskelbuchstaben. Kürzung durch Zeichen in Form einer arabischen Drei.
  4. Das 2. i mit dünnem Abstrich unter die Grundlinie gezogen.
  5. Korrigiert aus COPPETZ.
  6. Das 2. I mit dünnem Abstrich unter die Grundlinie gezogen.
  7. TE leicht beschädigt; das 2. I mit dünnem Abstrich unter die Grundlinie gezogen. Kürzung durch Zeichen in Form einer arabischen Drei.
  8. Das 1. L leicht beschädigt.
  9. ET nicht in Kapitalis, sondern als ET-Ligatur aus der Kursive ausgeführt.
  10. toto LAV NRW R, Hss. N I 1h II, fol. 15r.
  11. Kapitales F, aber in der Größe der Minuskelbuchstaben.
  12. Kürzung in Form einer Schlinge mit Abschwung nach links.
  13. Korrigiert aus CHRISTIGEMVMQ(VE). Kürzung durch Zeichen in Form einer arabischen Drei.
  14. teernos LAV NRW R, Hss. N I 1h II, fol. 15r.
  15. Kürzung durch Zeichen in Form einer arabischen Drei.
  16. Ergänzt nach LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3893, fol. 7r.
  17. Korrigiert aus tILa.
  18. Korrigiert aus VeneranDa.
  19. Aufgrund der Korrektur des vorausgehenden Wortes nach links versetzt neu gehauen. Als Abschluss zwei Punkte nebeneinander auf der Grundlinie.

Anmerkungen

  1. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3893, foll. 6av–7r.
  2. In B werden in den Zeilen 5 und 6 auch die mit I beginnenden Wörter IVRA und IVDITIVMQVE auf diese Weise hervorgehoben.
  3. Vgl. zur Schrifthierarchie in frühneuzeitlichen Inschriften insgesamt Drös, Schrifthierarchie; zur „optischen Unterscheidung verschiedener Inschriftentexte voneinander“ ebd., S. 96.
  4. Maes, Chronogramme, S. 2.
  5. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3893, foll. 6av–7r. Zu den weiteren Epitaphen vgl. Nrn. 97 und 121.
  6. Schleicher, Slg. v. d. Ketten, Bd. 3, S. 264f.; LAV NRW R, Jülich-Berg, Beamtenlisten Lau, Bd. 2, S. 377 (Vogt zu Gladbach) u. S. 384 (Vogt zu Grevenbroich). Er ist auch mehrfach belegt bei Ernst Brasse, Urkunden und Regesten zur Geschichte der Stadt und Abtei Gladbach, II. Teil, Mönchengladbach 1926; dort u.a. Nrn. 745 (1563), 749 (1564) u. zuletzt Nr. 755 am 1. April 1566.
  7. LAV NRW R, Hss. N I 1h II, foll. 14v–15r.
  8. Schleicher, Slg. v. d. Ketten, Bd. 3, S. 264f.; Strahl, Trauregister, Bd. 5, S. 165 (zu Jakob); Cürten, Organisation, S. 255 (zu Jakob), Tornow, Verwaltung, S. 152 (die Registereinträge zu Jakob C.).
  9. Schleicher, Slg. v. d. Ketten, Bd. 3, S. 265.
  10. Höroldt, Inventar St. Lambertus, Nr. 117.

Nachweise

  1. LAV NRW R, Hss. N I 1h II, foll. 14v–15r.
  2. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3893, foll. 6av–7r.
  3. Maes, Chronogramme, S. 2 (nur E; von B Übersetzung der Zeilen 1–3).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 111 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0011106.