Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 104 St. Lambertus 1598

Beschreibung

Epitaph für Nikolaus Print von Horchheim gen. von der Broel. Schwarzer und weißer Marmor. Es befand sich an der Nordseite des Chorumgangs, an der Wand befestigt1) zwischen dem Altar des hl. Johannes und dem des hl. Michael2), und zeigte in der Mitte den gekreuzigten Christus, zu seiner Rechten den Verstorbenen mit zwei Söhnen, zu seiner Linken die Ehefrau des Nikolaus Print mit zwei Töchtern, alle aus weißem Marmor, und jeweils daneben die vierfachen Ahnenproben.3) Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es zerbrochen.4) Schließlich wurde der Teil, auf dem der Setzungsvermerk, der auch das Totenlob mit Cursus honorum und den Sterbevermerk enthält, ausgeführt war, 1869 an der Südseite der Kirche beim Abbruch eines Anbaus, damals in zwei Teile geschnitten, wieder aufgefunden. Der rechte Teil des Schriftfeldes ist erhalten und befindet sich heute im Totenkeller. Die zwischen schwach vorgeritzten Linien eingehauenen Buchstaben sind mit nicht vollständig erhaltener Goldfarbe ausgefüllt, das Schriftfeld ist eingetieft. An der rechten und linken oberen Kante befinden sich Einkerbungen, die im Zusammenhang zu einer früheren Anbringung stehen dürften. Die jeweils vierfache Ahnenprobe für Nikolaus Print und seine Ehefrau konnte van Spaen gegen Ende des 17. Jahrhunderts noch verzeichnen.5) 1869 war „das Wappen“ erkennbar, aber so beschädigt, dass es nicht mehr zu identifizieren war.6) Wappenbeischriften sind nicht gesichert.7)

Ergänzungen nach HAStK, Best. 7030, Nr. 184 (Büllingen).8)

Maße: H. (37,5 cm); B. (71,5 cm); Bu. 2,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 104 - St. Lambertus - 1598

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Sonja Hermann) [1/1]

  1. [NICOLAO PRINT AB HORCHEIM DICT]Oa) A BROIL D(OMI)NO IN OBEREHEb), CV(M)c) AVI=/[TAM NOBILITATE(M) PIETATE MODES]TIA, VARIIS DISCIPLINISd) ET EXPERIEN=/[TIA ORNASSET ATQ(VE) ILL(VSTRISSI)MO D(OMI)NO DVCI I]VL(IAE) CLIV(IAE) ET MONT(IVM)e) A CONSILIIS XVII. / [ADMINISTRATIONE SATRAPIAE IN M]EDMA(N)f) VII ET CANCELLARII MVNERE / [III ANNIS GESTOg) DOMI FORISQ(VE) FIDE]LEM OPERA(M) PRAESTITISSET, STVDIVMQ(VE) / [SVVM PRINCIPI ETh) PATRIAE COMPROBASS]ET, IMMATVRE OMNIV(M) BONORV(M) LACRVMISi) / [REBVS HVMANISj) ANNO CHR(ISTI)k) MDXCVIIIl) IV] MAII. AETATIS XLVI EREPTO, MARIA AB / [HORST IN HEIMERTZHEIMm) CONIVNX] MOESTISSIMA MARITO OPTIMO POSVIT.

Übersetzung:

Dem Nikolaus Print von Horcheim genannt von Broel, Herrn in Oberehe, der, nachdem er den ererbten Adel mit Frömmigkeit, Sittsamkeit, vielfältiger Bildung und mit Erfahrung geziert und für den erlauchtesten Herrn Herzog von Jülich, Kleve und Berg im Rat 17, in der Führung der Amtmannschaft in Mettmann sieben und im Amt des Kanzlers drei Jahre lang in der Heimat und außerhalb treuen Dienst verrichtet und seinen Eifer dem Fürsten und dem Vaterland bewiesen hatte, zu früh unter Tränen aller Rechtschaffenen aus dem Irdischen im Jahr 1598 am 4. Mai im Alter von 46 (Jahren) entrissen worden war, hat die zutiefst betrübte Gattin Maria von Horst in Heimerzheim als dem besten Ehemann (dies) gesetzt.

Wappen:9)
BroelHorst
OrsbeckBongart
Haust von Ulmen10)Gymnich11)
(Diepenbrock gen.) Rauftesch12)Maschereel13)

Kommentar

Die sorgfältig gearbeitete, leicht vertikal gestreckte Kapitalis zeigt Linksschrägen- und Bogenverstärkungen. Die Außenschäfte bei M sind zumeist leicht schräg, der Mittelteil reicht knapp unter die Zeilenmitte. Die Schrift zeigt insgesamt große Ähnlichkeit zu jener auf dem nur wenige Schritte entfernten, nahezu zeitgleich entstandenen Epitaph für Herzog Wilhelm V. (Nr. 106). Auffällig ist insbesondere die Ausführung des M in MARIA, bei dem der linke Mittelschaft in einem Bogen über das Schaftende des linken Seitenschaftes hinausgeführt wird. Diese Form des M begegnet mehrfach auch auf dem herzoglichen Epitaph. Außer wenigen Quadrangeln, die als Kürzungszeichen und zweimal zur Interpunktion dienen, wurden in Zeile 1 und 2 Trennzeichen eingehauen, außerdem mehrmals Kommata. Auf gute Sprachkenntnisse des Verfassers lassen der Gebrauch des altlateinischen LACRVMIS statt LACRIMIS sowie der gekürzten Verbformen ORNASSET und COMPROBASSET schließen.14)

Die bei van Spaen überlieferten Angaben zu den Wappen belegen die jeweils vierfache Ahnenprobe für den Kanzler Nikolaus Print und seine Ehefrau Maria von der Horst. Eine achtfache Ahnenprobe für Nikolaus bzw. eine je vierfache für seine Eltern ist hingegen auf einer Grabplatte der Familie Print von Horchheim gen. von der Broel in der Kirche zu Arnoldsweiler (Stadt Düren) überliefert, die Lothar Müller-Westphal beschrieben und mit entsprechenden genealogischen Angaben veröffentlicht hat.15) Die dortigen Wappennachweise für die Vorfahren des Nikolaus auf der väterlichen Seite stimmen mit den bei von Spaen überlieferten Namen überein.

Die Familie Print von Horchheim gen. von der Broel, ursprünglich Burgleute auf Hammerstein, ist benannt nach Horchheim (Stadt Koblenz) und Brohl bei Burg Rheineck. Die Herrschaft Oberehe (heute Oberehe-Stroheich, Verbandsgemeinde Hillesheim, Landkreis Vulkaneifel) war gegen Ende des 15. Jahrhunderts in den Besitz der Familie gelangt. Zudem war Nikolaus Print Herr zu Rohr und Haus Rath bei Arnoldsweiler.16) Geboren 1551 oder 1552 als Sohn des Thomas Print und der Anna von Orsbeck und verstorben am 4. Mai 1598,17) ist er übereinstimmend mit den Angaben der Inschrift seit mindestens 1582 als herzoglicher Rat, seit 1591/92 als Amtmann in Mettman und seit 1595 als Jülicher Kanzler belegt.18) Als Gesandter des Herzogs reiste er 1585 Markgräfin Jakobe von Baden, der späteren Herzogin, entgegen.19) Er nahm auch am Begräbnis Herzog Wilhelms V. 159220) teil und zählt zu dem kleinen Personenkreis, der 1597 der Beisetzung Jakobes in der Kreuzherrenkirche beiwohnte.21) Im Prozess gegen die Herzogin stand er auf der Seite ihrer Gegner.22) 1586 ehelichte er Maria von der Horst, die einige Wochen nach dem Tod ihres Mannes am 24. Juli 1598 eine Memorie an der Lambertuskirche stiftete und für die Nachfahren des Nikolaus das Recht auf ein Begräbnis in der Kirche erwarb. In der über diese Vorgänge ausgestellten Urkunde wird auch das Grab des Nikolaus in der Lambertuskirche erwähnt.23) Es befand sich im Chorumgang, so dass das Epitaph in der Nähe der Grablege angebracht worden ist.

Textkritischer Apparat

  1. Horchl.....o a Broil PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747; mit dem Kommentar „ist abgebrochen“; HORCHE(IM DN)O A BROIL mit Kürzungsstrich über dem N ergänzt Pick.
  2. OBERE Pick.
  3. cum, cum HAStK (Büllingen); quum PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altsadt, Akten 747.
  4. DISCIPLINA Pick.
  5. Quadrangel auf der Grundlinie als Kürzungszeichen bei der Angabe der Territorien.
  6. E lesbar, aber beschädigt. Medmam PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747; MEDMA Pick.
  7. GESTO] fehlt LAV NRW R, Hss. N I 1h, Teil II, fol. 88r.
  8. ET] fehlt PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747.
  9. lacrimis PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747.
  10. OMNIV(M) BONORV(M) LACRVMIS [REBVS HVMANIS] fehlt LAV NRW R, Hss. N I 1h, Teil II, fol. 88r.
  11. Buchstabenbestand: XP in Form des Christusmonogramms HAStK (Büllingen); PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747; fehlt bei Pick.
  12. Jahreszahl unter Verwendung neulateinischer Zahlzeichen: M aus Schaft zwischen zwei einander zugewandten Bögen, D aus Schaft vor nach links offenem Bogen HAStK (Büllingen), PfA St. Lambertus Düsseldorf-Alstadt, Akten 747, Pick.
  13. Heimertsheim PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, Pick.

Anmerkungen

  1. LAV NRW R, Hss. N I 1h, Teil II, fol. 88r: „in ambitu ad latus summi altaris muro infixum“.
  2. Zur Lage zwischen den Altären ebd., Hss. N I 6 Nr. V 1a, fol. 13r–v. Vgl. zur Lage der Altäre auch Peters, Ausstattung, S. 86 u. 90f.
  3. LAV NRW R, Hss. N I 1h, Teil II, fol. 88r.
  4. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 90v, steht über den Abschriften zum Epitaph für Heinrich Consen (Nr. 132) und diesem Epitaph „Auf Bruchstücken von Grabsteinen“.
  5. Hoge Raad van Adel, Coll. Spaen, Nr. 74 B, fol. 228v. Zu van Spaen vgl Kap. 3 der Einleitung.
  6. Pick, Familien-Geschichte, S. 328.
  7. Die Beschreibung des Epitaphs in LAV NRW R, Hss. N I 1h, Teil II, fol. 88r, führt für die Ahnenprobe des Nikolaus die Namen der Familien Broel und Orsbeck an und setzt darunter zwei Punkte untereinander, für die Ehefrau nur den Namen der Familie Horst in Heimertzheim sowie drei Punkte untereinander. Büllingen macht keine Angaben zu den Wappen.
  8. Diese Überlieferung wurde der älteren in LAV NRW R, Hss. N I 1h, Teil II vorgezogen, da in letzterer Wörter bzw. Textpassagen fehlen.
  9. Die Angaben zu den Wappen nach van Spaen, der mit Ausnahme der Wappen von Haust von Ulmen und Diepenbrock gen. Rauftesch, die er skizziert, nur die Namen nennt, so dass mit Ausnahme der beiden genannten Wappen hier keine Wappennachweise erfolgen.
  10. Nach der Skizze bei van Spaen Haust von Ulmen wie bei Fahne I, S. 143.
  11. Van Spaen: „Gimmenich“. Zu der Auflösung zu Gymnich vgl. die Angaben bei Schleicher, Slg. Oidtman, Bd. 8, S. 740f., zu den Eltern der Maria von der Horst.
  12. Nach der Skizze bei van Spaen wohl Diepenbrock gen. Rauftesch wie bei Fahne II, S. 30.
  13. Van Spaen: „Mascheret“. Zu der Auflösung zu Maschereel vgl. die Angaben bei Schleicher, Slg. Oidtman, Bd. 8, S. 740f., zu den Eltern der Maria von der Horst.
  14. Zu LACRVMIS Georges II, Sp. 530; s. auch im Kommentar zu Nr. 121; zu den Verbformen Kühner/Holzweissig, Grammatik, Bd. 1, S. 776ff., § 191.
  15. Lothar Müller-Westphal, Rekonstruktion einer Grabplatte der Print von Horchheim gen. von der Broel zu Arnoldsweiler und Deutung der 8 Ahnenwappen, in: Dürener Geschichtsblätter 69 (1980), S. 103–106. Er vermutet, dass die Platte zu Nikolaus’ „Lebzeiten für das Erbbegräbnis in der dortigen [Arnoldsweiler] Kirche hergestellt worden“ ist (S. 104). Vgl. auch ders., Wappen, S. 695.
  16. Müller-Westphal, Wappen, S. 695; zu der Familie auch Fahne I, S. 336; Schleicher, Slg. Oidtman, Bd. 12, S. 202–225; zu Oberehe ebd., S. 208–211. Zu Besitzrechten an Haus Düssel vgl. Oligschläger, Haus, S. 238.
  17. Das Datum auch im Memorienbuch des Stiftes; gedr. bei Lacomblet, Memorienbücher, S. 128.
  18. Vgl. die Belege bei v. Below, Landtagsakten, Bd. 2, S. 964 (Reg.), nach denen er 1570 und 1578 (ebd., S. 162 Anm. u. 300) als Lizenziat Broel genannt wird, ab 1582 als Rat (erstmals ebd., S. 418); vgl. auch Müller-Westphal, Wappen, S. 695 (dort zu 1585 als Amtmann zu Mettmann); Füchtner/Preuss, Inventar, S. 635 (Register); Schleicher, Slg. Oidtman, Bd. 12, S. 206.
  19. Graminäus, Beschreibung, o. S., in der Beschreibung des 13. Juni; vgl. Rümmler, Fürstlich Jülichsche Hochzeit, S. 41f.; Muschka, Opfergang, S. 134.
  20. Vgl. z. B. die Abbildung einiger Kupferstiche, die der Beschreibung der Beisetzung durch Graminäus beigefügt sind, in Kat. Land im Mittelpunkt, Nr. F 51, S. 419–422 (I[nge] Z[acher]), hier S. 421 unten rechts.
  21. Muschka, Opfergang, S. 369.
  22. Z. B. ebd., S. 266–269.
  23. Höroldt, Inventar St. Lambertus, Nr. 83; s. auch den Eintrag im Memorienbuch bei Lacomblet, Memorienbücher, S. 128. Zu Maria von der Horst vgl. Schleicher, Slg. Oidtman, Bd. 8, S. 743.

Nachweise

  1. HAStK, Best. 7030, Nr. 184 (Büllingen), fol. 217v.
  2. LAV NRW R, Hss. N I 1h, Teil II, fol. 88r.
  3. Hoge Raad van Adel, Coll. Spaen, Nr. 74 B, fol. 228v (nicht im Wortlaut und unvollständig).
  4. LAV NRW R, Hss. M X 3, fol. 75r (nach v. Spaen).
  5. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 91r.
  6. Pick, Familien-Geschichte, S. 328.
  7. Schleicher, Slg. Oidtman, Bd. 12, S. 214 und 224 (beide nach Pick).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 104 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0010403.