Inschriftenkatalog: Stadt Düsseldorf

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 89: Stadt Düsseldorf (2016)

Nr. 64† St. Lambertus 1573

Beschreibung

Epitaph für Franciscus Fabricius, Rektor des Düsseldorfer Gymnasiums. Fabricius ist zwischen Schule und Kirche bei der westlichen Doppeltür unter dem Turm neben seinem Vorgänger Johannes Monheim begraben worden.1) Über den Anbringungsort sowie Material und Gestaltung des Epitaphs ist nichts bekannt. Schmitz druckte 1871 ohne Quellenangabe den Setzungsvermerk (A), das Grabgedicht mit Totenlob, Grabbezeugung, Anrede an den Leser und nochmaligem Setzungsvermerk (B) sowie den als Chronodistichon ausgeführten Sterbevermerk (C) ab, die sich auf der „Gedenktafel“ des zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erhaltenen Grabmals für F. Fabricius befanden.2)

Nach Schmitz.

  1. A

    Francisco Fabricio Marcodurano rectori /a) prudentissimo hoc epitaphium Dusselides / musae posuerunt

  1. B

    Hic iacet eloquii Ciceronem laudibus aequansFabricius rector lausque decusque scholaeHic iacet historicus cui si laudatio fiatAetas post Livium vix tulit ulla paremQuem nunc hoc tumulo post funera summa repostumDusselidumque scholae Dusselidesque colunt.Teque rogant quisquis positam modo praeteris urnamNe properes adeo quin prius ista legasUt saltem haec videas caro monumenta parentiDusselides sacro constituisse loco

  1. C

    Annus mensis et dies obitus /SeptenasVoLVens beLLICIta LVna CaLenDasFato FabrICII trIstIa sIgna DabatObiit anno aetatis suae XLVII / nondum completo

Übersetzung:

Franciscus Fabricius aus Düren, dem höchst klugen Rektor, haben die Düsseldorfer Musen dieses Epitaph gesetzt. (A)

Hier ruht der Rektor Fabricius, der Cicero im Ruhm für seine Beredsamkeit gleichkam, sowohl Ruhm als auch Zierde der Schule. Hier ruht der Geschichtsschreiber, dem, falls eine Leichenrede verfasst werden sollte, nach Livius kaum ein Zeitalter seines Gleichen hervorgebracht hat. Ihn, der nun in diesem Grab nach einem höchst erhabenen Leichenbegängnis beigesetzt wurde, verehren sowohl die Schulen der Düsseldorfer als auch die Düsseldorfer [Bürger]. Und sie bitten dich, wer du auch immer an der aufgestellten Urne nur vorübergehst, dass du dich nicht allzu sehr beeilst, ohne dass du vorher diese [Worte] liest, damit du zumindest siehst, dass die Düsseldorfer dieses Denkmal dem geliebten Vorfahren an diesem heiligen Ort gesetzt haben. (B)

Jahr, Monat und Tag des Todes: Als der kriegerische Monat die siebten Kalenden ablaufen ließ, wies er dem Schicksal des Fabricius traurige Zeichen zu. Er starb in seinem noch nicht vollendeten 47. Lebensjahr. (C)

Datum: 26. März 1573 (C).

Versmaß: Elegische Distichen (B, Zeilen 2 u. 3 in C als Chronodistichon).

Kommentar

Interpretatorischer Spielraum ergibt sich bei der Auflösung des Datums in C. Die Formulierung legt nahe, dass Fabricius, wie in der Literatur mehrfach angegeben,3) im März, also am 7. Tag vor den Kalenden des April (26. März) verstorben ist. Wenn der Verfasser der Inschrift, gebunden an die Vorgaben eines elegischen Chronodistichons, als Tagesangabe jedoch den 7. Tag vor den Kalenden des März angegeben haben sollte, so würde das Sterbedatum 23. Februar lauten. Franciscus Fabricius,4) mit deutschem Namen Schmidt, wird zu den „bedeutendsten niederrheinischen Pädagogen des 16. Jahrhunderts“5) gerechnet. Im Jahr 1548 war er an der Kölner Universität immatrikuliert.6) Er beendete seine Studien in Paris bei Petrus Ramus und Adrianus Turnebus.7) Wohl auf Vermittlung Johann von Vlattens8) bekam er eine Stelle am Düsseldorfer Gymnasium,9) wo er 1551 Konrektor und nach dem Tod Monheims 1564 dessen Nachfolger im Amt des Rektors wurde.10) Während es ihm noch gelang, die Schule in ihrer Qualität zu erhalten, verlor sie unter seinen Nachfolgern sehr rasch an Bedeutung und Zuspruch.

Fabricius verfasste zahlreiche Schriften,11) darunter Schulschriften für den Unterricht in der lateinischen und griechischen Sprache sowie Ausgaben und Kommentare zu Werken antiker Schriftsteller, unter anderem zu mehreren Werken Ciceros. Wohl vor allem wegen seiner in mehreren Auflagen erschienenen Lebensbeschreibung Ciceros12) wird er im Grabgedicht (B) als einer der größten Geschichtsschreiber nach Livius gelobt, wegen seiner Schriften und Arbeiten insgesamt mit Cicero gleichgestellt. Hierin wird auch deutlich, dass seine sprachliche Gewandtheit und sein Stil unter den Philologen seiner Zeit große Anerkennung fanden.13) Johann von Vlatten widmete er 1554 aus Anlass der Ernennung zum jülich-bergischen Kanzler die Übersetzungen zweier Reden des Lysias und 1558 eine Ausgabe von Komödien des Terenz.14) Diese Widmungen, aber auch die Tatsache, dass Vlatten Pate einer der Söhne des Fabricius gewesen ist,15) zeigen seine Verbundenheit mit dem humanistisch gesinnten Zirkel am Düsseldorfer Hof.16)

Textkritischer Apparat

  1. Da Schmitz nicht nur die Zeilen in B, sondern alle Zeilen mit Einzug bzw. zentriert setzt, werden bei den Zeilen in nicht gebundener Sprache die Zeilenwechsel kenntlich gemacht, da er vermutlich die Verteilung der Schrift auf der Tafel kenntlich machen wollte. Abweichend von Schmitz werden alle Wortanfänge mit Ausnahme der Satzanfänge, Eigennamen und der ersten Wörter in den Zeilen der elegischen Distichen klein geschrieben.

Anmerkungen

  1. Der Ort der Bestattung wird erstmals bei Schmitz, Fabricivs, S. 31 angegeben: „Scholam inter et Ecclesiam ad Valvas occidentales in porticu“. Schmitz bezieht sich dabei auf handschriftliche, in Privatbesitz befindliche „Vindiciae Antiquitatum Marcoduri“ (ebd., S. 57 Anm. 30). Alle jüngeren Autoren (vgl. z. B. Schumacher, Topographie, S. 88 Anm. 2) berufen sich auf Schmitz. Zu Monheim vgl. Nr. 59.
  2. Schmitz, Fabricivs, S. 31: „Die Gedenktafel seines jetzt verschwundenen Grabmals trug folgende Inschrift:“.
  3. So z. B. Schmitz, Fabricivs, S. 31; Ennen, Fabricius, S. 507. Willemsen, Geschichte, S. 255, nennt den 25. März.
  4. Vgl. zu Fabricius z. B. Ennen, Fabricius; Schmitz, Fabricivs.
  5. Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 572.
  6. Matrikel Köln 2, Nr. 640,23.
  7. Schmitz, Fabricivs, S. 8 ; ders., Nachträge, S. 70f.; Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 572f., die aber irrt, wenn sie als Zeitpunkt der Pariser Studien die „1530er Jahre“ nennt (ebd., S. 469).
  8. Zu Vlatten vgl. Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 676–679.
  9. Nicht eindeutig nachzuweisen ist der Beginn seiner Düsseldorfer Tätigkeit. Sicher falsch ist die Angabe, dass er bereits 1545 am Düsseldorfer Gymnasium unterrichtet habe (so z. B. Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 442). Nach Schmitz (Fabricivs, S. 8 u. S. 44f., Anm. 12 Ende) kam er 1546 nach Düsseldorf, unterbrach seine Lehrtätigkeit jedoch für seine Pariser Studien und befand sich „spätestens“ (ebd., S. 8) 1551 wieder am Gymnasium. Willemsen nennt das Jahr 1548 (Geschichte, S. 240).
  10. Schmitz, Fabricivs, S. 8; Willemsen, Geschichte, S. 237–240 u. 254; Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 572. Die von ihm erstellte Schulordnung von 1566 ist abgedruckt bei Schmitz, Fabricivs, S. 50–54, Anm. 23; in dt. Übersetzung bei Kniffler, Beiträge, S. 42–47.
  11. Zu seinen Schriften vgl. ausführlich Schmitz, Fabricivs, S. 11–24; knapp Ennen, Fabricius, S. 507; Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 513 u. 572f. Eine nicht vollständige Zusammenstellung bei Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis, S. 83; zu den in Düsseldorf gedruckten s. Verzeichnis Düsseldorfer Drucke, Nrn. 9, 33, 36, 40, 43, 75.
  12. Dazu Schmitz, Fabricivs, S. 17f., das folgende Zitat S. 18: „Die ‚historia Ciceronis’ bildete zwei Jahrhunderte hindurch das gebräuchlichste Repertorium für die Kenntnis von Cicero’s Leben und verschaffte ihrem Verfasser den Ehrentitel eines deutschen Cicero.“
  13. Vgl. dazu Kortüm, Nachricht, S. 39.
  14. Vgl. zu den Widmungen Schmitz, Fabricivs, S. 11 u. 13; s. auch Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 499.
  15. Kloosterhuis, Erasmusjünger, S. 525.
  16. Zu diesem Personenkreis ausführlich ebd., S. 485–532.

Nachweise

  1. Schmitz, Fabricivs, S. 31.
  2. Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis, S. 83 (nur Chronogramm in C).

Zitierhinweis:
DI 89, Stadt Düsseldorf, Nr. 64† (Ulrike Spengler-Reffgen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di089d008k0006409.