Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 103 Stadtmuseum 1597

Beschreibung

Schild des Schützenkleinods der Markgräfin Jakobe von Baden, Herzogin von Jülich-Kleve-Berg. Silber, vergoldet, getrieben, gegossen, graviert, punziert. Als Dauerleihgabe des St. Sebastianus-Schützenvereins Düsseldorf e. V. von 1316 im Stadtmuseum.1) Der Rand des kreisrunden Schildes ist als Lorbeerkranz mit Binden gestaltet. In dessen Innenfeld verläuft rundum in zwei Zeilen die Umschrift mit der Titulatur der Herzogin (B). Die erste Zeile, beginnend oben in der Mitte, ist nicht vollständig ausgefüllt; die zweite Zeile beginnt in der oberen Hälfte der heraldisch rechten Seite des Schildes nach dem Ende des Textes von Zeile 1 und endet unten in der Mitte; die Umschrift ist nach außen und innen durch zwei Linien begrenzt, die Zeilen werden durch drei Linien getrennt. In der Mitte das markgräfliche Wappen von Baden-Sponheim in geschweiftem Schild und darüber die Jahreszahl (A). An einer Öse mit zwei kurzen Kettchen ist ein Schützenvogel angehängt. Neben dem Wappen sind heraldisch rechts ein Düsseldorfer Beschauzeichen2) und heraldisch links das Meisterzeichen des sogenannten Meisters mit hakenförmiger Hausmarke3) eingeschlagen.

Maße: Dm. 10,5 cm; Bu. 0,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 103 - Stadtmuseum - 1597

 Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (Stefan Arendt, LVR - Zentrum für Medien und Bildung) [1/2]

  1. A

    1 · 5 · 97

  2. B

    IACOBE · HERTZOGIN · ZV · GVLVHa) · CLEVE · VND · BERG / GEBOREN · MARGRAFFIN · ZV · BADEN

Wappen:
Baden-Sponheim

Kommentar

Als Worttrenner werden Punkte auf der Zeilenmitte verwendet. GVLVH wurde möglicherweise aufgrund eines Lesefehlers an Stelle von GVLICH ausgeführt. Schild und Vogel sowie ein weiteres Schützenkleinod, das angeblich Herzog Wilhelm der Reiche 1552 ebenfalls der St. Sebastianusbruderschaft gestiftet haben soll,4) aber wohl jünger ist, tragen die ältesten Düsseldorfer Goldschmiedemarken, den gestürzten Anker als Beschauzeichen und eine hakenförmige Hausmarke als Meisterzeichen. Sie sind die ältesten gesicherten Goldschmiedearbeiten eines Düsseldorfer Meisters, dessen Identifizierung bislang nicht gelungen ist.5)

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts galten Schild und Vogel zumeist als Stiftungen der Herzogin an die St. Sebastianusbruderschaft zu Düsseldorf,6) bei deren Königsschießen im Jahre 1594 Jakobe die Königswürde erlangt haben soll. Dies erscheint jedoch fraglich, da der Schild zweifelsfrei die Jahreszahl 1597 trägt und somit zu einem Zeitpunkt entstanden ist, zu dem sich die Herzogin in finanzieller Not und im zweiten Jahr im Düsseldorfer Schloss, angeklagt des Ehebruchs, in strenger Haft befand, in der sie am 3. September desselben Jahres tot aufgefunden wurde.7) Der Auftraggeber für Vogel und Schild konnte nicht ausfindig gemacht werden. Schon von Haupt wertete 1820 das Kleinod als einen anlässlich ihres Todes hergestellten Ausdruck der Liebe des Volkes zu der Herzogin.8) Auch Rümmler nennt 1983 die Möglichkeit, dass es von Düsseldorfer Bürgern „vielleicht als Erinnerung an sie und ihren Tod in Auftrag gegeben worden“ sein könnte.9)

Textkritischer Apparat

  1. Verlesen aus GVLICH?

Anmerkungen

  1. Inv.-Nr. S 104.
  2. Scheffler, Goldschmiede I, S. 150, Nr. 269a; Clasen, Silbermarken, S. 134, Nr. 435.
  3. Scheffler, Goldschmiede I, S. 186, Nr. 161 u. II, S. 1121 Nr. 330; Clasen, Silbermarken, S. 158, Nr. 607.
  4. Heppe, Düsseldorfer Silber, o. S., Nr. 2; Kat. 400 Jahre Gold- und Silberschmiedekunst, S. 11, Nr. 3; Kat. Land im Mittelpunkt, S. 415, Nr. F 39 (K[arl] B[ernd] H[eppe]); Heppe, Goldschmiedekunst, S. 179, Nr. 4,2 u. Abb. 5.
  5. Ders., Düsseldorfer Silber, o. S. (im einleitenden Teil); Kat. 400 Jahre Gold- und Silberschmiedekunst, S. 11, Nrn. 1–3; Kat. Land im Mittelpunkt, S. 446, Nr. G 9 (K[arl] B[ernd] H[eppe]).
  6. Vgl. zu dieser Bruderschaft Brzosa, Geschichte, S. 414–423.
  7. Vgl. Heppe, Schützengeschichte, o. S.; Kat. Land im Mittelpunkt, S. 446, Nr. G 9 (K[arl] B[ernd] H[eppe]); zu Haft und Tod Jakobes vgl. Rümmler, Fürstlich Jülichsche Hochzeit, S. 61–63; dies., Jacobe, S. 444f.; Kurzel-Runtscheiner, Elend, S. 18–21.
  8. V. Haupt, Jacobe, S. 155f.
  9. Rümmler, Fürstlich Jülichsche Hochzeit, S. 66. Die Herzogin soll 1597 der Schützenbruderschaft auch eine blauseidene Fahne geschenkt haben, von der nur wenige originale Teile erhalten sind. 1876 soll sich in dieser Fahne ein Zettel mit der Jahreszahl 1597 befunden haben, der so vermodert war, dass er zu Staub zerfiel. Dazu auch Heppe, Schützengeschichte, o. S.; Kat. Land im Mittelpunkt, S. 446, Nr. G 9 (K[arl] B[ernd] H[eppe]).

Nachweise

  1. Kat. 400 Jahre Gold- und Silberschmiedekunst, S. 11, Nr. 1/2.
  2. Kat. Düsseldorfer Goldschmiedekunst, S. 138, Nr. 1
  3. Kat. Land im Mittelpunkt, S. 446, Nr. G 9 (K[arl] B[ernd] H[eppe]).
  4. Heppe, Goldschmiedekunst, S. 179, Nr. 4,1.
  5. Muschka, Opfergang, S. 147.

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 103 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0010305.