Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 65 St. Andreas 3. V. 16. Jh.

Beschreibung

Glocke, Bronze. Sie hängt heute in der sogenannten Taufkapelle, die gleichzeitig Durchgang zur Sakristei ist, und dient zum Läuten beim Einzug des Priesters in den Gottesdienst. Wo sich die Glocke vor dem Bau der Andreaskirche, deren Grundstein (Nr. 139) im Juli 1622 gelegt wurde, befunden hat und wie sie dorthin gelangt ist, ist nicht bekannt.1) Am Hals der Glocke vier Stege; das Bibelzitat, eine Anrufung, verläuft einzeilig zwischen dem zweiten und dem dritten Steg; auf der Flanke auf sich gegenüberliegenden Seiten zweimal die Darstellung einer männlichen Figur als Schulterstück im Halbprofil. Am Wolm drei und am Schlag zwei Stege.

Maße: H. 17 cm; Dm. 19 cm; Bu. 0,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 89, Nr. 65 - St. Andreas - 3. V. 16. Jh.

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften (Gerda Hellmer) [1/5]

  1. · bewar · mich · godt · den · ich · trawe · auff · dich2)

Kommentar

Den Beginn der Inschrift markiert ein Christuskopf mit Kreuznimbus. Das Mittelband wird durch zwei schmale Linien begrenzt. Die Brechungen der Bögen und Schäfte sind nicht sehr scharf. Bei h wird der Bogen unter die Grundlinie gezogen und nach rechts gebogen. Die Fahne des r ist als Quadrangel mit unten angesetztem, nach rechts umgebogenen Zierstrich ausgeführt. Der linke und der mittlere Schaft des w besitzen eine Oberlänge. Nicht zu unterscheiden sind e und c, da bei e der Balken nicht ausgeführt ist. Bei h, b und t finden sich gegabelte obere Schaftenden. Die Worttrennung erfolgt durch zwei 7-strahlige Sterne, drei unterschiedlich ausgeführte Vögel und zwei Rosetten.

Diese Trennzeichen sind ein Indiz dafür, dass die Glocke mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Werkstatt Hachmann in Kleve stammt.3) Erstmals hatte Albert Hachmann Tierfiguren als Trennzeichen auf einer 1533 gegossenen Glocke verwendet. Sie werden von diesem Zeitpunkt an ein typisches Kennzeichen für die Erzeugnisse der Werkstatt4) und sind z. B. auch auf zwei von Wilhelm Hachmann gegossenen Glocken für die evangelische Marktkirche in Essen-Kettwig und St. Ludger in Essen-Werden zu sehen, deren Inschriften Buchstabenformen besitzen, die sehr große Ähnlichkeit mit den hier verwendeten besitzen.5) Nicht zu klären ist lediglich die Frage, ob als Gießer Albert Hachmann oder sein Sohn Wilhelm zu nennen ist.6)

Albert Hachmann war Glocken- und Büchsengießer. Zudem konnte eine Reihe von Mörsern dieser Werkstatt, die ab 1528 in Kleve auf der Stechbahn belegt ist, zugeordnet werden. Bislang sind für Albert Glockengüsse aus den Jahren 1520 bis 1559 bekannt. Für seinen Sohn Wilhelm, ebenfalls Glocken- und Büchsengießer und 1565 bis 1591 Mitglied des klevischen Magistrats, sind Glocken aus den Jahren 1562 bis 1587 nachgewiesen.7) Für die Datierung ist zu berücksichtigen, dass das Bibelzitat dem Wortlaut der Lutherbibel von 1545 folgt.

Anmerkungen

  1. Sie wird in der Auflistung der Glocken von St. Andreas bei Bayerle, Kirchen, S. 167f., und in Beschreibungen der Kirchenausstattung nicht erwähnt. Dies kann seinen Grund aber auch darin haben, dass sie nicht bei den übrigen Glocken im Turm hing.
  2. Ps 16,1 (in der Fassung der Lutherbibel von 1545).
  3. Für diese Hinweise danke ich ganz herzlich Herrn Jörg Poettgen, Overrath. Zu der Werkstatt vgl. ders., 700 Jahre, S. 134–136, und ausführlich Dorgelo, Glockengießer. Vgl. auch knapp Walter, Glockenkunde, S. 750 u. Renard, Glocken, S. 66.
  4. Vgl. dazu Dorgelo, Glockengießer, S. 159.
  5. DI 81 (Essen), Nrn. 119 u. 128. Zwei weitere Glocken dieses Gießers für das Essener Münster sind nicht erhalten.
  6. Freundlicher Hinweis von Herrn Jörg Poettgen, Overath.
  7. Dazu ausführlich Dorgelo, Glockengießer, S. 159f. (Albert) u. 160f. (Wilhelm).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 65 (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0006507.