Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 88 Stadtmuseum 1591

Beschreibung

Tafelbild mit dem Porträt Herzog Wilhelms V. (des Reichen) von Jülich-Kleve-Berg von Johann Malthain. Öl auf Holz. Von einem Vorhang hinterfangen die Dreiviertelfigur des Herzogs in spanischer Hoftracht, in der rechten, auf Brusthöhe gehaltenen Hand einen Stab und in der linken, etwas tiefer gehaltenen Hand einen Handschuh haltend. Ursprünglich aus dem Schloss? Nach 1888 aus dem Besitz des Amtsgerichtsrats Strauven angekauft durch das Historische Museum, heute Stadtmuseum, wo es sich seitdem befindet.1) 1929 durch P. Gebhardt restauriert.2) Die Bildbeischrift mit Datum und Altersangabe befindet sich am rechten oberen Bildrand.

Maße: H. 117 cm; B. 89 cm; Bu. 0,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 89, Nr. 88 - Stadtmuseum - 1591

 Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf (Andreas Schiblon, LVR -Zentrum für Medien und Bildung) [1/1]

  1. ANNO · 1591 · / AETAT(IS)a) 75 ·

Übersetzung:

Im Jahr 1591 (seines) Alters 75 (Jahre).

Kommentar

Als Kürzungszeichen wird ein Doppelpunkt verwendet, als Worttrenner Punkte. Das linke obere Schaftende des A von ANNO wölbt sich in einem Bogen über das Ende des rechten Schaftes hinaus. Das linke untere Schaftende bildet eine Schlinge. Auch die durch Nexus litterarum verbundenen A und E bei AETATIS sind größer gestaltet als die übrigen Buchstaben, besitzen jedoch keine Zierelemente. Die Gestaltung der Beischrift entspricht derjenigen auf dem Porträt Herzog Johann Wilhelms I., das als Gegenstück zum vorliegenden Bild angefertigt wurde (Nr. 114). Diese Zusammengehörigkeit sowie der Name des Malers Johann Malthain werden durch zwei Kupferstiche des Wilhelm Swanenburg von 1608 und 1610 belegt, auf denen Vater und Sohn mit entsprechenden Angaben nach der Vorlage dieser Porträts als Brustbild abgebildet sind.3) Das Stadtmuseum Düsseldorf besitzt eine Reihe weiterer Porträts des Herzogs, die nach diesem Bild angefertigt wurden (Nrn. 89, 90, 91).4)

Über den Maler Johann Malthain, auch Malthan, ist wenig bekannt. Aus dem Protokoll seiner Zeugenvernehmung im Prozess gegen Jakobe von Baden im Jahr 1595 geht hervor, dass er im Jahr 1550 geboren wurde und sein Vater den Namen Anthony trug, er also wahrscheinlich aus dem niederländischen Raum stammte. Er gab zu Protokoll, dass er Herzog Johann Wilhelm und die Herzogin Jakobe etliche Male gemalt habe. Die ältesten, ihm zuzuweisenden Porträts der Herzogsfamilie stammen wie dieses aus dem Jahr 1591, das Jüngste von 1605, so dass er mindestens 14 Jahre lang am Düsseldorfer Hof tätig war und der erste nachweisbare Düsseldorfer Hofmaler gewesen ist.5) Er ist nicht, wie verschiedentlich angegeben wurde, mit dem Kupferstecher Jakob Matham6) identisch. Über seine Ausbildung, die zwischen 1560 und 1575 stattgefunden haben dürfte, sowie seine künstlerischen Wurzeln ist nichts bekannt. Allerdings erwähnt Markowitz die Möglichkeit, dass seine „psychologisierende Darstellung“ der Herzöge darauf hinweisen könnte, dass ihm Werke des Hans von Aachen oder seines Umkreises bekannt waren.7)

Der Herzog wirkt auf diesem in seinem letzten Lebensjahr entstandenen Bild mit einem sehr fahlen Inkarnat von Alter und Krankheit gezeichnet. Seine Gestalt ist gebeugt, der Kopf sehr klein, seine Züge zusammengefallen und verhärmt, der Blick nahezu gebrochen.

Textkritischer Apparat

  1. Doppelpunkt als Kürzungszeichen.

Anmerkungen

  1. Inv.-Nr. B 4. Zu dem Ankauf vgl. die entsprechende Inventarkarte im Stadtmuseum und auch die Notiz von 1897 bei Schaarschmidt, Bildnisse, S. 41 Anm. 1, dass eine Reihe von Bildern in den 1860er Jahren „von Herrn Notar Strauven aus Cleve erworben und von seinem Sohne, dem Herrn Amtsgerichtsrath Strauven, … vor einigen Jahren dem Historischen Museum um 600 Mark verkauft“ worden seien. Laut Kat. Ausstellung 1888, S. 214, Nr. 25, befand es sich 1888 im Besitz des Amtsrichters Strauven zu Neuss.
  2. Vermerk auf der Inventarkarte im Stadtmuseum Düsseldorf.
  3. Eine Abb. des Kupferstichs von 1610 mit dem Porträt Herzog Wilhelms V. in: Kat. Land im Mittelpunkt, S. 418, Nr. F 48 (I[rene] M[arkowitz]); eine Abb. des Gegenstücks dazu von 1608, des im Gegensinn zum Gemälde angefertigten Bildnisses Herzog Johann Wilhelm I., bei Hollstein XXIX, S. 33, Nr. 41.
  4. Ob es sich bei dem Porträt des Herzogs, das sich 1895 in Bedburdyck in der Sammlung des Dechanten Giersberg befand und das von Clemen (Die Kunstdenkmäler des Kreises Grevenbroich, hg. von Paul Clemen /Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 3,5/, Düsseldorf 1897, S. 11) als „kleine Wiederholung des grossen im historischen Museum zu Düsseldorf befindlichen Originals“ beschrieben wird, um eine Kopie dieses Gemäldes handelte, konnte nicht geklärt werden.
  5. Die Belege in den Prozessakten veröffentliche als Erster Schaarschmidt, Bildnisse, S. 39–41; vgl. zu Malthain auch ders., Geschichte, S. 5; Kat. Land im Mittelpunkt, Nr. F 46, S. 416–418 (I[rene] M[arkowitz]); Thieme/Becker 23, S. 600.
  6. Zu dem erst 1571 in Haarlem geborenen Jakob Matham vgl. Thieme/Becker 24, S. 237f.; zu der Verwechslung Kat. Land im Mittelpunkt, Nr. F 46, S. 416–418 (I[rene] M[arkowitz]), S. 416.
  7. Ebd., S. 418; das Zitat ebd.

Nachweise

  1. Kat. Ausstellung 1888, S. 25, Nr. 214.
  2. Kat. Reformatio, S. 91, Nr. 137.
  3. Kat. Beiheft 475 Jahre Fürstentum Pfalz-Neuburg, S. 3, Nr. 200.
  4. Kat. Land im Mittelpunkt, S. 417f., Nr. F 47 (I[rene] M[arkowitz]).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 88 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0008805.