Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 96 Kreuzherrenkirche (1593)/1594

Beschreibung

Ostwand der Grabkammer für die Familie Mattenclot. Die Grabkammer liegt unter dem Fußboden an der nördlichen Wand neben dem dritten Pfeiler von Westen und ist nicht mehr zugänglich. In Schwarz (?) und mit einem einfachen Rahmen auf die Wand aufgetragene Inschriften auf der östlichen Kopfmauer mit den Sterbevermerken für den Protonotar Gabriel Mattenclot und seine Ehefrau Anna Winkelhausen (A und B). Vor dem endgültigen Verschluss der Kammer 1967 fotografisch erfasst.

Nach Fotos des LVR-ZMB, Fotoarchiv, Neg.-Nrn. 123/12, 124/3 u. 124/4.1)

Schriftart(en): Kapitalis und humanistische Minuskel.

DI 89, Nr. 96 - Kreuzherrenkirche - (1593)/1594

 Reproduktion aus: Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland, RW Karten Nr. 1349d [1/3]

  1. A

    GABRIEL / MATENCLOT / PRothonotariusa) / m(ortuus) 1593 aet(atis) 70

  2. B

    ANNA WIN/CKELHAVSEN / VXORb) m(ortua) 1594

Übersetzung:

Gabriel Mattenclot, Protonotar, gestorben 1593 im Alter von 70 (Jahren). (A)

Anna Winkelhausen, (seine) Frau, gestorben 1594. (B)

Kommentar

In der Grabkammer befinden sich außer den Inschriften zu Gabriel Mattenclot und Anna Winkelhausen weitere Inschriften zu Mitgliedern dieser Familie (Nrn. 142, 181, 189 und 213). Demnach waren dort auch ihr Sohn Joachim Mattenclot und seine Ehefrau Adriana Schreiners sowie deren gemeinsame Söhne Gabriel, Hildeger und Bernhard, Gabriel und Hildeger ebenfalls mit ihren Ehefrauen, beigesetzt. Außerdem wurde dort Johannes Joachim Mattenclot, ein Sohn des Hildeger, bestattet. Als letzter unter den Genannten verstarb Gabriel Mattenclot d. J. im Jahre 1656.2) Erst im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde die Kammer nochmals für die Bestattung zweier weiterer Verwandter der Familie genutzt.3) Da einige Fragen zu den hier zu behandelnden Inschriften nur in der Zusammenschau mit den weiteren dort überlieferten Inschriften beantwortet werden können, werden in die folgenden Ausführungen die Inschriften bis zu Gabriel Mattenclot d. J. einbezogen.

In der Gesamtschau der Inschriften (ausgenommen jene des 18. Jahrhunderts) fällt deren große Einheitlichkeit in der Gestaltung (einfacher Rahmen, Wechsel zwischen den Schriftarten, gelegentlich im Vergleich zu den übrigen leicht erhöht ausgeführte Anfangsbuchstaben) auf. Es stellt sich daher die Frage, ob die Inschriften zu den einzelnen Verstorbenen bzw. zu den jeweiligen Ehepaaren unmittelbar nach ihrer jeweiligen Beisetzung oder zu einem bestimmten Zeitpunkt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts angebracht worden sind. Archivalische Quellen über den Bau der Grabkammer und die Anbringung der Inschriften liegen nicht vor. Ein Vergleich der Schriften aller Inschriften bis einschließlich 1656 hilft nicht weiter, da sie, bedingt durch den rauen, unebenen Untergrund, auf dem sie aufgetragen wurden, wenig qualitätvoll ausgeführt sind. Die Buchstabenformen sind für die Zeit typisch und weichen zwischen den vielleicht älteren Wand­inschriften der Gruft und jenen der Mitte des 17. Jahrhunderts nicht signifikant voneinander ab. Anhand der Schwarz-Weiß-Aufnahmen von 1967 ist es auch nicht möglich, vielleicht vorhandene Unterschiede in der Farbe der aufgetragenen Buchstaben bzw. Texte zu erkennen.

Allerdings zeigen die Inschriften zu Gabriel Mattenclot und Anna Winkelhausen, zu ihrem Sohn Joachim und dessen Ehefrau (Nr. 142) und dem 1634 verstorbenen Hildeger sowie seiner 1642 beigesetzten Ehefrau Catharina Schoepen (Nr. 181) im verwendeten Formular sowie dem Wechsel zwischen Majuskel- und Minuskelschrift untereinander größere Übereinstimmungen auf als zu den übrigen. So sind in den genannten Fällen die Namen in Kapitalis, die Titel und Amtsbezeichnungen jedoch in Minuskeln geschrieben. Auffällig ist auch, dass die Einträge für die drei genannten Ehemänner jeweils sorgfältig in der Reihenfolge Vorname, Familienname, Amtsbezeichnung, biographische Daten auf vier Zeilen verteilt wurden, während die Angaben zu den Frauen keine klare Zeileneinteilung erkennen lassen. Bei der Angabe des Titels im Sterbevermerk für den 1643 verstorbenen Bernhard Mattenclot (Nr. 189) ist seine Amtsbezeichnung hingegen in Kapitalis ausgeführt. Die beiden hier nicht mehr zu bearbeitenden jüngeren Inschriften von 1654 und 1656 für Catharina Laufs und ihren Ehemann Gabriel weichen von den übrigen in der Angabe des Sterbedatums dahingehend ab, dass sie nicht nur das Jahr, sondern auch den Tag nennen.4) Die Angaben zu ihnen sind auch nicht wie bei den anderen Paaren untereinander in einem gemeinsamen Rahmen, sondern getrennt angebracht worden.

Die räumliche Verteilung der Inschriften, die sich wahrscheinlich in unmittelbarer räumlicher Nähe zu dem jeweiligen Sarg befunden haben, deutet auf eine Entstehung der Gruft nach dem Tod des Gabriel 1593 oder spätestens dem Ende 1594 erfolgten Tod seiner Ehefrau hin, die an der östlichen Kopfmauer direkt gegenüber dem Eingang beigesetzt wurden, so dass beim Betreten der Gruft der Blick unmittelbar auf ihre Särge und die entsprechenden Inschriften fiel. Neben ihnen, ebenfalls dem Eingang gegenüber, befand sich die letzte Ruhestätte ihres Sohnes Joachim und seiner Ehefrau. Deren Söhne wurden dann offensichtlich in der Reihenfolge ihres Ablebens an den freien Stellen beigesetzt.

Aus dem Vergleich der bei der Abfassung der Inschriften verwendeten Formulare ergibt sich, dass zumindest die Inschriften für Gabriel d. Ä., Joachim und Hildeger sowie ihre Ehefrauen in einem Zug, vielleicht anlässlich der Beisetzung Hildegers oder seiner Ehefrau, entstanden sein können. Denkbar ist jedoch auch, dass sie zeitnah zu den jeweiligen Beisetzungen angefertigt wurden und die ältesten Inschriften zu Gabriel d. Ä. und Anna Winkelhausen die Vorlage für die später folgenden Inschriften boten. Da keine eindeutigen Belege für eine gemeinsame spätere Entstehung vorliegen, die Angaben zu den jeweiligen Ehepaaren durch ihre Anordnung und Rahmung aber jeweils eine Einheit bilden, werden sie unter dem Datum des zuletzt verstorbenen Ehepartners eingeordnet.

Die Inschriften zu den übrigen Familienmitgliedern sind aufgrund ihrer Verteilung im Raum sicher zeitnah zu ihrer Beisetzung ausgeführt worden. Jene für Bernhard Mattenclot (Nr. 189) befindet sich an der Nordseite der Gruft auf der Gewölbefläche mit deutlichem Abstand zu den anderen, während die Inschrift zu Catharina Laufs ebenfalls auf der Gewölbefläche an der Ecke zur Kopfmauer und der Vermerk für ihren Mann an dieser Kopfmauer links neben der Inschrift für seinen Großvater sehr gedrängt in der Ecke angebracht wurden. Hildegers Sohn Johannes Joachim (Nr. 213) wurde in unmittelbarer Nähe seiner Eltern beigesetzt, die Inschrift befindet sich auf dem Widerlager der Stichkappe am Eingang der Gruft.

Die Kammer ist nach den Bestattungen des 18. Jahrhunderts noch mehrfach geöffnet worden, so zwischen 1809 und 1813, als die Kirche zunächst als Tabakmagazin und anschließend als Pferdestall genutzt wurde,5) und 1819, als vor der Einrichtung eines preußischen Militärdepots die in der Kirche befindlichen Gebeine entfernt und auf dem Düsseldorfer Friedhof beigesetzt wurden.6) Bereits 1819 wurden die Wandinschriften im „Leichen Keller neben dem S. Joan. Nepomuceni Altar“ verzeichnet und der Fund von sieben weiteren Leichen, zu denen keine Inschriften vorgefunden wurden, schriftlich festgehalten.7) Diese Aufzeichnungen liegen der Veröffentlichung bei Bayerle im Jahre 1844 zugrunde.8) Auch 1880 bei der zweiten Grabung nach den Gebeinen der Herzogin Jakobe wurde die 3,30 m lange und 2,40 m breite Kammer geöffnet, die zu diesem Zeitpunkt mit losem Bauschutt angefüllt war und in der sich noch ein Schädel, ein Unterkiefer und einige wenige Knochen fanden. Man fand Löcher in den Seitenwänden, in denen vermutlich früher Stangen befestigt waren, die eine Unterbringung der Verstorbenen in zwei Etagen ermöglicht haben, und verzeichnete erneut die Inschriften.9) Bei der Wiederherstellung der Kirche in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die Inschriften 1967 fotografisch erfasst, die Kammer danach verschlossen. Der Eingang ist heute im Fußboden nicht mehr zu erkennen.

Die Einrichtung der Grabkammer für die Familie Mattenclot erfolgte in kurzem zeitlichem Abstand zur Einrichtung der neuen Fürstengruft in St. Lambertus 1592 für Herzog Wilhelm V. (Nr. 94), in dessen Diensten Gabriel d. Ä. 40 Jahre gestanden hat. Ob sie durch ihn selbst oder seinen Sohn Joachim, der das Epitaph für seine Eltern (Nr. 97) fertigen ließ, veranlasst wurde, lässt sich nicht mehr klären.

Weitere Angaben zu Gabriel Mattenclot und Anna Winkelhausen vgl. unter Nr. 97.

Textkritischer Apparat

  1. R in Kapitalis, aber in der Höhe der Minuskelbuchstaben ausgeführt.
  2. VXOR] in Kapitalis, aber in der Höhe der Minuskelbuchstaben ausgeführt.

Anmerkungen

  1. Die Aufnahmen wurden im Juni 1967 durch die ehemalige Landesbildstelle Düsseldorf angefertigt.
  2. Die Inschriften für Gabriel Mattenclot d. J. († 1656) und seine Ehefrau Catharina Laufs († 1654) sind in diesem Band nicht mehr zu bearbeiten. Sie lauten: CATHARINA / LAVFFS VXOR / m(ortua) 17 MARTII / 1654 aeta=/tis 52 und GABRIEL / MATTEN/CLOT I(VRIS) V(TRIVSQVE) L(ICENTIATVS) / Consiliarius m(ortuus) / 1656 12 Ianua/rii aetatis 70.
  3. Die Wandinschriften mit den Sterbevermerken zu Johann Gottfried von Redinghoven d. J. († 1724) und Maria Theresia Jaentzen zu Etzelbach († 1714) sind deutlich jünger als die übrigen und vermutlich in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu ihrer Bestattung in der Kammer angebracht worden. Sie lauten: Praenobilis ac Generosus D(omin)us / D(ominus) Ioan(nes) Godfridus / de Redinghoven obijt 5ta / Aprilis 1724 und Perillustris / Domina Maria / Theresia de Reding=/hoven nata de / Jaentzen de Ezel=/bach obiit Anno 1714 / 27 Maii. Vgl. zu ihnen und ihrer Verwandtschaft mit der Familie Mattenclot [Woldemar] Harleß, Art. Redinghoven, Johann Godfried von, in: ADB 27 (1888), S. 534–536; Niederau, Bemerkenswertes, S. 234f.
  4. Diese Angabe wäre aber z. B. für Gabriel M. d. Ä. und seine Frau Anna auch möglich gewesen, da oben in der Kirche ihr Epitaph angebracht war (s. Nr. 97).
  5. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3893, fol. 10r; gedr. bei Keller, Geheimnis, S. 190.
  6. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3893, fol. 3r; gedr. bei Keller, Geheimnis, S. 189.
  7. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 122r.
  8. Bayerle, Kirchen, S. 87f.
  9. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3892, foll. 10v–11r; gedr. bei Keller, Geheimnis, S. 201.

Nachweise

  1. LVR-ZMB, Fotoarchiv, Neg.-Nrn. 123/12, 124/3 u. 124/4.
  2. PfA St. Lambertus Düsseldorf-Altstadt, Akten 747, fol. 122r.
  3. Bayerle, Kirchen, S. 88 (nach PfA St. Lambertus).
  4. LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3892, fol. 10v.
  5. LAV NRW R, Karten, Nr. 1349d.
  6. Keller, Geheimnis, S. 201 (nach LAV NRW R, Reg. Düsseldorf, Nr. 3892 u. ebd., Karten, Nr. 1349d).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 96 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0009600.